Italien

Schaffner erwischt viele Schwarzfahrer – und bekommt die Kündigung

Die Arbeit bei der Staatsbahn ist Bonannos Traumjob.

Die Arbeit bei der Staatsbahn ist Bonannos Traumjob.

Bild: Wolfgang Duveneck, dpa

Die Arbeit bei der Staatsbahn ist Bonannos Traumjob.

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Das gibt es nur in Italien: Einem Zugschaffner wird gekündigt, weil er zu viele Schwarzfahrer mit Bußgeld belegt. Nun urteilte ein Gericht - und der Mann ist rehabilitiert.
26.04.2022 | Stand: 08:08 Uhr

Was ist so faszinierend an den Italienern und Italienerinnen? Unter anderem, dass sie ein entspanntes Verhältnis zu Regeln haben. Eine rote Ampel in Rom wird oft schlicht als Empfehlung empfunden. Die Helmpflicht auf dem Motorroller steht zwar Schwarz auf Weiß in der Straßenverkehrsordnung und gilt auch für Neapel, sie wird dort aber kaum befolgt und so gut wie nie sanktioniert.

Schaffner erwischt viele Schwarzfahrer – und bekommt die Kündigung

Auch Pünktlichkeit ist gemeinhin keine italienische Tugend, was den Vorteil bringt, auch mal ungestresst zu einer Verabredung einzutrudeln. Was aber, wenn nordische Strenge und südländisches Dolce Vita aufeinander treffen? Es kommt zum Konflikt oder zumindest zu verständnislosem Kopfschütteln.

Besondere Reibereien gibt es in den Fällen, in denen die Regeln des Zusammenlebens von Italienern selbst besonders strikt ausgelegt werden. Man hat es in diesen Fällen mit einem Kurzschluss im System zu tun. Der derzeit bekannteste Fall dieser Art in Italien trägt den Namen Francesco Bonanno. Er ist 61 Jahre alt und Zugführer bei der italienischen Eisenbahn. 2017 kündigte ihm sein Arbeitgeber Trenitalia, weil er es schlicht zu ernst genommen hatte mit der Fahrkartenkontrolle.

175 Geldstrafen zwischen 2014 und 2016: War Bonanno übereifrig?

In seiner gesamten Laufbahn hat es Bonanno auf etwa 5000 ausgestellte Bußgeldbescheide gebracht. Alleine in den Jahren 2014 bis 2016 soll er 175 solcher Geldstrafen erteilt haben, deren Härte allerdings als überzogen angesehen wurde. Es folgte die Kündigung aus „triftigem Grund“.

Jüngst entschied nun der Oberste Gerichtshof in Rom, dass Bonanno wieder eingestellt werden müsse. In ihrem Urteil schrieben die Kassationsrichter, bei Bonanno handelte es sich um einen „ungewöhnlich eifrigen Kontrolleur, unflexibel und äußerst gewissenhaft bei der Erhebung von Geldbußen“, er sei ein Beamter mit „eifriger Unnachgiebigkeit“. Weder habe der 61-Jährige „in böser Absicht gegenüber dem Unternehmen“ noch „zum alleinigen Zweck der Gewinnerzielung“ gehandelt. Die ihm in einigen Fällen unterlaufenen Fehler seien die „indirekte Auswirkung seines Übereifers“.

Schaffner Bonanno über seinen Job: „Ich liebe diese Arbeit“

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Für den Zugführer ist die Entscheidung „das Ende eines Albtraums“. „Ich liebe diese Arbeit“, sagte Bonanno dem Corriere della Sera. Er stamme aus einer Eisenbahnerfamilie und habe schon als Kind davon geträumt, den ganzen Tag in den Waggons auf und ab zu fahren. Seine Strenge beschreibt Bonanno als „eine Frage der Zivilisation“. Die meisten Fahrgäste stünden auf seiner Seite. „Sie können es nicht ertragen, dass es Menschen gibt, die den gleichen Service genießen, ohne einen Cent zu bezahlen.“

Die Frage, warum ausgerechnet Bonanno es so ernst mit der Regelauslegung in italienischen Zügen nimmt, lässt sich vielleicht durch ein biografisches Detail erklären. Denn Francesco Bonanno stammt aus Sizilien, lebt aber im nördlicheren Jesolo bei Venedig. Die südliche Lässigkeit ist bei ihm förmlich auf der Strecke geblieben.