Kommentar

Die Homeoffice-Pflicht ist tot – es lebe das Homeoffice

Eine Frau arbeitet im Homeoffice.

Eine Frau arbeitet im Homeoffice.

Bild: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Eine Frau arbeitet im Homeoffice.

Bild: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Mal abgesehen vom Corona-Schutz: Mobilen Arbeitsformen gehört die Zukunft. Sie helfen gegen den Klimawandel und die Wohnungsnot - und Fachkräfte fordern sie.
21.03.2022 | Stand: 09:14 Uhr

Die Pflicht zum Hoemoffice geht, doch die große Zeit des mobilen Arbeitens beginnt wohl gerade erst. Das liegt nicht nur daran, dass viele Unternehmen angesichts gewaltiger Corona-Infektionszahlen ihren Mitarbeitern zu Recht weiter freistellen, ob sie von Zuhause aus arbeiten oder im Büro. Flexibleren Beschäftigungsformen gehört die Zukunft aus Gründen, die weit über den Ansteckungsschutz hinausreichen.

Zunächst einmal wünschen sich viele Menschen schlichtweg, zumindest zeitweise ihre Aufgaben in den eigenen vier Wänden erledigen zu können. Lang gepflegte Argumente von Bossen, warum es ohne Präsenz keinesfalls gehe, hat der unfreiwillige, rund zweijährige Großversuch widerlegt. Die Produktivität ist nicht massiv eingebrochen, sondern oft gestiegen, technische Voraussetzungen wurden unter dem Druck der Pandemie schnell geschaffen. Weil qualifizierte Fachkräfte immer knapper werden, können Firmen gar nicht umhin, sich mehr danach zu richten, was diese wollen. Eine Homeoffice-Pflicht wird es da wohl gar nicht brauchen, weil gute Wahlmöglichkeiten zum Wettbewerbsfaktor werden.

Gerechter wird die Arbeitswelt leider nicht

Das führt dann auch gleich zur hässlichen Seite der Debatte. Gerechter macht Homeoffice die Arbeitswelt nämlich nicht. Schon weil es für einen großen Teil der Beschäftigten schlichtweg unmöglich ist, etwa Kassierer oder Busfahrerinnen. Aber auch bei jenen, deren Arbeit überall getan werden kann, klaffen die Bedingungen weit auseinander. Homeoffice kann im Extremfall zur völligen Entgrenzung von Berufs- und Privatleben führen, wenn Führungskräfte ständige Erreichbarkeit voraussetzen, Überlastung aber nicht mehr sehen. Andere dagegen blühen auf, wenn der lange Pendelweg wegfällt, die Kollegen nicht mehr stören und sie selbst entscheiden können, was sie wann und wo erledigen. Für die Arbeitgeber ergibt sich ein ebenso gemischtes Bild: Manche beklagen weniger Kontrollmöglichkeiten, andere freuen sich über gestiegene Produktivität. Wo die Belegschaft sich schon vorher wenig zu sagen hatte, wird nun gar nicht mehr geredet. Andernorts steigt der Zusammenhalt per Videokonferenz und letztlich der Gewinn, während gleichzeitig Bürokosten eingespart werden. Homeoffice kann Probleme verstärken, aber auch Chancen potenzieren.

Wo weniger Büros gebraucht werden, kann mehr Wohnraum entstehen

Wird die Entwicklung in die richtigen Bahnen gelenkt, sodass auch der Arbeitsschutz nicht unter die Räder kommt, können die neuen Beschäftigungsformen die ganze Gesellschaft zum Besseren verändern. Wohnungsnot und die Explosion von Miet- und Immobilienpreise etwa ließen sich dämpfen: Wo weniger Büros gebraucht werden, kann mehr Wohnraum entstehen. Es müssten erst gar nicht mehr so viele Menschen dorthin ziehen, wo der Wohnraum ohnehin schon knapp und teuer ist.

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Das Homeoffice kann außerdem zur Rettung des Klimas beitragen und die fatale Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern, die der russische Überfall auf die Ukraine gerade so schmerzhaft deutlich macht. Ein großer Teil aller Arbeitswege wird nach wie vor mit dem Auto zurückgelegt, dabei werden gewaltige Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre geblasen. Selbst wenn irgendwann alle Wagen elektrisch fahren, wird grüner Strom noch lange nicht unbegrenzt vorhanden sein. Deshalb wird Pendeln teuer bleiben. Schon heute könnten unzählige Menschen täglich Geld sparen, wenn sie weiter im Homeoffice bleiben dürften. Denn neben den gewaltigen Corona-Inzidenzen liefern die horrenden Benzinpreise beste Argumente dafür, das Heim-Büro jetzt nicht vorschnell zu beerdigen, sondern es intelligent weiterzuentwickeln.