Film-Premiere

Der Theaterfilm "Passion 2:1": Ein bewegendes Bibel-Drama aus Füssen

Harte Worte wegen Jesus: Petrus (Christian Schöne) hört sich die Erklärungen von Judas (Christopher Brose) an.

Harte Worte wegen Jesus: Petrus (Christian Schöne) hört sich die Erklärungen von Judas (Christopher Brose) an.

Bild: Susen Bolz

Harte Worte wegen Jesus: Petrus (Christian Schöne) hört sich die Erklärungen von Judas (Christopher Brose) an.

Bild: Susen Bolz

Der Theaterfilm „Passion 2:1“ aus dem Festspielhaus Füssen erweist sich als packende und sensible Erzählung – inklusive philosophischen Anklängen.
05.04.2021 | Stand: 09:20 Uhr

Kann die Leidensgeschichte Jesu ganz neu erzählt werden? Eignet sie sich für ein Multimedia-Spektakel? Genau das versprechen die Macher der „Passion 2:1“ in Füssen, seit sie das Projekt – ein Mix aus Erzählung, Theater, Video-Mapping, Musik und Tanz – vor eineinhalb Jahren der Öffentlichkeit vorstellten.

Weil die Corona-Pandemie die Uraufführung im Festspielhaus bereits zweimal (an Ostern 2020 und 2021) verhinderte, hat das künstlerische Team um Manfred Schweigkofler (Buch, Regie) und David Hüger (Musik) nun in aller Eile eine einstündige Filmversion daraus gemacht. Erstmals gesendet wurde „Passion 2:1“ am Karfreitag, unter anderem auf Allgäu-TV. Der Theaterfilm funktioniert – weil er dramatische Tiefe besitzt und damit die Zuschauer berührt.

Der Film: effektvoll, aber nicht effekthascherisch, gefühlvoll, aber nicht pathetisch

Die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu, die zum Herzstück unserer christlich geprägten Kultur gehört, erzählt Schweigkofler effektvoll, aber nicht effekthascherisch, gefühlvoll, aber nicht pathetisch, reduziert auf das Wesentliche, aber stimmungsvoll. Sein dramaturgisches Prinzip mit einer Mischung aus Monologen und Dialogen geht auf; und die Musik von David Hürger liefert einen sensibel-zurückhaltenden, aber nicht sonderlich aufregenden Soundtrack dazu.

Schweigkofler hat klasse Schauspieler gefunden für das wichtigste Personal der Passionsgeschichte, die den bekannten Bogen spannt vom bejubelten Einzug Jesus’ in Jerusalem über seine Folterung und Kreuzigung bis zur Auferstehung. Petrus (Christian Schöne), Judas (Christopher Brose), Maria Magdalena (Valentina Schatzer), der Hohepriester Kaiphas (Michael Grimm) und Pontius Pilatus (Stephan Lewetz) berichten von Aufbruch und Verzweiflung, Hingabe und Hoffnung, Freundschaft und Verrat. Im Zentrum steht zwar Jesus, als Person tritt er allerdings nicht auf.

BR-Moderatorin Sabine Sauer verkündet als Nachrichtenfrau im Fernsehen die Sensation: Jesus ist auferstanden!

Ebenfalls aufgegangen ist das Konzept, die Szenen auf der Bühne des Festspielhauses zu drehen und anschließend das Ambiente mit dem Notch-Verfahren und Computer-Animationen einzubauen. Doch die Technik bleibt Dienerin. Das starke Spiel der Akteure (einschließlich Peter Weiß als Erzähler und Sabine Sauer als Nachrichten-Moderatorin, die die Auferstehung als Breaking News verkündet) schafft Spannung und Dramatik, was essenziell ist für eine packende Passion, die den Geist der Bibel atmet und existenziell-philosophische Fragen aufwirft. Ergreifend etwa wie Pilatus im blutroten Saal fassungslos über das Todesurteil des Volkes seine Hände in Unschuld wäscht. Oder wie zerrissen Judas zwischen Treue und Verrat schwankt und in einer karg-kalten Wüstenlandschaft seinem Ende entgegenweint (grandios gedreht im leeren Forggensee).

Tausende von Stunden an Arbeit stecken in dem Film. Derzeit wird Geld über ein Crowdfunding gesammelt

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Tausende Stunden Arbeitszeit und über 100 000 Euro Produktionskosten sind in den Film gesteckt worden. Künstlerisch hat sich dies ausgezahlt. Aber das ganze Passions-Projekt, getragen vom Füssener Ruhestands-Pastor Yngvar Aarseth und seinem Verein, ist nun noch schwieriger zu finanzieren. Durch ein Crowdfunding, das noch bis 11. April läuft, sind inzwischen immerhin 27 000 Euro eingesammelt worden. Nun darf man auf die Theater-Uraufführung gespannt sein. Im dritten Anlauf soll’s am 7. April 2022 klappen.