Corona-Pandemie

Immer mehr Eltern lassen auch kleine Kinder gegen Corona impfen

Die Stiko hat die Impfung gegen Corona für Kinder ab fünf Jahren nicht generell empfohlen, aber die Tür dazu geöffnet.

Die Stiko hat die Impfung gegen Corona für Kinder ab fünf Jahren nicht generell empfohlen, aber die Tür dazu geöffnet.

Bild: Jan Woitas, dpa

Die Stiko hat die Impfung gegen Corona für Kinder ab fünf Jahren nicht generell empfohlen, aber die Tür dazu geöffnet.

Bild: Jan Woitas, dpa

Die Stiko empfiehlt die Impfung zwar nur für Risikogruppen, öffnet die Tür aber auch für Kinder ab fünf Jahren. Kinderärzte spüren eine hohe Nachfrage.
11.12.2021 | Stand: 09:14 Uhr

Obwohl die Ständige Impfkommission das nicht explizit empfiehlt, wollen immer mehr Eltern auch kleinere Kinder gegen das Coronavirus impfen lassen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat den Biontech-Impfstoff für Mädchen und Jungen ab fünf Jahren zugelassen.

Die Experten der Stiko hatten sich am Donnerstag allerdings nur dafür ausgesprochen, Kinder bis elf Jahre immunisieren zu lassen, die vorerkrankt sind oder engen Kontakt zu Risikopatienten haben. Für viele Eltern war aber ein Zusatz der Erklärung entscheidend: Auch gesunde Kinder können auf Wunsch und nach individueller Aufklärung geimpft werden. Alle Infos zur Corona-Krise auch im Newsblog.

Das Gremium begründet seine Zurückhaltung mit fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnissen. Christian Voigt, Obmann der Kinderärzte in Augsburg und Schwaben Nord, kann das nachvollziehen. „Die Abwägung ist auch für die Familien natürlich weiterhin schwierig, weil wir eine relativ dünne Datenlage über die Impfung bei Kindern haben. Aber wir haben eben auch eine dünne Datenlage über das Virus an sich und die Frage, was es bei Kindern und Erwachsenen, vielleicht auch langfristig, anrichten kann“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Nachfrage nach Impfungen für Kinder sei aktuell sehr hoch.

Stiko-Chef Thomas Mertens verweist auf fehlende Daten

Doch manche Eltern hadern damit, dass sich die Impfkommission eher vage ausgedrückt hat. „Es gibt zwar keinen direkten Hinweis auf ein Risiko der Impfung in dieser Altersgruppe, aber es gibt eben auch keine ausreichend sichere Datenbasis, um die Sicherheit abschließend zu bewerten“, hatte Stiko-Chef Thomas Mertens erklärt. Zur Erinnerung: Auch für Kinder ab zwölf Jahren hatte man zunächst nur eine teilweise Impfempfehlung abgegeben und sie nach Analyse weiterer Daten dann doch auf die gesamte Altersgruppe ausgeweitet.

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Mit Viertimpfungen gegen die Corona-Sommerwelle?

In den USA haben bereits rund fünf Millionen Kinder zwischen fünf und elf Jahren mindestens eine Spritze erhalten. Auch in Kanada und Israel wurden zehntausende kleinere Kinder geimpft. Von ernsthaften Nebenwirkungen ist nichts bekannt. Kollegen aus den USA hätten berichtet, dass es dort „sehr wenige, gut verlaufene Fälle von Herzmuskelentzündungen“ gegeben habe, sagte Mertens. Expertinnen und Experten betonen zugleich, dass die Wahrscheinlichkeit, solche Symptome durch eine Infektion zu erleiden, deutlich größer sei als durch den Impfstoff.

Kinderarzt: Es geht nicht nur um drohende Infektion, sondern auch um Schäden an der Seele

Für Kinderarzt Voigt ist es eine Frage der Abwägung: „Das Virus ist ein unbekannter Angreifer, den wir mit einem zugelassenen Impfstoff gezielt abwehren können. Und es geht ja nicht nur um die Risiken einer Infektion, sondern auch um drohende Schäden an der Seele durch die dauerhafte Reduzierung sozialer Kontakte, durch Quarantäne, geschlossene Kindergärten und Schulen.“

Fest steht, dass die Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen besonders hoch sind. Das Robert Koch-Institut meldet in der Altersgruppe der Fünf- bis Neunjährigen eine Inzidenz von rund 900 – etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.

Da es bei Kindern bislang selten zu harten Verläufen kam, sind viele Eltern hin- und hergerissen. Berichte, die Omikron-Variante habe in Südafrika vermehrt Mädchen und Jungen ins Krankenhaus gezwungen, schüren neue Verunsicherung, obwohl Experten sie für noch nicht belastbar halten.

Wichtiger wäre eine höhere Impfquote bei stärker gefährdeten Gruppen

Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, wäre es zwar wichtiger, die Impfquote in den Gruppen zu erhöhen, die große Gefahr laufen, auf der Intensivstation zu landen. Doch auch wenn sich insgesamt mehr Menschen – also auch Kinder – impfen lassen, kann die Ausbreitung des Virus gebremst und die Situation in den Kliniken entschärft werden.

Für Kinderarzt Voigt hat das einen faden Beigeschmack: „Ich finde es sehr bitter, dass sich so viele Erwachsene nicht impfen lassen und deshalb nun auch die Kinder den Karren aus dem Dreck ziehen müssen.“

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