Einzelhandel

So reagieren Einzelhändler in Füssen auf den harten Lockdown

Das Vorweihnachtsgeschäft bleibt wegen des harten Lockdowns zu einem Teil auf der Strecke. Wie die Einzelhändler in Füssen darauf reagieren.

Das Vorweihnachtsgeschäft bleibt wegen des harten Lockdowns zu einem Teil auf der Strecke. Wie die Einzelhändler in Füssen darauf reagieren.

Bild: Marcus Merk/Symbolfoto

Das Vorweihnachtsgeschäft bleibt wegen des harten Lockdowns zu einem Teil auf der Strecke. Wie die Einzelhändler in Füssen darauf reagieren.

Bild: Marcus Merk/Symbolfoto

Warum manche Geschäftsleute im Füssener Land um ihre Existenz bangen, aber dennoch Verständnis dafür haben. Und was sie tun, um den Betrieb am Laufen zu halten.
14.12.2020 | Stand: 20:12 Uhr

Eine Woche länger hätte sich Monika Reichart gewünscht. Die Inhaberin eines Schuhladens in Lechbruck hätte ihr Geschäft gerne bis Weihnachten geöffnet gelassen, um vom Vorweihnachtsgeschäft zu profitieren. „Aber es hilft nichts, die Gesundheit geht vor“, zeigt Reichart Verständnis für den harten Lockdown, der ab Mittwoch gilt. Der „Lockdown light“ seit November habe wenig bis gar nicht gefruchtet, also bedürfe es eines verschärften Verbots. Gleichzeitig hofft Reichart, dass die zugesagten Hilfen für die Einzelhändler pünktlich kommen, wie bereits bei der erzwungenen Schließung im Frühjahr. Da hätten sich die Lieferanten kulant gezeigt, auch die Kunden haben ihr die Treue gehalten. „Die haben uns nicht im Stich gelassen und sind nach der Wiedereröffnung gekommen, um uns zu unterstützen“, sagt Reichart. Trotz der schweren Zeit will sie positiv bleiben: „Jetzt habe ich rund um Weihnachten mal frei, das gab es seit der Schulzeit nicht mehr.“

Einzelhändler in Füssen: Corona-Lockdown„Virologisch in Ordnung“, aber ...

Auch Andrea Kaindl bewertet die erneute Schließung als „virologisch in Ordnung“. Die Inhaberin von Sportmoden Strigl in Füssen sagt aber: „Für uns Einzelhändler ist es sehr schwierig. In dieser Zeit haben wir üblicherweise das beste Wintergeschäft, die großen Verluste können wir nicht mehr aufholen.“ Wenn tatsächlich im Januar nach den Ferien wieder geöffnet werden darf, sei das „Weihnachtsflair weg“, ohnehin fehlten die zahlreichen Gäste, die sonst durch die Altstadt flanieren. Das habe sie bereits im Frühjahr schmerzlich erfahren müssen. Sie bietet über eine Online-Auktionsseite Einzelstücke zum Verkauf an, einen wirklichen Shop im Internet kann sie aber nicht auf die Beine stellen. „Das ist zeitaufwendig und für uns kleine Einzelhändler nicht einfach nebenbei machbar.“

Die Urlaubsgäste fehlen den Geschäften in Füssen

Dass die Gäste fehlen, bedauert auch Johanna Mundi vom gleichnamigen Modegeschäft in der Ritterstraße. „Füssen ist eine Tourismusstadt, wir sind im Einzelhandel auch auf die auswärtigen Gäste angewiesen“, sagt sie. Dass sie gerade jetzt ihre Boutique zusperren muss, ist für sie bedauerlich. „Das sind normalerweise starke zwei Wochen für uns. In der vergangenen Woche hatten wir durch eine Rabattaktion noch guten Zulauf, der fehlt uns jetzt natürlich ab Mittwoch“, sagt sie. Rückblickend hätte sie sich gewünscht, dass bereits Anfang November ein harter Lockdown beschlossen worden wäre, denn da war nicht ganz so viel los, sagt Mundi. Sie könnte sich nun vorstellen, die geltenden Regeln gleich bis Ende Januar zu verlängern. „Lieber lassen wir länger zu, wenn wir danach dann einigermaßen normal wieder arbeiten können.“ Mundi hat im Frühjahr ihre Angebote ins Internet verlegt, ist auf sozialen Medien vertreten und informiert ihre Kunden so über spezielle Aktionen. Außerdem sei sie telefonisch erreichbar, um Gutscheine zu verkaufen. „Wir brauchen die Unterstützung durch die Bevölkerung. Sie müssen dem Einzelhandel vor Ort helfen. Es kann doch keiner wollen, dass die Innenstädte aussterben“, sagt sie.

Als systemrelevant dürfen Hörgeräteakustiker weiter öffnen, wie Christian Kauke mit seinem „Labohr“. Er betreibt mit seiner Frau drei Filialen in Pfronten, Lechbruck und Oberammergau. Und doch spürt er die Auswirkungen des Lockdowns. „Im Frühjahr sind unsere Kunden zunächst ferngeblieben, man spürte die Verunsicherung.“ Das werde jetzt nicht anders sein. Dass es erneut harte Regeln gibt, hält er für „höchste Eisenbahn. Der Lockdown-light hat null Auswirkungen gebracht“, sagt Kauke.

Bücher können weiter abgeholt werden

Alle Hände voll zu tun haben derweil die Beschäftigten in der Buchhandlung Bruhns in Füssen. Wie Marianne Heichele sagt, würden viele Kunden jetzt noch kurz vor der Schließung ihre Bücher abholen. Doch auch ab Mittwoch könne man weiter bei ihnen bestellen, schildert sie. „Die Lieferketten funktionieren, die Bücher sind innerhalb eines Tages meistens da.“ Wie im Frühjahr werde man Möglichkeiten finden, um die Kunden zu bedienen – sei es über einen Ablageort oder einen Lieferdienst am Abend. Dass sie in den letzten Tagen vor dem Fest wieder schließen muss, kann sie nur bedingt nachvollziehen. „Es lief alles diszipliniert ab, die Kunden haben vor dem Laden gewartet, bis sie rein durften. Jetzt haben wir wieder den Druck“, sagt Heichele und spielt darauf an, dass die Konkurrenz durch den Internethandel gerade in ihrer Branche groß ist.