Tatort-Kritik

"Alles was Recht ist": Sehenswerter Schmerz und Schmäh

Wie gut war der Tatort "Alles was Recht ist? Sarah Ritschel hat sich die neue Folge aus Wien angesehen und darüber geschrieben.

Wie gut war der Tatort "Alles was Recht ist? Sarah Ritschel hat sich die neue Folge aus Wien angesehen und darüber geschrieben.

Bild: Ulrich Wagner

Wie gut war der Tatort "Alles was Recht ist? Sarah Ritschel hat sich die neue Folge aus Wien angesehen und darüber geschrieben.

Bild: Ulrich Wagner

Kritik zu "Alles was Recht ist": Der Wiener Tatort am Sonntag beginnt mit dem Freispruch eines Doppelmörders. Es ist der Start in einen der besten Wiener Fälle.
05.04.2022 | Stand: 12:11 Uhr

Man könnte mit vielen Szenen einsteigen in diese Kritik. Mit der nachdenklichsten, als Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) auf dem Dach des Präsidiums über den flüchtigen Wert von Freundschaft sprechen. Oder mit einer lustigen, als der unter Wien-Fans legendäre Inkasso Heinzi (Simon Schwarz) im Gefängnis-Outfit seine „Bibi-Puppi“ wiedertrifft.

Tatort "Alles was Recht ist": Kritik zur neuen Folge aus Wien

Aber wahrscheinlich sollte man doch mit dem Mörder beginnen, der angesichts eines bevorstehenden Lebens in Haft erleichtert lächelt. Dieses Lächeln beinhaltet alles, was die neueste Wiener Episode ausmacht. Schon der Titel ein famoses Wortspiel: „Alles was Recht ist“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD).

Es geht um die Gerechtigkeit des Justizsystems, um das irdische Gesetz im Kampf mit dem himmlischen und um die Frage, ob man eine Vermisstenanzeige schalten muss, wenn man jemanden doch gar nicht vermisst.

Johannes Zeiler als Doppelmörder im Wiener "Tatort"

Verschwunden ist Stefan Weingartner (vielschichtig: Johannes Zeiler), Doppelmörder, Vater und tiefgläubiger Christ. Seine Schuld scheint schon nach den ersten Minuten klar: Nur die milchige Scheibe einer Wohnzimmertür erspart den Zuschauerinnen und Zuschauern Details der Meuchelei an seiner Frau und deren bester Freundin.

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Das sind die legendärsten Tatort-Ermittler

Weingartner ruft selbst die Polizei, die Tatwaffe neben der Couch, das Hemd getränkt mit Blut. Das Grauen, hineingepflanzt in ein 70er-Jahre-Wohnzimmer. Man sieht den seiner Lebtag so tadellosen Beamten schon im Gefängnis, auch Fellner und Eisner sind sich seiner Verurteilung sicher. Doch der gerissenste Strafverteidiger Österreichs, Thomas Hafner (gelackt: Julian Loidl) sieht den Fall als nette Herausforderung und erstreitet einen Freispruch.

Verbindung zwischen Inkasso Heinzi und Bibi wird aufgeklärt

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Bald darauf liegt Hafner selbst erschossen auf seiner Schreibtischplatte – und die Zahl der Hasser ist hoch. Sogar Eisner hatte kurz zuvor gesagt, „Typen wie der Hafner“ gehörten aus dem Verkehr gezogen. Hat Weingartner, der freigesprochene Mörder, zum dritten Mal Schuld auf sich geladen? Und warum um Himmels willen? Wie das Wiener Team das herauszufinden versucht, ist eine Schau.

Fazit zum neuen Tatort am Sonntag: "Ein Hoch auf Wien"

Plus: Elf Jahre nach Inkasso Heinzis erstem Auftritt im „Tatort“ wird die Verbindung zwischen Bibi und dem zwielichtig-schrägen Kriminellen endlich aufgeklärt. Assistentin Meret Schande (Christian Scherrer) entwickelt sich zur unaufgeregten Nummer drei im Wiener Team. Und das Beste: Der Wiener Schmäh, von vielen Fans in den letzten Österreich-Fällen schmerzlich vermisst, ist auch wieder da. (Lesen Sie auch: "Haus der Träume" in Cannes ausgezeichnet)

Zwischendrin prostet der Gerichtsmediziner Eisner mit einem C2H5OH, der Volksmund sagt auch Alkohol, auf Zwetschgenbasis zu. Vollkommen zu Recht. Ein Hoch auf Wien.