Erziehungsberatung für die Corona-Zeit

Was gegen die Corona-Einsamkeit hilft

Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich derzeit einsam. Eine Erziehungsexpertin aus Füssen gibt Tipps, was dagegen hilft.

Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich derzeit einsam. Eine Erziehungsexpertin aus Füssen gibt Tipps, was dagegen hilft.

Bild: KJF Augsburg/Carolin Jacklin

Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich derzeit einsam. Eine Erziehungsexpertin aus Füssen gibt Tipps, was dagegen hilft.

Bild: KJF Augsburg/Carolin Jacklin

Vor allem Kinder und Jugendliche sind laut der Katholischen Jugendfürsorge betroffen. Wie man trotz Einschränkungen Freude finden kann.
Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich derzeit einsam. Eine Erziehungsexpertin aus Füssen gibt Tipps, was dagegen hilft.
Von Redaktion Allgäuer Zeitung
12.04.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Ein Jahr Corona-Pandemie. „Ich habe das Gefühl, dass ich gerade mein Leben verpasse!“ So oder so ähnlich klingt es, wenn Jugendliche von ihren Einsamkeitsgefühlen erzählen – das wissen Elisabeth Frank-Keller und ihr Team von der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Marktoberdorf der Katholische Jugendfürsorge (KJF) nur zu gut. Denn gerade Jugendliche leiden unter den anhaltenden Kontaktbeschränkungen: Sie können sich nicht mit Freunden treffen, nicht feiern gehen, niemanden kennenlernen, sich nicht ausprobieren, sich nicht entdecken oder verlieben. „Es fehlen ganz viele Erlebnisse. Die meisten haben überhaupt keine Abwechslung mehr in ihrem Alltag, man hält sich immer nur an einem Ort auf, bekommt keine neuen Anregungen von außen, leidet unter Einsamkeit“, erklärt die Erziehungsberaterin. (Lesen Sie auch: Hilfe für Allgäuer in psychischen Notlagen: So arbeitet der Krisendienst Schwaben)

Manche Kinder bekommen Bauchschmerzen und Schlafprobleme

Und auch wenn jüngere Kinder ihre Probleme oft nicht direkt äußern, leiden auch sie. Eltern merken dies beispielsweise daran, dass sie ihren Nachwuchs als anstrengend empfinden, weil die Kinder viel Kontakt und Aufmerksamkeit suchen, keine eigenen Ideen haben, sich zu beschäftigen oder aggressiv werden. Bei manchen Kindern treten auch eher somatische Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Schlafprobleme auf. „Und auch den Eltern fällt es zunehmend schwer, noch Ideen zu entwickeln, die Abwechslung oder gar Leichtigkeit in den ewig gleichen Familienalltag bringen. Für uns alle ist die Corona-Pandemie zu einer langen Durststrecke geworden“, sagt Frank-Keller.

Als Familie Rituale entwickeln und beibehalten

Doch gerade mit Blick auf das anstehende Osterfest will die Erziehungsberaterin Familien ermutigen, Pläne zu schmieden, um sich auf etwas freuen zu können und als Familie gemeinsam Spaß zu haben. „Zwar werden das zweite Jahr in Folge keine Verwandtschaftstreffen, keine Ausflüge oder Urlaubsreisen zu Ostern möglich sein, aber Familien können gemeinsam überlegen, wie man neue Rituale entwickeln oder bewährte in einer veränderten Form beibehalten kann.“ Außerdem rät die Erziehungsberaterin unbedingt dazu, eine Pause vom Thema Schule und Lernen zu machen – zumindest am langen Osterwochenende, besser noch die kompletten Osterferien, wenn nicht gerade danach Abschlussprüfungen anstehen. „Pausen sind wichtig, um danach wieder erholter und effektiver arbeiten zu können“, sagt Elisabeth Frank-Keller. (Lesen Sie auch: Glücklich trotz Corona? Diese Strategien helfen beim Durchhalten im Lockdown)

Tipps für Eltern

Folgende Tipps gibt die Erziehungsberaterin Eltern, um Kindern und Jugendlichen gegen die Corona-Einsamkeit zu helfen:

  • Verständnis zeigen und zuhören: Das Thema Einsamkeit darf sein und ist für Kinder jeden Alters sehr real spürbar. Eltern sollten daher nicht versuchen, ihrem Nachwuchs diese Gefühle auszureden oder sie herunterzuspielen, sondern stattdessen nachfragen, zuhören, Verständnis zeigen.
  • Gesprächspartner finden: Für Jugendliche sind meist nicht mehr die Eltern die ersten Ansprechpartner bei Problemen, sondern eher die beste Freundin oder der beste Freund. Daher sollten Eltern tolerant bleiben, wenn sich der Nachwuchs beispielsweise bei stundenlangen Telefonaten mit Freunden austauscht.
  • Alternativen zu realen Treffen entwickeln: Manche Jugendliche sind im Moment sehr kreativ, um trotz Kontaktbeschränkungen mit ihrer Clique in Kontakt zu bleiben. Zum Beispiel indem sie via Video-Anruf die Hausaufgaben oder ein Sportprogramm gemeinsam machen oder sich in eine Video-Konferenz am Nachmittag zum gemeinsamen Austausch verabreden. Andere Jugendliche dagegen brauchen vielleicht die Unterstützung der Eltern dabei, um neue Formen des sozialen Kontakts zu finden.
  • Anschub geben: Vor allem Jugendlichen fehlt oft die Energie, neue Dinge anzugehen oder auszuprobieren, die ihnen dann Spaß machen und guttun. Darum dürfen Eltern ihren Sohn oder ihre Tochter durchaus sanft anschieben, einen Spaziergang oder eine Radtour mit einer Freundin oder einem Freund oder einen Online-Sportkurs in die Tat umzusetzen. Gerne sollten sie sie danach daran erinnern, regelmäßig solche Verabredungen einzuhalten.
  • Glückshormone aktivieren: Eltern sollten überlegen, was ihr Kind gut kann oder sehr gerne macht – und diese Fähigkeiten und Interessen aktiv in den Tag einbauen. Zum Beispiel kann man mit Video-Tutorials neue Tanzschritte einstudieren oder ein neues Handwerksprojekt suchen.
  • Professionelle Hilfe holen: Wenn sich Kinder oder Jugendliche immer mehr zurückziehen, anhaltende körperliche Symptome wie Schlafprobleme oder Appetitlosigkeit auftreten, die keine medizinische Ursache haben, oder sie selbst Belastungen äußern, für die sie keine eigene Lösung wissen, finden Eltern und Kinder professionelle, schnelle und kostenlose Hilfe bei der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung. Das gilt auch für Jugendliche, die ohne Begleitung ihrer Eltern Rat suchen.

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