Gastronomie während Corona

Irish-Pub in Pfronten: geschlossen – um zu überleben

Die Stühle oben, die Stimmung ganz unten: In seinem Irish Pub „Ye auld Fellows“ hat Martin Schmaus im Moment keine Ahnung, wie es für ihn und den beliebten Abendtreff in Pfronten weitergehen könnte.

Die Stühle oben, die Stimmung ganz unten: In seinem Irish Pub „Ye auld Fellows“ hat Martin Schmaus im Moment keine Ahnung, wie es für ihn und den beliebten Abendtreff in Pfronten weitergehen könnte.

Bild: Markus Röck

Die Stühle oben, die Stimmung ganz unten: In seinem Irish Pub „Ye auld Fellows“ hat Martin Schmaus im Moment keine Ahnung, wie es für ihn und den beliebten Abendtreff in Pfronten weitergehen könnte.

Bild: Markus Röck

Warum die Corona-Situation Wirt Martin Schmaus besonders hart trifft und wie Politiker auf seine Hilferufe reagierten.
15.01.2022 | Stand: 19:23 Uhr

Das Lokal schließen, damit es irgendwie vielleicht doch überlebt: Es klingt schon merkwürdig, wie Martin Schmaus versucht, den Irish Pub „Ye Auld Fellows“ in Pfronten zu retten. Tatsächlich steckt dahinter pure Verzweiflung. Angesichts von Corona-Auflagen wie 2G-Regel oder Schließzeiten müssen zwar viele Gastronomen gerade um ihre Existenz fürchten.

Deutschlandweit kommen seine Irish-Pub-Kollegen derzeit nur auf etwa 30 Prozent des Normalumsatzes, hat Schmaus beim Austausch im Bundesverband erfahren. Eine verzweifelte Stimmung mache sich breit. Bei ihm kommen aber noch besondere Umstände hinzu, die ihn zu einem Härtefall machen: Er hat den Pfrontener Pub Anfang 2020 als zweites Lokal seiner Firma Martin Irish Pub GmbH übernommen, nach „A thousand miles to Dublin“ in Kempten. Weil sich die staatlichen Überbrückungshilfen auf die Umsätze im Jahr 2019 vor Ausbruch der Pandemie beziehen, bekommt Schmaus damit nur die Hälfte dessen, was er bräuchte: Schließlich hatte seine GmbH damals erst einen Pub betrieben.

Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit

Indem er die Betriebskosten so weit wie möglich senkt, indem er die Lokale schließt, seine jeweils fünf festangestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt und die Heizung herunter dreht, versucht er, irgendwie durchzukommen. Tatsächlich lebe seine Familie im Moment mehr schlecht als recht vom Einkommen seiner Frau und dem Kindergeld für den ein und drei Jahre alten Nachwuchs, sagt der 32-Jährige.

Hilfen laufen im März aus

Bereits vor einem Jahr musste er den Pub wegen der Pandemie von November bis Ende Mai schließen und die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Ob die auch diesmal bis zum Sommer bei der Stange blieben, sei jedoch fraglich. Falls es den Pub überhaupt noch gibt, wenn der Sommer wieder eine Öffnung der Außenbereiche und eine Lockerung der Corona-Auflagen ermöglicht. Im vergangenen Jahr sei es nach der Wiedereröffnung zum Sommer trotz der Auflagen „besser gelaufen, als wir gedacht hätten“, sagt Schmaus. Die jetzigen Hilfen laufen jedoch nur bis Ende März: „Was danach passiert, weiß ich nicht.“

System ist zu starr

In seiner Verzweiflung hat Schmaus schon mehrere Politiker, die er kannte, angeschrieben, um auf seine spezielle Situation hinzuweisen, und darauf, dass das System der Überbrückungshilfen zu starr ist. Damit würden Einzelfälle nicht beachtet. So würde es ihm zum Beispiel schon sehr helfen, dürfte er für das Pfrontener Pub den Umsatz seiner Vorgänger ansetzen, die es bis Ende 2019 geführt hatten. „Gäbe es einen Sonderfall für uns, könnten wir sofort wieder aufmachen“, sagt Schmaus. So bleibt für ihn der Eindruck: „Die Politik hat uns vergessen.“ Nur einer der angeschriebenen Politiker habe auf seinen Brief überhaupt geantwortet – mit Phrasen. Dabei leide ja auch der Staat mit fehlenden Steuereinnahmen unter der derzeitigen Situation.

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