Corona-Krise

Studie gestartet: Großbritannien infiziert Freiwillige mit Corona

Die Studienteilnehmer befinden sich während ihrer Corona-Infektion im Royal Free Hospital in London.

Die Studienteilnehmer befinden sich während ihrer Corona-Infektion im Royal Free Hospital in London.

Bild: Dominic Lipinski, dpa (Archivbild)

Die Studienteilnehmer befinden sich während ihrer Corona-Infektion im Royal Free Hospital in London.

Bild: Dominic Lipinski, dpa (Archivbild)

Vor allem junge gesunde Menschen nehmen an der britischen Studie teil. Unter anderem Deutschland hält eine solche Infizierung mit dem Coronavirus für unethisch.
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dpa
07.03.2021 | Stand: 15:51 Uhr

In Großbritannien sind die ersten Freiwilligen im Zuge einer Studie mit Corona infiziert worden. Die sogenannten Human-Challenge-Analysen hätten am Samstag begonnen, bestätigte das britische Gesundheitsministerium der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Nach früheren Angaben der britischen Regierung handelt es sich um die erste Studie weltweit, bei der Menschen gezielt mit Sars-CoV-2 infiziert werden.

Gesunde werden mit Coronavirus infiziert und von Medizinern überwacht

"Das Human-Challenge-Programm wird die Entwicklung von Impfstoffen und Behandlungen gegen Covid-19 verbessern und beschleunigen", sagte eine Sprecherin des Ministeriums. "Die erste Gruppe von Freiwilligen hat nun am Royal Free Hospital in London mit der Virus-Charakterisierungs-Studie begonnen." Die Probanden würden "in einer sicheren und kontrollierten Umgebung dem Virus ausgesetzt, rund um die Uhr überwacht von Medizinern und Wissenschaftlern", hieß es.

Human Challenge Trials, bei denen gesunde Menschen einem Erreger ausgesetzt werden, kamen in der Vergangenheit zum Beispiel bei der Entwicklung von Grippe- oder Malaria-Impfstoffen zum Einsatz. Allerdings wurde den Probanden dabei - anders als nun bei der britischen Studie - zunächst ein potenzieller Wirkstoff verabreicht.

Keine schweren Krankheitsverläufe: Vor allem junge Menschen nehmen an Corona-Studie teil

Bei dem britischen Projekt wurden junge, gesunde Menschen ausgewählt, die ein vergleichsweise geringes Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken. Sie sollen zunächst die geringste mögliche Dosis an Viren zugeführt bekommen, die für eine Infektion notwendig ist. Bis zu 90 Freiwillige könnten dabei gezielt infiziert werden. Mit der anfänglichen Charakterisierungs-Studie wollen die Forscher auch herausfinden, wie das Immunsystem auf das Virus reagiert und wie Infizierte Viruspartikel in die Umgebung abgeben.

In Deutschland gelten Human-Challenge-Studien als unwahrscheinlich. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) lehnt sie als unethisch ab. Zudem gibt es medizinische Vorbehalte: "Challenge-Studien zeigen vielleicht ein verfälschtes Bild, da Erkenntnisse, die nur mit jungen, gesunden Menschen gewonnen wurden, möglicherweise nicht auf Ältere und chronisch Kranke übertragbar sind", betont der Verband. Künstlich herbeigeführte Ansteckungen entsprächen nicht den echten Infektionen im Alltag.

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