Nach dem Fahrradklima-Test in Füssen

So möchte die Stadt Füssen ihre Radl-Note verbessern

Überbordender Verkehr in Füssen

So ist es richtig: Wer an stark befahrenen Knotenpunkten wie dem Kaiser-Maximilian-Platz nicht auf der Straße radeln möchte, muss seinen Drahtesel schieben.

Bild: Archiv-Benedikt Siegert

So ist es richtig: Wer an stark befahrenen Knotenpunkten wie dem Kaiser-Maximilian-Platz nicht auf der Straße radeln möchte, muss seinen Drahtesel schieben.

Bild: Archiv-Benedikt Siegert

Verkehrsausschuss spricht über das Füssener Ergebnis beim Fahrradklima-Test. Ein Arbeitskreis soll wieder starten. Welche Projekte bereits geplant sind.
23.04.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Nicht hervorragend, aber auch nicht grottenschlecht: So hat die Stadt Füssen beim bundesweiten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) abgeschnitten. Mit einer Gesamtnote von 3,57 landete man auf dem 94. Platz unter 418 Orten mit bis zu 20 000 Einwohnern. Die Bewertung „zufriedenstellend“ wollen die Kommunalpolitiker aber in Zukunft verbessern: Im Verkehrsausschuss wurde zum Beispiel die Forderung laut, einen Radweg nach Weißensee zu bauen. Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) verwies in diesem Zusammenhang auf mehrere Projekte für Radfahrer, die man bereits angeschoben habe.

Sehr viele Teilnehmer beim Fahrradklima-Test in Füssen

Dank vieler Teilnehmer wurde Füssen erstmals bei dem Fahrradklima-Test bewertet. Als die Bewertung im März verkündet wurde, war das für den Bürgermeister „kein Grund zum Feiern“. Schon damals kündigte er an: „Da wir uns nicht mit befriedigend zufrieden geben, sind diverse Maßnahmen geplant.“ Für Manfred Schweinberg von der städtischen Verkehrsbehörde ist das Ergebnis kein Grund, um jetzt in Sack und Asche zu gehen: „Für das erste Mal in der Bewertung ist das gar nicht so schlecht.“ Füssen sei beim Thema Radeln „vergleichsweise gut aufgestellt“.

Negative Bewertung im Fahrradklima-Test: Konflikte mit Fußgängern

Wobei man natürlich besser werden wolle, wie Schweinberg versichert. Er schlug den Kommunalpolitikern vor, so vorzugehen wie eine beim Fahrradklima-Test ausgezeichnete Kleinstadt: Dort habe man speziell auf die Verbesserung der beim vorangegangenen Test schlecht bewerteten Aspekte gesetzt – und damit Erfolg gehabt. Ein solches Vorgehen empfehle sich auch für Füssen, sagte Schweinberg. Zum Beispiel bei dem Punkt, der von den Füssener Test-Teilnehmern am negativsten beurteilt worden war: „Konflikte mit Fußgängern“.

Schweinberg verwies auf stichprobenartige Kontrollen der Polizei und des Kommunalen Ordnungsdienstes. Dies sei sicher ein Anfang, doch gelte es, Ideen für weitere wirksame Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, um diese Konflikte zu reduzieren. Das sei „durchaus eine Herausforderung“, sagte Schweinberg. Dr. Martin Metzger (Bürger für Füssen) wies bei diesem Punkt daraufhin, dass viele Radler nur deshalb auf den Gehweg wechseln würden, weil es für sie zum Beispiel rund um den Kaiser-Maximilian-Platz zu gefährlich auf den Straßen sei.

Ein weiteres Beispiel, das Schweinberg ansprach, war die Stadt Nordhorn an der Grenze zu den Niederlanden. Sie gehört zu den Gewinnerstädten beim Fahrradklima-Test für Orte mit 20 000 bis 50 000 Einwohnern. Ganz gezielt habe sie sich Alleinstellungsmerkmale wie Wasser-, Grenz-, Fahrrad-, Einkaufs- und Erlebnisstadt auf die Fahnen geheftet und damit gepunktet. Damit könnte auch Füssen punkten. Ob einige der in Nordhorn verwirklichten Maßnahmen auch in Füssen denkbar wären, ist indes offen: Dort wurden Kfz- in Fahrrad-Parkplätze umgewandelt. Schweinberg sprach von anfangs teilweise umstrittenen und unpopulären, in Einklang mit den Bürgern jedoch letztlich umgesetzten Lösungen zugunsten des Radverkehrs.

Konkret handeln statt immer neue Fässer aufmachen

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Radfahren

Bund will fast 1,5 Milliarden Euro in Radverkehr investieren

Man soll jetzt nicht neue Fässer aufmachen, sondern konkret handeln, verwies Jürgen Doser (FWF) darauf, dass man in Füssen noch etliche Baustellen in Bezug auf den Radverkehr habe. So fehle beispielsweise eine sichere Radverbindung von Füssen nach Weißensee. Er zitierte Schweinberg, wonach die Bundesregierung bis 2025 1,25 Milliarden Euro für den Radverkehr bereitgestellt hat. Wenn solche Summen bereitstünden, dann sollte Füssen doch zugreifen, um wichtige Vorhaben anzupacken.

Eichstätter betont: Die stadt hat bereits mehrere Projekte angeschoben

Man habe bereits einiges auf den Weg gebracht, sagte dazu Bürgermeister Eichstetter. Er verwies auf die Planungen für den Radweg-Ausbau in Hopfen am See. Zudem laufen die Grundstücksverhandlungen, um den Lechufer-Radweg (sozusagen das Epizentrum der Konflikte zwischen Radlern und Fußgängern) ausbauen zu können. Aber es müssen nicht nur große Maßnahmen sein, um das Klima für Radler zu verbessern: Schweinberg verwies darauf, dass in den kommenden Wochen etliche Markierungen angebracht oder erneuert werden. Zum Beispiel die Roteinfärbungen von Radwegen an den Einmündungen von Straßen oder die Hervorhebung der Fahrradstraßen.

Auf jeden Fall muss noch viel gemacht werden. Denn laut Schweinberg ist eine Halbierung des Kfz- und eine Verdoppelung des Radverkehrs und Öffentlichen Personennahverkehrs notwendig, um die Klimaziele zu erreichen. Dazu muss das Radeln in Füssen aber noch attraktiver werden. Dazu beitragen soll wieder ein Stadtrats-Arbeitskreis Radverkehr, der zuletzt nicht mehr aktiv war. Das regte Thomas Meiler (CSU) an, nachdem der Arbeitskreis zuletzt nicht mehr zusammengekommen war. Ein Vorschlag, den Bürgermeister Eichstetter umgehend aufgriff.

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