Ermittlungen der Polizei

Fünf Hausdurchsuchungen: Polizei findet "Kinderpornos"

Hausdurchsuchung in Kempten und dem Oberallgäu: Die Polizei ermittelt wegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie gegen fünf Männer, die sich in der Vergangenheit bereits einschlägig strafbar gemacht haben.

Hausdurchsuchung in Kempten und dem Oberallgäu: Die Polizei ermittelt wegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie gegen fünf Männer, die sich in der Vergangenheit bereits einschlägig strafbar gemacht haben.

Bild: Uwe Zucchi/dpa (Symbolbild)

Hausdurchsuchung in Kempten und dem Oberallgäu: Die Polizei ermittelt wegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie gegen fünf Männer, die sich in der Vergangenheit bereits einschlägig strafbar gemacht haben.

Bild: Uwe Zucchi/dpa (Symbolbild)

Kinderporno-Razzia im Allgäu: Bei fünf Durchsuchungen in Kempten und im Landkreis Oberallgäu hat die Kemptener Polizei "umfangreiches Material" sichergestellt.
01.04.2021 | Stand: 13:41 Uhr

Umfangreiches kinderpornografisches Material hat die Kemptener Kripo bei fünf Durchsuchungen von Wohnräumen und Arbeitsstätten in Kempten und im Landkreis Oberallgäu sichergestellt. Computer, Smartphones und Tablets sowie andere elektronische Datenträger wurden beschlagnahmt. Ermittelt wird in diesem Zusammenhang gegen fünf Männer im Alter zwischen 24 und 48 Jahren, die unabhängig voneinander verbotene Bilder und Videos aus dem Netz heruntergeladen oder weiterverbreitet haben sollen.

Die Verdächtigen hatten sich in der Vergangenheit bereits einschlägig strafbar gemacht. Bei den Razzien waren zehn Polizeibeamte im Einsatz.

Schockierende Fälle

„Wir sind tagtäglich mit solch schockierenden Verfahren konfrontiert“, sagt Josef Ischwang, Leiter der Kemptener Kriminalpolizei. Der Besitz und die Verbreitung von Kinderpornografie würden konsequent verfolgt, kündigt Ischwang auch für die Zukunft an. „Die Besitzer solcher Aufnahmen müssen jederzeit damit rechnen, dass irgendwann die Polizei vor der Türe steht.“ Im Bereich der Kinderpornografie „gibt es leider nichts, was man sich nicht vorstellen kann“, sagte Ischwang über den Inhalt des in der Vergangenheit sichergestelltem Materials.

Die vergangene Woche beschlagnahmten Datenträger müssten erst noch ausgewertet werden. Allein bei der Kemptener Kripo beschäftigen sich etwa 15 Beamte mit der Cyberkriminalität. Darunter sind auch IT-Experten, die im weltweiten Netz ohne konkrete Anlässe recherchieren. In den jetzt bekanntgewordenen Fällen kamen die Hinweise vom Bundeskriminalamt. Auch habe sich die internationale Zusammenarbeit der Fahnder in diesem Deliktsbereich deutlich verbessert. Der Informationsaustausch beispielsweise mit den Behörden in den USA sei sehr gut, sagt Ischwang.

"Die gehören allen sozialen Schichten und Bevölkerungsgruppen an"

Was sind das für Männer, die sich für kinderpornografisches Material interessieren? „Die gehören allen sozialen Schichten und Bevölkerungsgruppen an, vom Arbeiter bis zum Akademiker ist alles dabei“, berichtet der Kemptener Kriminaloberrat. Für die Täter seien die Folgen solcher Straftaten oft erheblich. Es geht nicht nur um die strafrechtlichen Konsequenzen, sondern häufig ergeben sich auch gravierende Auswirkungen auf soziale und familiäre Beziehungen.

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Etwa ein Prozent der deutschen Männer gilt als pädophil im klinischen Sinn. Das wären 250 000 Männer, die sich von Kindern unter 14 Jahren sexuell stark angesprochen fühlen. Die Zahl der Männer, die neben anderen auch pädophile Neigungen haben, wird aber mit drei bis sechs Prozent angegeben. Wissenschaftler gehen davon aus, dass viele pädophil veranlagte Männer ihre sexuellen Wünsche durch Selbstkontrolle im Zaum halten können.

„Ich will, dass sexualisierte Gewalt gegen Kinder ohne Wenn und Aber ein Verbrechen ist“, sagt Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. Und fügt an: „Gleiches gilt für Kinderpornografie, mit der diese widerlichen Taten gefilmt und verbreitet werden. Wer mit der Grausamkeit gegen Kinder Geschäfte macht, soll künftig mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden können.“

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der kinderpornografischen Straftaten im Allgäu zugenommen:

  • 2016 wurden 42 Fälle bekannt.
  • 2017 waren es 28.
  • 2018 wurden 32 Fälle registriert.
  • 2019 waren es 62 Fälle.

„Wir gehen auch für 2020 von einer Zunahme der entdeckten Fälle aus“, sagt der Kemptener Kripo-Chef Josef Ischwang. Er glaube aber nicht, dass in einschlägigen Kreisen insgesamt mehr kinderpornografisches Material ausgetauscht wird. „Aber mehr Fälle werden entdeckt“, sagt der Ermittler.

Wer kinderpornografische Schriften, Fotos oder Videos besitzt oder verbreitet, muss mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Der Strafrahmen liegt zwischen drei Monaten und fünf Jahren.

Derzeit ist eine Strafverschärfung in der Diskussion: „ Ich will, dass Täter, die mit Kinderpornografie auf widerlichste Weise Geld verdienen oder kriminelle Tauschringe betreiben, härter bestraft werden“, sagt Bundesjustizministerin Christine Lambrecht.

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