Pandemie

Funktion, Datenschutz, Download: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-App

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes wird am Dienstag vorgestellt. Mit ihr sollen Corona-Infektionsketten besser erkannt werden. Wie funktioniert die Corona-App technisch? Was soll sie bringen? Und was ist mit dem Datenschutz? Die Fragen und Antworten im Überblick.

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes wird am Dienstag vorgestellt. Mit ihr sollen Corona-Infektionsketten besser erkannt werden. Wie funktioniert die Corona-App technisch? Was soll sie bringen? Und was ist mit dem Datenschutz? Die Fragen und Antworten im Überblick.

Bild: Stefan Jaitner, dpa

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes wird am Dienstag vorgestellt. Mit ihr sollen Corona-Infektionsketten besser erkannt werden. Wie funktioniert die Corona-App technisch? Was soll sie bringen? Und was ist mit dem Datenschutz? Die Fragen und Antworten im Überblick.

Bild: Stefan Jaitner, dpa

Am Dienstag startet die offizielle Corona-Warn-App des Bundes. Was man zu der App wissen muss, wie sie funktioniert - und was Datenschützer sagen.

Von Allgäuer Zeitung
14.06.2020 | Stand: 17:50 Uhr

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes wird am Dienstag vorgestellt. Mit ihr sollen Corona-Infektionsketten besser erkannt werden. Wie funktioniert die Corona-App technisch? Was soll sie bringen? Und was ist mit dem Datenschutz? Die Fragen und Antworten im Überblick.

Was genau macht die Corona-Warn-App?

Die Corona-App kann feststellen, ob sich der Nutzer der App und ein Corona-Infizierter, der die App ebenfalls hat, nahe gekommen sind - und zwar über einen Zeitraum von 15 Minuten oder länger, sowie näher als ungefähr zwei Meter. Dafür nutzt die App die Bluetooth-Funktion. Wenn einer der App-Nutzer zuvor angegeben hat, dass er positiv auf Covid-19 getestet wurde, werden die anderen Anwender informiert, dass sie in der Nähe einer infizierten Person waren.

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Wie funktioniert das Ganze technisch?

Wenn zwei Nutzer der App aufeinandertreffen, können sich die Apps über Bluetooth gegenseitig erkennen und tauschen anonyme Zahlenfolgen - IDs - aus. Diese IDs werden in den Apps gespeichert. Gibt dann später eine der Personen an, positiv auf COVID-19 getestet zu sein, werden alle temporären IDs, die das Gerät der infizierten Person in den vergangenen 14 Tagen generiert hat, an einen Server gesendet.

Die Corona-Warn-Apps laden regelmäßig von diesem Server die als positiv gemeldeten IDs herunter und gleichen sie mit den auf dem Gerät vorhandenen Daten ab. Entdeckt die App dann die ID eines Infizierten, gibt sie per Push-Mitteilung einen Alarm aus.

Erfahre ich als App-Nutzer, wer genau infiziert ist?

Nein. Als Nutzer erfährt man keine konkrete ID und auch keinen Namen, sondern nur, dass ein Kontakt mit einer infizierten Person stattgefunden hat.

Erfährt die infizierte Person, wer alles gewarnt worden ist?

Nein, die infizierte Person weiß nicht, welche Personen eine Warnung erhalten.

Erfasst die App, an welchem Ort man einem Corona-Kranken begegnet ist?

Nein, der Ort der Begegnung wird nicht erfasst. 

Welche Folgen hat die Warnung?

Die Warnung bedeutet nicht automatisch, dass man sich durch Corona infiziert hat. Aber sie ist ein Hinweis, dass man nun besonders vorsichtig sein sollte und gegebenenfalls einen Arzt aufsucht, um sich testen zu lassen. 

Muss ich zuhause bleiben, wenn mich die App über einen Kontakt mit einem Infizierten informiert hat?

Nein. Eine solche Pflicht besteht laut Verbraucherzentrale nicht.

Welches Ziel hat die Corona-Warn-App genau?

Mit ihr sollen Corona-Infektionsketten besser erkannt werden. Sie soll so dafür sorgen, dass bei einer Lockerung für das öffentliche Leben die Ausbreitung des Coronavirus nicht wieder stark ansteigt. Allerdings gibt es auch durchaus Skeptiker. Der Bonner Virologe Hendrick Streeck etwa sieht das Ganze eher kritisch. Die App käme "bisschen spät", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Vor allem wisse man nicht, "ob sie überhaupt etwas dazu beitragen kann, in Deutschland eine Pandemie zu kontrollieren".

Ist die Nutzung der Corona-Warn-App freiwillig?

Ja. Besitzer eines geeigneten Smartphones können freiwillig entscheiden, ob sie die Warn-App installieren wollen oder nicht. Die App kann auch nachträglich wieder deaktiviert oder deinstalliert werden.

Kann ich die Corona Warn-App des Bundes kostenlos downloaden?

Ja, die App ist kostenlos.

Wie kann ich die Corona-Warn-App nutzen?

Jeder, der ein Smartphone besitzt, kann sich die Corona-Warn-App aus dem offiziellen Store von Google (Playstore) oder Apple (Apple App-Store) kostenlos herunterladen. Besitzer von Android-Geräten benötigen mindestens Version 6.0 (Marshmallow), Apple-Nutzer benötigen ein Gerät mit iOS 13.5.

Voraussetzung für die Nutzung der App ist außerdem, dass auf dem Smartphone die COVID-19-Funktion aktiviert ist. Erst dann können zufällig generierte IDs unter den Geräten über Bluetooth ausgetauscht werden. Wenn Sie Android nutzen, können Sie die neue Schnittstelle folgendermaßen finden:

  • Öffnen Sie die Einstellungen.
  • Tippen Sie auf Google bzw. Google-Einstellungen.
  • Als erster Menüpunkt im Bereich "Dienste" sollte Benachrichtigung zu möglichem Kontakt mit COVID-19-Infizierten stehen.
  • Tippen Sie den Menüpunkt an, können Sie Ihre Zufalls-ID löschen und Kontaktbenachrichtigungen deaktivieren. Das funktioniert allerdings erst, wenn eine entsprechende App wie die in Arbeit befindliche Corona-Warn-App installiert wurde.

Nutzer von Apple-Geräten können die Aktualisierung auf iOS 13.5 unter Einstellungen, Allgemein, Softwareupdate herunterladen und installieren. Danach können Sie die Funktion für die Tracing-App folgendermaßen finden:

  • Öffnen Sie die Einstellungen.
  • Tippen Sie auf Datenschutz.
  • Tippen Sie auf Bluetooth oder Health (die Bezeichnungen können je nach iPhone-Modell unterschiedlich sein).
  • Dort sollte der Menüpunkt COVID-19-Kontaktprotokoll stehen. Wenn Sie ihn antippen, können Sie die Schnittstelle einschalten. Sie ist standardmäßig deaktiviert. Sie kann erst aktiviert werden, nachdem Sie eine autorisierte App auf Ihrem iPhone oder iPad installiert haben.

Mit den Updates werden nicht automatisch IDs erstellt und genutzt. Das funktioniert erst, wenn auch die Corona-Warn-App installiert wird und muss von Ihnen aktiv freigegeben werden.

  • Technisch setzt die App voraus, dass das Smartphone über Bluetooth verfügt und dieses permanent eingeschaltet ist
  • Zudem setzt die App voraus, dass auf dem Smartphone mindestens 10 MB Speicherplatz vorhanden sind. 

Warum kommt die Warn-App erst jetzt in Deutschland?

Der Start der App war ursprünglich schon für Ende April geplant. Zu diesem Zeitpunkt entschied dann die Bundesregierung, nicht mehr das Projektteam, sondern die Unternehmen SAP und T-Systems mit der Umsetzung zu beauftragen. Kanzleramtschef Braun räumte Versäumnisse bei der Entwicklung der App ein. "Aus heutiger Sicht hätten wir die Entscheidung, die Unternehmen mit der technischen Umsetzung der Corona-App zu betrauen, zehn Tage früher treffen sollen", sagte der CDU-Politiker. Braun sprach auch von Differenzen im ursprünglichen Projektteam, die einen schnellen Erfolg verhindert hätten.

Wie ist es mit dem Datenschutz bei der Corona-App?

Bei der App wurde ein mehrstufiges Datenschutzkonzept umgesetzt. Der Bundesdatenschutzbeauftragte, Ulrich Kelber, lobte die App. "Was vorliegt, macht insgesamt einen soliden Eindruck", sagte er. "Mir ist besonders wichtig, dass die relevanten Dokumente zum Datenschutz, insbesondere die Datenschutzfolgeabschätzung, zum Start der App fertig sind." Sie sollten ab dem ersten Tag öffentlich sein, um in der Bevölkerung Vertrauen und Akzeptanz zu schaffen, so Kelber.

Der Datenschutzbeauftragte betonte weiter, nach der Veröffentlichung beginne die nächste Phase der notwendigen Arbeiten. "Ich bin zuversichtlich, dass die beteiligten Unternehmen offene Punkte und eventuell auftretende Erkenntnisse schnellstmöglich angehen." Nur dann würden sich genügend Bürger beteiligen.

Der Quellcode der Corona Warn App ist öffentlich und kann hier eingesehen werden.

Quellen: Verbraucherzentrale, Bundesregierung, dpa

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