Telegram Alternative

Sollte Telegram abgeschaltet werden, hätte das harte Folgen

Journalisten und Bürgerrechtler sehen eine etwaige Telegram-Blockade kritisch.

Journalisten und Bürgerrechtler sehen eine etwaige Telegram-Blockade kritisch.

Bild: Fabian Sommer, dpa

Journalisten und Bürgerrechtler sehen eine etwaige Telegram-Blockade kritisch.

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Bundesinnenministerin Nancy Faeser will den Messenger Telegram abschalten – das kann aber zum Problem werden. Warum das so ist und welche Alternativen es gibt.
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Von Leon Ueberall
26.01.2022 | Stand: 20:00 Uhr

Telegram ist bösartig – so könnte man meinen. Die neue Bundesinnenministerin sieht den Messengerdienst jedenfalls als eine Gefahr für die Demokratie und plant erste Schritte, Telegram zu blockieren. Dabei könnte das die Pressefreiheit einschränken und technisch kaum möglich sein.

Verschwörungserzählungen, Reichsbürger und Mordpläne gegen Ministerpräsidenten – all das findet sich auf Telegram. Weil die Firma hinter dem Messengerdienst, wenn es darum geht, strafwürdige Inhalte zu entfernen, nicht mit den deutschen Behörden kooperiert, hat sich die Lage in den letzten Wochen zugespitzt. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) erinnerte nun Apple und Google an ihre „gesellschaftliche Verantwortung“ und forderte die Techgiganten dazu auf, die App aus dem Appstore und Playstore zu entfernen.

Auf Nachfrage wurde unserer Redaktion mitgeteilt, dass Google derzeit im Austausch mit dem Bundesinnenministerium sei. Ob die Firmen diese Forderung tatsächlich umsetzen, ist noch nicht bekannt. Allerdings würde es nur wenig bringen: Auf Android-Geräten könnte Telegram noch immer über die Website des Messengerdienstes heruntergeladen werden. Außerdem wird die App, wenn sie nicht mehr im offiziellen Store angeboten wird, nicht automatisch deinstalliert. Das bedeutet, dass alle Personen, welche Telegram bereits auf ihrem Smartphone haben, die App auch ohne Probleme weiter nutzen können. Lediglich Updates würden komplizierter und müssten dann über die offizielle Website abgewickelt werden.

Trotzdem, Telegram würde es aber im Rennen gegen den Konkurrenten WhatsApp schaden.

Journalisten brauchen Telegram zur Kommunikation mit Quellen

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Eine Sperre könnte aber auch anderen schaden: Manche Journalisten sind beispielsweise auf Telegram angewiesen. "In Demokratien sind Messengerdienste wie Telegram eine Schwächung fürs System, in totalitären Regimen oft der einzige Weg der einigermaßen freien Kommunikation der Zivilbevölkerung“, so die ARD-Korrespondentin Natalie Amiri auf Twitter.

Ihr Kollege Demian von Osten pflichtet dem bei und schrieb, dass eine Kommunikation wegen der Überwachung des Geheimdienstes mit Oppositionellen des Regimes in Belarus oder Russland ohne Telegram nicht möglich wäre. Eine Telegramsperre auf europäischer Ebene würde dazu führen, dass Betroffene nicht mehr so einfach aus einer Diktatur heraus mit uns kommunizieren könnten.

Telegram wird allerdings nicht nur von Aktivistinnen und Aktivisten, Journalistinnen und Journalisten oder Verschwörungstheoretikern genutzt. Die App erlebte nach Facebooks Datenschutzskandalen einen regelrechten Aufschwung, da WhatsApp-Nutzerinnen und -Nutzer zu dem Messengerdienst wechselten. So existieren dort unter anderem Kanäle von Stadtverwaltungen und Firmen oder auch Familiengruppen und bundesweite Kleidertausch- und Wettbörsen.

Diese Alternativen für Telegram gibt es

Für alle, die ein Ende von Telegram befürchten oder die App nicht weiter unterstützen wollen, hat die Redaktion ein paar Alternativen zusammengestellt:

Der Signal Messenger

Signal gibt es kostenlos für Android und iOS. Der Quellcode von Signal ist frei im Netz verfügbar, sodass ihn Interessierte sowie Expertinnen und Experten selbst in Augenschein nehmen können. Aus Sicht von Datenschutz-Organisationen erhöht das die Transparenz und Sicherheit. Die Nachrichten werden außerdem Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das heißt, dass nur Sender und Empfänger die Nachrichten lesen können – die Firma selbst nicht.

Signal kann nur mit einer Handynummer genutzt werden und ist damit anders als Telegram nicht anonym, da Telefonnummern in Deutschland klar auf eine Person registriert sind.

Der anonyme Threema Messenger

Wer ganz auf Anonymität setzen möchte, könnte bei Threema richtig sein. Anstatt einer Handynummer bekommt jeder Nutzer und jede Nutzerin einen zufälligen Code.

Weil Nutzerinnen und Nutzer so schwieriger zu verfolgen sind, ist Threema beispielsweise bei Investigativjournalistinnen und -journalisten, aber auch Whisteblowern beliebt. Die App kostet einmalig Geld und kann dann genutzt werden.

Der Quellcode der Infrastruktur hinter Threema ist allerdings nicht einsehbar. Der Quellcode der App an sich aber schon.

"Element" soll sogar die Bundeswehr nutzen

Der Messenger, den auch die Bundeswehr nutzen soll, ist etwas komplizierter zu bedienen als die anderen. Allerdings könnte es der sicherste Messenger dieser Liste sein: Quelloffenheit, große Anonymität, eine Ende-zu-Ende-Verschlüsslung und die Möglichkeit, über eigene Server zu kommunizieren, sorgen für ein gutes Sicherheitsgefühl. Doch Vorsicht: Es braucht etwas Einarbeitung, um mit dem Schreiben oder sogar Telefonieren beginnen zu können.

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