Corona-Krise und der Arbeitsmarkt

Weniger Jugendliche unterschreiben Ausbildungsverträge in der Corona-Krise

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks warnt vor einem Fachkräftemangel. Diesen gab es schon einmal, während der Finanzkrise.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks warnt vor einem Fachkräftemangel. Diesen gab es schon einmal, während der Finanzkrise.

Bild: Stefan Sauer, dpa (Archivbild)

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks warnt vor einem Fachkräftemangel. Diesen gab es schon einmal, während der Finanzkrise.

Bild: Stefan Sauer, dpa (Archivbild)

Deutlich weniger Jugendliche unterschreiben dieses Jahr einen Ausbildungsvertrag. Zehntausende Lehrstellen bleiben unbesetzt, viele Jugendliche suchen noch.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks warnt vor einem Fachkräftemangel. Diesen gab es schon einmal, während der Finanzkrise.
dpa
15.12.2020 | Stand: 15:22 Uhr

Im Jahr der Corona-Pandemie haben deutlich weniger junge Menschen eine Ausbildung begonnen als noch 2019. So wurden 57.600 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen als im Vorjahr, wie aus der am Dienstag vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) vorgestellten Ausbildungsbilanz 2020 hervorgeht. Das entspricht einem Minus von 11 Prozent. Insgesamt wurden bundesweit 467.500 Ausbildungsverträge geschlossen, 2019 waren es noch 525.000.

Gründe dafür sind nach Angaben des Instituts einerseits ein deutlich reduziertes Angebot an Ausbildungsplätzen und zugleich eine gesunkene Nachfrage nach Lehrstellen. Außerdem ist es dem BIBB zufolge in Zeiten ohne Ausbildungsmessen und Betriebspraktika noch schwerer geworden, Betriebe und Azubis zusammenzubringen. Demnach blieben zum Stichtag 30. September fast 60.000 und damit knapp 12 Prozent aller von Betrieben angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt. Mehr als 78.000 Jugendliche suchten gleichzeitig noch nach einer ihnen passend erscheinenden Lehrstelle.

(Lesen Sie auch: Was denken junge Menschen über ihre Heimat? Eine Studie über junge Allgäuer.)

Weniger Ausbildungsverträge - Pandemie nicht allein Schuld

Die Entwicklungen sind nach Einschätzung des BIBB aber nicht ausschließlich auf die Auswirkungen der Pandemie zurückzuführen. Infolge der demografischen Entwicklung sinke schon seit Jahren die Zahl der Schulabgänger, weshalb mit einem leichten Rückgang der Anzahl an Ausbildungsverträgen gerechnet wurde.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zufolge betrifft der Rückgang dabei alle Branchen. "Die Corona-Pandemie hat merkliche Spuren auch auf dem Ausbildungsmarkt hinterlassen." Mit einer Corona-Ausbildungsprämie unterstützt der Bund deshalb Betriebe, damit Auszubildende aus anderen Unternehmen, die wegen der Corona-Krise zahlungsunfähig werden, ihre Lehre dort fortsetzen können.

Von einem Rückgang der Ausbildungsverträge sind offenbar alle Branchen betroffen.
Von einem Rückgang der Ausbildungsverträge sind offenbar alle Branchen betroffen.
Bild: Sebastian Kahnert, dpa

Fachkräfte-Mangel? Einbruch hat langfristige Folgen

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) warnt davor, dass junge Menschen, die jetzt nicht ausgebildet würden, künftig als Fachkräfte fehlen werden. Auch der Einbruch bei den Neuverträgen in der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 habe nie vollständig ausgeglichen werden können, sagte Präsident Hans Peter Wollseifer.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht schlechte Vorzeichen auch für das nächste Jahr. "Vor allem junge Menschen mit niedrigen oder mittleren Schulabschlüssen sowie Jugendliche aus Einwandererfamilien drohen zu den Verlierern der Krise zu werden", sagte die stellvertretende Vorsitzende Elke Hannack. Sie forderte eine Ausbildungsgarantie, die Jugendlichen, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz bekommen, den Einstieg in das erste Ausbildungsjahr in einer außerbetrieblichen Ausbildung ermöglichen soll.