Buchloe

Der Einmarsch der Amerikaner in Buchloe jährt sich zum 75. Mal

Kurz nach dem Einmarsch der Amerikaner: Der Buchloer Bahnhofsvorstand Jakob Hehl (links) mit seinem Vorgesetzten – einem amerikanischen Soldaten.

Kurz nach dem Einmarsch der Amerikaner: Der Buchloer Bahnhofsvorstand Jakob Hehl (links) mit seinem Vorgesetzten – einem amerikanischen Soldaten.

Bild: Hehl

Kurz nach dem Einmarsch der Amerikaner: Der Buchloer Bahnhofsvorstand Jakob Hehl (links) mit seinem Vorgesetzten – einem amerikanischen Soldaten.

Bild: Hehl

Am 27. April 1945 kamen die Amerikaner nach Buchloe und nahmen die Gennachstadt gewaltfrei ein. Zeitzeugen berichten von einem Tag, den sich die Amerikaner weniger friedlich vorgestellt haben.
26.04.2020 | Stand: 19:30 Uhr

Heute vor 75 Jahren war das Ende des Krieges in Buchloe bereits absehbar. Im Rathaus rätselt eine Gruppe von Männern, ob die Amerikaner oder die Franzosen kommen werden. Ein Telefonanruf im benachbarten Türkheim schafft Klarheit: „Nur nicht drängen, ihr kommt schon noch dran“, antwortet eine Stimme in gebrochenem Deutsch mit amerikanischem Akzent. Am Nachmittag des 27. April 1945 nahmen amerikanische Soldaten die Gennachstadt gewaltfrei ein.

Franz Hartleitner berichtete der Buchloer Zeitung vor 25 Jahren, wie er die letzten Tage vor dem Kriegsende erlebt hat. Hartleitner war Bäckermeister und zum Kriegsende 25 Jahre alt. Wehrfähige Männer wurden vor das Gasthaus Post beordert und „Kreisleiter Kellner aus Mindelheim verlangte von den alten Männern und jungen Buben, Buchloe zu verteidigen“, erinnerte sich Hartleitner. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen, denn „da war doch eh schon alles zu spät“. Hugo Eisenschenk erschien bei Hartleitner in der Backstube und „er schlug vor, dass wir zusammen mit einer weißen Fahne Richtung Wiedergeltingen marschieren“. Weil der 25-jährige Bäcker nicht wegkonnte, zog Eisenschenk gemeinsam mit Heinz Rankl und einer weißen Fahne in die Richtung, aus der die Amerikaner anrückten. Laut Hartleitner berieten die amerikanischen Soldaten noch, ob sie Buchloe gewaltsam einnehmen sollten. Die weiße Fahne signalisierte die Kapitulation der Gennachstadt und begründete die gewaltfreie Einnahme.

Malmende Panzerketten

„Sie kamen von der Mindelheimer Straße her“, erzählte Hartleitner, der heute 100 Jahre alt wäre. Der Buchloer Anton Geldhauser erinnert sich noch an „das malmende Geräusch der Panzerketten beim Einmarsch der Amerikaner“. Die Soldaten unter der Führung von Alexander Patch gehörten zur 10. Panzerdivision der 7. Armee und wurden von der 103. Infanterie-Division begleitet. Rund 1000 Panzergrenadiere fuhren etwa 100 Lastwagen und Militärfahrzeuge sowie zwischen 40 und 80 Panzer. „Binnen zwei Tagen arbeiteten sie sich von Ulm zu den Allgäuer Alpen und zum Lech voran“, berichtete der Heimatforscher Ulrich Müller unserer Zeitung vor einem Vierteljahrhundert.

Die Kolonne zog von Buchloe in Richtung Landsberg am Lech. Nachrückende Einheiten besetzten Buchloe und schlugen ihr Hauptquartier im und um das Rathaus auf. Nach der friedlichen Übernahme erließen die Amerikaner neue Verordnungen. Der Buchloer Wilhelm Wind berichtet, dass angeordnet wurde „den liegen gebliebenen Versorgungszug, welcher hauptsächlich mit Lebensmitteln beladen war, zur Plünderung freizugeben“.

Entwaffnung und Ausgangssperre

Eine weitere Verordnung betraf die Entwaffnung der Buchloer. Sie mussten noch am selben Nachmittag alle ihre Waffen, Ferngläser und Fotoapparate abliefern. „Alles wurde auf den Postberg gelegt und mit einem Panzer zermalmt“, erinnerte sich Hartleitner. Außerdem galt eine strenge Ausgangssperre vom frühen Abend bis morgens. Für vier Wochen war Buchloe von der Außenwelt abgeschnitten: kein Strom, kein Telefon, keine Post und keine Zugverbindungen.

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Die Amerikaner richteten zunächst im Rathaus ihre Kommandozentrale ein. Später war Kaufbeuren ihr Hauptsitz, von dort wurde Buchloe mitverwaltet. Im Mai 1945 setzten sie den Malermeister und Sozialdemokraten Hans Mayer als Bürgermeister von Buchloe ein.

„Insgesamt war eine große Erleichterung zu spüren“, erinnerte sich Hartleitner an den 27. April 1945 – ein wichtiger Tag für Buchloe, der sich heute zum 75. Mal jährt.