ÖPNV im Allgäu

So soll das Busfahren der Zukunft im Allgäu aussehen

Um den öffentlichen Nahverkehr für die Allgäuerinnen und Allgäuer attraktiv zu machen, ist vor allem ein gutes Angebot wichtig. Im südlichen Oberallgäu ist mittlerweile ein Ringbus unterwegs, der Sonthofen, Immenstadt, Rettenberg, Blaichach und Burgberg im Stundentakt miteinander verbindet und beliebte Ausflugsziele besser erreichbar macht.

Um den öffentlichen Nahverkehr für die Allgäuerinnen und Allgäuer attraktiv zu machen, ist vor allem ein gutes Angebot wichtig. Im südlichen Oberallgäu ist mittlerweile ein Ringbus unterwegs, der Sonthofen, Immenstadt, Rettenberg, Blaichach und Burgberg im Stundentakt miteinander verbindet und beliebte Ausflugsziele besser erreichbar macht.

Bild: Matthias Becker

Um den öffentlichen Nahverkehr für die Allgäuerinnen und Allgäuer attraktiv zu machen, ist vor allem ein gutes Angebot wichtig. Im südlichen Oberallgäu ist mittlerweile ein Ringbus unterwegs, der Sonthofen, Immenstadt, Rettenberg, Blaichach und Burgberg im Stundentakt miteinander verbindet und beliebte Ausflugsziele besser erreichbar macht.

Bild: Matthias Becker

Ein Fahrplan, der vom Wetter abhängt, ein Ringbus für das Oberallgäu: Das Thema Nahverkehr ist allgegenwärtig: Von erfolgreichen und gescheiterten Vorhaben.
25.07.2022 | Stand: 19:40 Uhr

Weniger mit dem Auto fahren, dafür mehr auf Bus und Bahn setzen: Nicht zuletzt mit Blick auf die Benzinpreise nehmen sich das viele Allgäuerinnen und Allgäuer derzeit vor. Auch Kommunen und Institutionen wie die Allgäu GmbH werben dafür – im Sinne der Nachhaltigkeit und der Besucherlenkung. Doch immer wieder gibt es ein Problem: das unzureichende Angebot. Wie es verbessert werden könnte, damit beschäftigt sich im Allgäu jetzt ein Forschungsprojekt, bei dem es um den Einsatz eines „flexiblen Erlebnisbusses“ geht.

„Die größte Herausforderung ist die Akzeptanz“, sagt Professor Guido Sommer von der Kemptener Hochschule. Er leitet das „Institut für Nachhaltige und Innovative Tourismusentwicklung (INIT)“ in Füssen. „Es ist die Frage, wie man Menschen, die seit Generationen überall mit dem Auto hinfahren, zum Umdenken bewegt.“ Damit es zu einem Wandel kommt, brauche es nicht nur ein gutes Angebot an sich, sondern auch das entsprechende Marketing: „Viele wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt.“ Entscheidend sei außerdem, nicht nur das Autofahren zu verteufeln und den Leuten ein schlechtes Gewissen zu machen: „Es ist wichtig, positiv zu kommunizieren“, sagt Sommer.

"FEB NAFV": Der flexible Erlebnisbus im Allgäu

Genau das versuche die Hochschule zusammen mit mehreren Partnern im Rahmen des derzeit laufenden Forschungsprojekts „FEB NAFV“ – „Flexibler Erlebnisbus für nachhaltigen Freizeitverkehr“. Die Pilotfahrt des Busses findet am Dienstag statt und führt von Kempten in den Naturpark Nagelfluhkette (Kreis Oberallgäu). Dort fährt der Bus mehrere Haltepunkte an, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln ansonsten nur schwer erreichbar wären. Vor Ort sind organisierte Erlebnistouren oder individuelle Wanderungen möglich.

Ziel des Projekts ist es, die Fahrzeuge flexibel und gemäß der Nachfrage einzusetzen. „Wenn das Wetter schlecht ist, fahren Busse in touristischen Gebieten oft leer“, sagt Sommer. Perspektivisch soll der Erlebnisbus sich den Umständen anpassen. Bei durchwachsenem Wetter könnte ein Städtetrip angeboten werden, bei guter Witterung eine Fahrt in die Berge. Basierend auf Daten wie der Auslastung von Parkplätzen sowie Wetter- und Verkehrsprognosen sollen flexible Routen erstellt werden.

Teil der Untersuchung ist auch, welcher Preis für eine Fahrt verlangt werden kann und wer dauerhaft als Träger in Frage kommt. „Damit die Kosten für die Nutzer attraktiv bleiben, wird es eine Querfinanzierung brauchen“, sagt Sommer. Eine theoretische Option wäre, hierfür die Gewinne durch erhöhte Parkgebühren zu nutzen.

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Während das Forschungsprojekt noch in den Kinderschuhen steckt, sind andere Vorhaben bereits in vollem Gange. In Bad Hindelang beispielsweise ist seit November 2021 ein Rufbus im Einsatz, der Lücken im Nahverkehr schließen soll und per Smartphone zur nächsten Bushaltestelle bestellt werden kann.

Der Ringbus für das Oberallgäu verbindet Sonthofen, Immenstadt, Rettenberg, Blaichach und Burgberg

Im südlichen Oberallgäu ist zudem eine Ringbuslinie unterwegs, der Sonthofen, Immenstadt, Rettenberg, Blaichach und Burgberg im Stundentakt miteinander verbindet. Die Taktung wurde so abgestimmt, dass alle fünf Orte täglich zehn Mal angefahren werden und die weiterführenden Bahn- und Buslinien ohne eigenes Auto zu erreichen sind. Finanziert wird das Projekt aus Kurbeiträgen und Mitteln der Kommunen und des Landkreises. Gäste und Zweitwohnungsbesitzer haben freie Fahrt. Für Einheimische gibt es eine Jahreskarte für 119,40 Euro, umgerechnet 9,95 Euro im Monat.

Aktuell läuft außerdem eine Studie für einen großen Verkehrsverbund von Oberallgäu, Ostallgäu, Kempten und Kaufbeuren. Ergebnisse werden bis 2024 erwartet. Ein Schritt in die richtige Richtung, sagt Sommer: „Je größer die Verbünde sind, desto besser.“ So könne man Ticketkäufe vereinfachen. Doch nicht jede Bemühung ist von Erfolg gekrönt. In Kaufbeuren beispielsweise wurde ein kostenloser Citybus durch die Innenstadt getestet. Zunächst wurde er wegen Corona eingestellt, dann passten die Fahrgastzahlen nicht mehr. Ihn zu reaktivieren, ist laut Stadtverwaltung aktuell nicht geplant. Im Westallgäu gab es die mäßig erfolgreiche Idee von Mitfahrbänken als Treffpunkt für Fahrgemeinschaften. Und der Bau einer Stadtseilbahn in Kempten wurde verworfen.