Droht ein Stromausfall in Europa?

Angriff auf Atomkraftwerk in der Ukraine: Kann das zu einem Blackout in Europa führen?

Bei Russlands Krieg gegen die Ukraine gerät in der Nacht auf 4. März laut ukrainischen Angaben die Anlage von Europas größtem Atomkraftwerk Saporischschja unter Beschuss. Es ensteht ein Feuer, Ukraines Präsident Selenskyj spricht von "Nuklear-Terror".

Bei Russlands Krieg gegen die Ukraine gerät in der Nacht auf 4. März laut ukrainischen Angaben die Anlage von Europas größtem Atomkraftwerk Saporischschja unter Beschuss. Es ensteht ein Feuer, Ukraines Präsident Selenskyj spricht von "Nuklear-Terror".

Bild: Uncredited, Kernkraftwerk Saporischschja, AP, dpa

Bei Russlands Krieg gegen die Ukraine gerät in der Nacht auf 4. März laut ukrainischen Angaben die Anlage von Europas größtem Atomkraftwerk Saporischschja unter Beschuss. Es ensteht ein Feuer, Ukraines Präsident Selenskyj spricht von "Nuklear-Terror".

Bild: Uncredited, Kernkraftwerk Saporischschja, AP, dpa

Wird ein Atomkraftwerk zu schnell vom Netz genommen, kann es zu einem Stromausfall kommen. Wie groß ist die Gefahr für Europa? Ein Allgäuer Experte erklärt.
04.03.2022 | Stand: 16:09 Uhr

Nach dem Angriff Russlands auf das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja fragen sich viele Menschen, ob sich so etwas auch auf das Stromnetz in Europa auswirken kann. Droht im schlimmsten Fall gar ein Blackout auf dem kompletten Kontinent?

Wird ein Atomkraftwerk abrupt vom Stromnetz genommen, kann das zu einer Schwankung in der Netzfrequenz führen. Ist diese zu stark, kann unter Umständen ein Stromausfall folgen. (Lesen Sie dazu unser Hintergrund-Stück zum Thema: So bewahren Betreiber das Stromnetz in Europa vor einem Blackout)

Betreiber müssen die Netzfrequenz immer im Blick haben.
Betreiber müssen die Netzfrequenz immer im Blick haben.
Bild: Stefan Beckmann

Atomkraftwerk fällt aus: Wie realistisch ist ein Blackout?

Das Atomkraftwerk Saporischschja ist das leistungsstärkste Kernkraftwerk Europas mit einer Nettoleistung von insgesamt 5700 Megawatt - sechs Reaktoren mit jeweils 950 Megawatt. Fällt nun diese Stromerzeugung auf einmal weg, ist zu wenig Strom im Netz, die Netzfrequenz würde weit unter 50 Hertz fallen. Am Ende einer langen Kette könnte ein relativ unwahrscheinliches Szenario plötzlich Wirklichkeit werden: Ein Blackout in ganz Europa. (Lesen Sie dazu: Kann ein Stromausfall ganz Europa lahmlegen?)

Allgäu Netz: Darum wirkt sich ein Blackout in der Ukraine nicht auf Europa aus

Stefan Nitschke vom Verteilnetzbetreiber Allgäu Netz beruhigt - und zwar aus einem einfachen Grund: "Die Ukraine hängt nicht am Europäischen Verbundnetz." Zwar habe der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits vor dem Krieg die Aufnahme der Ukraine in das Verbundnetz beantragt. Dies sei aber "physisch nicht geschehen".

Stefan Nitschke ist Sprecher des Verteilnetzbetreibers Allgäu Netz und des Allgäuer Überlandwerks (AÜW).
Stefan Nitschke ist Sprecher des Verteilnetzbetreibers Allgäu Netz und des Allgäuer Überlandwerks (AÜW).
Bild: Allgäu Netz

Soll heißen: Geht in der Ukraine ein Atomkraftwerk plötzlich vom Netz, was einen Blackout in dem Land zur Folge haben könnte, habe das noch keine Auswirkungen für das Allgäu, für Deutschland und Europa. EU-Länder wie Rumänien, Bulgarien und Polen oder die baltischen Staaten hängen am Europäischen Verbundnetz. Die Ukraine und Belarus dagegen nicht.

Ukraine und Moldau befinden sich im "Inselbetrieb"

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Die Ukraine und die Republik Moldau sind übrigens auch nicht mehr an das russische Stromnetz angebunden und befinden sich im sogenannten Inselbetrieb, erläuterte EU-Energiekommissarin Kadri Simson kürzlich in Brüssel. Ende Februar hatten sich allerdings die für Energie zuständigen Ministerinnen und Minister der EU-Mitgliedstaaten auf den Anschluss der Ukraine an das westeuropäische Stromnetz geeinigt.

Lesen Sie auch: Überblick mit Checkliste: So bereiten Sie sich auf den Katastrophenfall vor

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