Jugendparlament

Von Cannabis bis zur Rente: Füssener fragen Staatssektretärin

Das Jugendparlament Füssen lud die Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium zum Gespräch. Von links Sophia Mohr, David Wagner, Lukas Grosch, Christina Haubrich (Landtagsabgeordnete), Ekin Deligöz (Staatssekretärin), Maximilian Eichstetter (Bürgermeister), Miguel Garcia Entrialgo, Maria Konovalova, Pio Montuori und Wolfgang Bader (dritter Bürgermeister).

Das Jugendparlament Füssen lud die Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium zum Gespräch. Von links Sophia Mohr, David Wagner, Lukas Grosch, Christina Haubrich (Landtagsabgeordnete), Ekin Deligöz (Staatssekretärin), Maximilian Eichstetter (Bürgermeister), Miguel Garcia Entrialgo, Maria Konovalova, Pio Montuori und Wolfgang Bader (dritter Bürgermeister).

Bild: Heinz Sturm

Das Jugendparlament Füssen lud die Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium zum Gespräch. Von links Sophia Mohr, David Wagner, Lukas Grosch, Christina Haubrich (Landtagsabgeordnete), Ekin Deligöz (Staatssekretärin), Maximilian Eichstetter (Bürgermeister), Miguel Garcia Entrialgo, Maria Konovalova, Pio Montuori und Wolfgang Bader (dritter Bürgermeister).

Bild: Heinz Sturm

Das Jugendparlament Füssen löchert eine hochkarätig besetzte Runde mit vielen Fragen. Wie es mit einem Wahlalter ab 16 Jahre aussieht.
09.09.2022 | Stand: 05:45 Uhr

So etwas nennt man einen gelungenen Start: Das Füssener Jugendparlament, das vor wenigen Wochen im Juli gerade seine konstituierende Sitzung hatte, konnte schon hochrangige Gäste aus der (Kommunal-)Politik begrüßen. Ekin Deligöz, Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, die Landtagsabgeordnete Christina Haubrich (beide Grüne) und Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) stellten sich den Fragen der Jugendlichen. Die Bandbreite der Themen reichte von Cannabis bis zur – ja, wirklich – Rente. Mit dem Ablauf waren die Jugendparlamentarier dann ganz zufrieden: „Das lief echt gut dafür, dass wir das zum ersten Mal gemacht haben“ oder „das war mega-interessant“ war hinterher zu hören.

Aus einem P-Seminar Sozialkunde des Gymnasiums Füssen erwuchs eine schulübergreifende Jugendinitiative, die letztlich zur Wahl eines Jugendparlaments führte (wir berichteten). In seiner ersten größeren Aktion suchte das Gremium das Gespräch mit der Ekin Deligöz. Die Staatssekretärin, die ohnehin die vergangenen Wochen bundesweit das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern gesucht hatte, sagte zu. Zumal sie das Engagement der Jugendlichen „großartig“ findet. Wenn man die Jugendbeteiligung in der Politik stärke, stärke man damit auch die Demokratie, ist Deligöz überzeugt.

Der Ansatz der Jugendparlamentarier: „Wir werden uns über jugendpolitische Themen und Fragen der Füssener Jugend befassen, damit wir als neugegründetes Jugendparlament wissen, worauf wir Rücksicht nehmen sollten und auch Tipps bekommen, wie wir erfolgreich arbeiten können“, sagte Lukas Grosch, der Vorsitzende des neuen Gremiums. Über einen Aufruf auf Instagram sammelten Grosch mit seinen Mitstreitern auch von anderen Jugendlichen Fragen, die sie Deligöz, Haubrich und Eichstetter stellten. Hier ein Auszug:

  • Cannabis Das Thema brachte die Staatssekretärin selbst ein, da sie dazu in fast jeder Runde von Jugendlichen befragt wird. Die Freigabe wird kommen, allerdings mit einem Jugendschutzparagrafen, sagte Deligöz: „Unter 18 Jahren gibt’s nichts.“ Und sie warnte: „Das killt eure Gehirnzellen.“
  • Corona Ein wichtiges Thema für Christina Haubrich, die Gesundheitsexpertin der Grünen im Landtag: „Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir es in diesem Winter besser hinbekommen als die Jahre zuvor.“ Für sie ist mit Blick auf Kinder und Jugendliche wichtig zu verhindern, dass Kitas wieder geschlossen werden und der Unterricht in Schulen nur noch digital stattfindet.
  • Digitalisierung Warum es so lange dauert mit dem Ausbau der Glasfasernetze, lautete eine andere Frage. „Wir sind ganz weit hinten dran“, sagte Bürgermeister Maximilian Eichstetter mit Blick auf andere Staaten. Doch dank der Hilfe von Bund und Land verbessere man die Situation in Füssen stetig. 2023 werde die Telekom für noch schlecht versorgte 660 Haushalte den Ausbau beginnen und bis 2027 „auch den letzten Hof anschließen“.
  • Rente Ein Thema, das man nicht unbedingt erwartet hätte: Die Rente, die für 17- bis 18-Jährige selbst in ferner Zukunft als andere als sicher erscheint. Das Problem: „Es gibt immer weniger junge Menschen und immer mehr alte“, sagte Deligöz. Man müsse für eine besser Qualifikation der Berufstätigen sorgen, zudem müsste in bestimmten Branchen „womöglich länger gearbeitet“ werden. Auch müsse man mit einer gezielten Einwanderungspolitik dem Arbeitskräftemangel zum Beispiel in der Pflege oder Gastronomie entgegenwirken.
  • Wahlalter Die Teilhabe der Jugend an Demokratie und Gestaltung ist für Deligöz sehr wichtig. Daher plädiert sie für ein Wahlalter ab 16 Jahren. Allerdings seien die parlamentarischen Hürden auf Bundesebene dafür sehr hoch. Schneller könnte es mit dem heruntergesetzten Wahlalter bei der Europawahl klappen.
  • Wünsche Mit Blick auf Füssens finanzielles Fiasko sagte Eichstetter zu möglichen Wünschen des Jugendparlamentes: „Nicht alles ist machbar, aber auch mit wenigen Mitteln kann man einiges bewegen.“

Die Jugendlichen stellten noch mehrere Fragen, einige konnten sie aber nicht mehr anbringen – der nächste Termin der Staatssekretärin stand an. Immerhin: Ekin Deligöz hatte sich bei dem Treffen ausschließlich mit den Jugendlichen beschäftigt. Damit fehlte ihr am Ende die Zeit für eine kurze Führung durch Rathaus und Museum, die sie gerne mit Bürgermeister Eichstetter gemacht hätte. Denn Deligöz war nicht nur von den Jugendlichen, sondern auch von den Räumen im ehemaligen Kloster St. Mang ganz angetan.