Corona-Pandemie

Stiko empfiehlt Omikron-Impfstoffe als Booster

Die Ständige Impfkommission hat am Dienstag eine Empfehlung für die Verwendung der an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffe abgegeben.

Die Ständige Impfkommission hat am Dienstag eine Empfehlung für die Verwendung der an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffe abgegeben.

Bild: Sina Schuldt, dpa

Die Ständige Impfkommission hat am Dienstag eine Empfehlung für die Verwendung der an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffe abgegeben.

Bild: Sina Schuldt, dpa

Für BA.4/5-Vakzin gibt es bisher nur Ergebnisse aus Versuchen mit Mäusen. Bei der Stiko ist man darüber nicht glücklich. Warum es dennoch eine Empfehlung gibt.
20.09.2022 | Stand: 13:19 Uhr

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat am Dienstag eine Empfehlung für die Verwendung der an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffe abgegeben. Bei diesen neuen Impfstoffen, die an BA.1 und BA.4/5 angepasst sind, handelt es sich um sogenannte bivalente Impfstoffe - sie basieren also sowohl auf den Sequenzen des Wildtyps als auch auf den Omikron-Subtypen. Die Idee dahinter: Durch die Kombination soll eine bereitere Immunantwort erzielt werden.

Die neuen Impfstoffe werden für Menschen empfohlen, die bereits eine Grundimmunisierung haben. Für die 3. und 4. Impfung sollen die angepassten Vakzine nun "vorzugsweise" verwendet werden. Es können sowohl Menschen geimpft werden, die bereits infiziert waren, aber auch Menschen, die noch keinen Kontakt zum Virus hatten. Wie bisher rät die Stiko Menschen ab 12 Jahren, die zwei Mal geimpft sind, zu einer dritten Impfung. Eine vierte Impfung wird für Menschen über 60 Jahren empfohlen, für Kinder ab fünf Jahren, die aufgrund einer Erkrankung ein eingeschränktes Immunsystem und somit ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf haben und für Menschen, die dem Virus häufiger ausgesetzt sind, etwa medizinisches Personal. Eine offizielle Mitteilung der Stiko soll noch heute Nachmittag veröffentlicht werden.

Omikron-Impfstoff BA.4 und BA.5: Nur Daten aus Maus-Experimenten

Bei der Stiko ist man allerdings trotz der ausgesprochenen Empfehlung nicht ganz glücklich. Während es für den Impfstoff, der an die BA.1-Subvariante angepasst ist, klinische Daten gebe, sei das beim BA.4/5.-Vakzin nicht der Fall. "Wir haben keine Humandaten, sondern Daten aus Maus-Experimenten", sagt Prof. Dr. Christian Bogdan, Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen, sowie Mitglied der Stiko. Im Tierversuch sei untersucht worden, ob beim BA.4/5-Impfstoff in Analogie zu den bisherigen Vakzinen eine Antikörperreaktion ausgelöst wird und ob diese Antikörper dann in der Lage sind, die Variante zu neutralisieren. "Und das war der Fall", sagt Bogdan. Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass das beim Menschen nicht auch so sein sollte. Aber natürlich, fährt Bogdan fort, sei das ein Schwachpunkt. "Da sind wir vonseiten der Stiko nicht besonders glücklich, dass keine Humandaten vorliegen und für uns ist es auch ein bisschen schwer nachzuvollziehen, warum die noch nicht da sind."

Sein Stiko-Kollege Prof. Dr. Jörg Meerpohl, Direktor des Instituts für Evidenz in der Medizin am Universitätsklinikum Freiburg, ergänzt: "Das ist nicht das, was wir uns wünschen würden. Wenn das eine neue Impfung, ein neues Virus wäre, dann würden wir auf dieser Basis sicher keine Empfehlung aussprechen, also nur auf der Basis einer Tierstudie." Aber in der aktuellen Lage sei es so, dass man "verschiedene Evidenzkörper" habe, die man nun zusammenführen müsse, "Wir wissen einiges aus den Zulassungsstudien zu den klassischen Impfstoffen, da haben wir mittlerweile viel Erfahrung", sagt Meerpohl. Zudem haben man für den an die BA.1-Variante angepassten Impfstoff Human-Daten. "Das ist ein weiteres Puzzlestück, wie die Wirksamkeit hier einzuschätzen ist." Und dann gebe es eben noch die Daten aus den Maus-Experimenten. "Wir können uns die Welt nicht so malen wie sie gerne hätten, sondern müssen mit dem leben, was wir haben", sagt Meerpohl. "Trotzdem wäre es aus meiner Sicht ganz wichtig, dass wir hier noch mal festhalten, dass das kein Dauerzustand sein kann. Das ist nicht befriedigend. Weder sollte es für diese einzelne Impfempfehlung ein Dauerzustand sein, noch - und das wäre mir noch ein größeres Anliegen - für die Zukunft. Wir sollten nicht in eine Situation hineinlaufen, wo neue Impfstoffe grundsätzlich nach einem solchen Modell entwickelt werden."

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Neue Omikron-Variante könnte sich durchsetzen

Auch das Bundesgesundheitsministerium hat sich zu den neuen Vakzinen geäußert. Die Wirkung und Verträglichkeit des BA.1-Impfstoffs sei mit mehreren tausend Probanden getestet worden, schreibt das Ministerium auf Twitter und fügt hinzu: "Die durch die BA.4/BA.5-Anpassung verbesserte Wirksamkeit bei der Antikörperbildung wurde in Tierversuchsreihen bestätigt, die übrige Zusammensetzung des Impfstoffs bleibt gleich."

Mit den angepassten Impfstoffen wollen man sich für die Zukunft aufstellen, sagt Stiko-Mitglied Bogdan. Das heißt: Auf eventuell auftretende weitere Varianten der Omikron-Mutante. "Da könnte man annehmen, dass die Benutzung der bivalenten Impfstoffe einen Vorteil gegenüber der monovalenten haben könnte." Eine solche neue Omikron-Variante steht möglicherweise schon in den Startlöchern: BA2.75.2. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach schreibt am Montag auf Twitter: "BA2.75.2 könnte die nächste Variante werden, die sich durchsetzt."

Der BA.1-Impfstoff wirkt den Expertinnen und Experten zufolge übrigens auch gegen BA.5. Denn zwischen den beiden Untervariante gebe es nur wenige Veränderungen. Der größte Sprung sei der vom Wildtyp zu Omikron gewesen, hier unterscheiden sich die Spike-Proteine an dreißig Stellen, erklärt Prof. Dr. Christine Falk, die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Stiko-Mitglied Bogdan ergänzt, dass auch die bisherigen Impfstoffe weiterhin verwendet werden könnten: "Alle vorhandenen Impfstoffe, auch die bisherigen, schützen vor schweren Verläufen."

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