Kommentar

Sonderrechte für Corona-Geimpfte wären gefährlich

Ein Mann zeigt seinen Impfausweis mit der Bestätigung einer Impfung von dem Pfizer-Biontech Covid-19 Impfstoff.

Ein Mann zeigt seinen Impfausweis mit der Bestätigung einer Impfung von dem Pfizer-Biontech Covid-19 Impfstoff.

Bild: Peter Gercke, dpa (Archivbild)

Ein Mann zeigt seinen Impfausweis mit der Bestätigung einer Impfung von dem Pfizer-Biontech Covid-19 Impfstoff.

Bild: Peter Gercke, dpa (Archivbild)

Der Ethikrat lehnt besondere Rechte für Menschen mit Immunisierung ab und beweist damit Augenmaß. Eine vernünftige Ausnahme macht er allerdings.
04.02.2021 | Stand: 15:53 Uhr

Der Ethikrat hat recht: Solange die Corona-Impfquote im niedrigen einstelligen Bereich dümpelt, führt die Diskussion über mögliche Sonderrechte für Geimpfte in die Irre. Bis wirklich jeder die Chance gehabt hat, sich gegen Covid-19 immunisieren zu lassen, werden aber noch etliche zähe Monate vergehen. Derzeit sind noch zu viele entscheidende Fragen offen. Als gesichert gelten kann ja im Moment nur, dass Menschen, die den Piks bereits bekommen haben, mit recht hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr oder nicht mehr ernsthaft an Corona erkranken.

Bisher keine Corona-Impfung möglich: Was ist eigentlich mit den Kindern?

Doch geht von Geimpften auch wirklich keine Ansteckungsgefahr für andere mehr aus? Können sie unbemerkt Menschen infizieren, die sich noch nicht impfen lassen konnten oder bei denen eine Impfung aus medizinischen Gründen gar nicht infrage kommt? Wie lange hält der Impfschutz überhaupt? Was ist eigentlich mit Kindern, für die noch kein Impfstoff zugelassen ist? Das alles ist im Moment nicht hinreichend geklärt. Test- und Quarantänepflichten etwa für geimpfte Reiserückkehrer aus Hochrisikogebieten auszusetzen, wäre also unverantwortlich. Geimpfte müssen sich bis auf Weiteres wie alle anderen auch an Abstands- und Hygieneregeln, Kontaktbeschränkungen sowie die Maskenpflicht halten.

Sollte sich die Corona-Lage insgesamt so weit entspannen, dass eine generelle Wiedereröffnung von Restaurants, Läden und Bühnen möglich erscheint, darf es keinen pauschalen Ausschluss von Nichtgeimpften geben. Für sie müssten dann Möglichkeiten der sicheren Teilhabe geschaffen werden – etwa indem durch Schnelltests eine Gefahr ausgeschlossen wird. Eine zeitweise Zweiklassen-Gesellschaft, in der Geimpfte sich im Club amüsieren, während die anderen auf Kontakte verzichten müssen, würde die Akzeptanz für alle Corona-Maßnahmen massiv gefährden.

In Pflegeheimen ist die Lage beim Corona-Infektionsschutz anders

Augenmaß beweist der Ethikrat aber mit seiner Empfehlung, die strengen Infektionsschutzmaßnahmen etwa für Pflegeheime zu lockern, sobald Bewohner und Personal geimpft sind. Für alte, behinderte und chronisch kranke Menschen bedeutet die Pandemie besonders heftige Belastungen. Sobald sie geimpft sind, ist es absolut vertretbar, dass nicht mehr sie, sondern ihre Pfleger und Angehörigen die Hauptlast des Infektionsschutzes tragen.

Lesen Sie auch: Fußballmanager: Geimpfte unter Auflagen wieder ins Stadion lassen.