Viehscheid 2022

7 Dinge, die Sie beim Viehscheid im Allgäu nicht tun sollten

7 Dinge, die Sie beim Viehscheid nicht tun sollten: Zum Beispiel: Dem Vieh im Weg stehen.

7 Dinge, die Sie beim Viehscheid nicht tun sollten: Zum Beispiel: Dem Vieh im Weg stehen.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

7 Dinge, die Sie beim Viehscheid nicht tun sollten: Zum Beispiel: Dem Vieh im Weg stehen.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Zwei Jahre ohne Viehscheid-Feste sind genug. 2022 werden wieder Zehntausende im Allgäu auf den Beinen sein. Diese Dinge sollten Sie dabei nicht tun.
15.09.2022 | Stand: 09:28 Uhr

Endlich wieder Viehscheid im Allgäu! In den vergangenen beiden Jahren fielen die Feste rund um den Viehscheid wegen der Corona-Pandemie aus. 2022 klappt es wieder. Einheimische sowie Urlauberinnen und Urlauber freuen sich auf die beliebten Viehscheide im Allgäu. Nach der langen Zwangspause können diese Tipps für Besucher wichtig sein.

Wenn das Vieh nach dem Alpsommer von den Allgäuer Bergwiesen scheidet, wird seine Ankunft in den Talorten sehnlich erwartet. In 32 Gemeinden im Allgäu sowie bei unseren österreichischen Nachbarn im Kleinwalsertal und im Tannheimer Tal finden traditionell Viehscheide statt. Eine Übersicht zu den Viehscheid-Terminen 2022 lesen Sie hier. Insgesamt kommen knapp 28.000 Jungrinder - Schumpen genannt - nach ihrer "Sommerfrische" auf den Alpen zurück ins Tal. Dazu kommen 2500 Milchkühe, 300 Pferde, 250 Schafe, 200 Ziegen und 570 Schweine.

Tradition trifft Tourismus: Beim Viehschweid im Allgäu säumen viele Zuschauer die Straßen.
Tradition trifft Tourismus: Beim Viehschweid im Allgäu säumen viele Zuschauer die Straßen.
Bild: Ralf Lienert

Der Alpatrieb ist nicht nur für viele Allgäuer ein Höhepunkt im Jahr, sondern zieht auch Touristen an wie ein Magnet. Zum Beispiel zum Viehscheid nach Bad Hindelang. "Da kamen vor 30 Jahren vielleicht 5000 Leut'. Heute sind es an einem schönen Tag 40.000", sagt Franz Hage, Vorsitzender des Alpwirtschaftlichen Verein Allgäu (AVA), bei dem fast 700 Alpen gelistet sind.

Ähnlich rappelvoll wie in Bad Hindelang ist es beim Viehscheid in Oberstdorf. Manchen ist der Trubel an den Straßen mittlerweile schon (fast) zu viel. "Vor allem die Bauern schimpfen. Wenn sie ihr Vieh vom Älpler in Empfang nehmen und verladen, haben sie wenig Platz und müssen sich manchmal auch noch schlaue Sprüche anhören", sagt Hage.

Für ihn steht außer Frage, dass der Viehscheid eine wichtige Bedeutung für den Tourismus hat und das auch weiter haben soll. Deshalb lautet seine Devise: "Wenn sich jeder um ein gutes Miteinander bemüht, wird es auch für alle ein gelungener Tag." Der Viehscheid-Knigge unserer Redaktion listet sieben Punkte auf, die Sie als Zuschauer eines Viehscheids im Allgäu besser nicht machen sollten:

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1. Alm sagen: Das klingt für Allgäuer Ohren so schlimm wie Käsespätzle (es heißt Kässpatzen). Im Allgäu wie auch in der Schweiz heißt es "Alpe". Im alemannischen Siedlungsraum stand das Wort "Alp" früher für "Bergeweide". In Oberbayern oder im Tiroler Dialekt hat sich dagegen die "Alm" durchgesetzt.

2. Wege versperren: Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, weil "Zaungäste" eben nicht hinter der Absperrung stehen oder keinen Sicherheitsabstand zu den Tieren halten. "Jeder hat heute ein Handy und will ein tolles Foto machen. Manche vergessen bei dieser Motiv-Jagd, dass daraus viel Unruhe bei den Tieren entstehen kann. Und genau diese Gäste sind dann die ersten, die sich aufregen, wenn Hirte oder Bauer den Schumpen mit dem Stecken wieder in die richtigen Bahnen weist", sagt Franz Hage.

3. Mit dem Auto mitten in den Ort kutschieren: So viel Trubel wie am "Viehscheid-Däg" herrscht in den Gemeinden meist das ganze Jahr über nicht. Deshalb: außerhalb parken. Oder noch besser: Mit dem Rad oder mit Bus und Bahn anreisen. Die beiden letztgenannten Optionen empfehlen sich vor allem, wenn man danach noch auf eine Maß ins Festzelt schauen möchte.

4. Älpler und Hirten verärgern: Wer einen Allgäuer Senn zum Statisten für sein Selfie degradiert oder für ein Foto gar herumkommandiert, macht sich keine Freunde. "Unsere Älpler sind doch keine Schauspieler!", sagt Franz Hage verärgert. Sie haben einen harten Sommer hinter sich und müssen beim Viehscheid voll konzentriert und auf zack sein", ergänzt er und unterstreicht so die eigentliche Bedeutung.

5. Schumpen stressen: "Guck mal die drollige Kuh! Och, ist die süß . . ." Klar: Die Urlauberin aus Wanne-Eickel im Ruhrgebiet freut sich über den Anblick von Allgäuer Braunvieh ganz besonders. Aber ein Viehscheid ist kein Streichelzoo. Für die Tiere ist der Tag aufregend genug. Sie legen nach Monaten der Abgeschiedenheit einen "Cowwalk" vor Riesen-Publikum hin. Deshalb sollten Zuschauerinnen und Zuschauer die Geduld der Tiere nicht weiter strapazieren und auf - bestimmt lieb gemeintes - Tätscheln, Rückenklopfen etc. verzichten.

Ein Kranzrind symbolisiert einen erfolgreichen Alpsommer.
Ein Kranzrind symbolisiert einen erfolgreichen Alpsommer.
Bild: Günter Jansen

6. Fehlendes Kranzrind beklagen: Wenn ein geschmücktes Kranzrind vor einer Herde läuft, hat das in der Allgäuer Tradition einen speziellen Grund: Alle Tiere der jeweiligen Alpe haben den Bergsommer gesund überstanden. Kommt ein Älpler ohne Kranzrind ins Tal musste er einen oder gar mehrere Verluste hinnehmen. Zum Beispiel, weil ein Rind von einem Blitz erschlagen wurde oder absgestürzt ist. Für die Älpler sind das bittere Momente, die sie lange beschäftigen. Unqualifizierte Zuschauer-Rufe à la: "War der zu faul zum Kranzrind-Schmücken?" wirken da wie Salz in die Wunde streuen. (Lesen Sie auch: Kranzrind, Schumpen, Gmeinds-Molla: 15 Kuh-Begriffe, die jeder Viehscheid-Besucher kennen sollte)

7. Kuhschellen mitnehmen: Wer nimmt nicht gerne ein Souvenir aus dem Urlaub mit? Doch Vorsicht: Kuhschellen (aus Blech geschmiedet) oder Kuhglocken (aus gegossenem Messing) sind keine Gratis-Mitbringsel wie Muscheln - auch wenn sie beim Viehscheid in großer Zahl auf dem Boden liegen. Für ihre Besitzer haben die oftmals historischen Schellen großen emotionalen Wert. Ein weiteres Missverständnis ist: Manche Viehscheid-Neulinge sorgen sich um das Wohl der Tiere, weil sie davon ausgehen, dass sie das ganze Jahr über an der "großen Glocke" hängen. Dem ist nicht so: "Die Tiere tragen diese besonderen Schellen aus alter Tradition nur beim Viehscheid", stellt Franz Hage klar.

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