Tourismus

Wie sicher ist Reisen in Corona-Zeiten?

Mit einer Maschine der Lufthansa begab sich Monika Fischer auf ihre Testreise. Am Flughafen begegneten ihr immer wieder Hinweise auf die Corona-Regeln, zum Beispiel hier der Mindestabstand.

Mit einer Maschine der Lufthansa begab sich Monika Fischer auf ihre Testreise. Am Flughafen begegneten ihr immer wieder Hinweise auf die Corona-Regeln, zum Beispiel hier der Mindestabstand.

Bild: Monika Fischer

Mit einer Maschine der Lufthansa begab sich Monika Fischer auf ihre Testreise. Am Flughafen begegneten ihr immer wieder Hinweise auf die Corona-Regeln, zum Beispiel hier der Mindestabstand.

Bild: Monika Fischer

Eine Reisebürochefin aus Lechbruck will mit einer Informationsreise herausfinden, wie sicher Reisen in Corona-Zeiten ist. Warum sie als Ziel die Kanaren wählte.
02.12.2020 | Stand: 07:16 Uhr

Das Thema Reisen spaltet in der Corona-Pandemie die Bevölkerung. Während die einen das Verreisen für grob fahrlässig halten, wollen die anderen trotz der Gefahr durch den Virus nicht darauf verzichten. Monika Fischer, Geschäftsführerin der Schmetterling Travel Lechbruck GmbH, will deshalb herausfinden, wie sicher Fahrten in den Urlaub in Corona-Zeiten mittlerweile sind und begibt sich auf eine Informationsreise. Wir sprachen vor der Abfahrt mit ihr.

Frau Fischer, was möchten Sie mit der Reise erreichen?

Ich möchte testen, wie die Hygiene- und Präventionsmaßnahmen eingehalten werden. Nur wenn ich mich selber davon überzeugen kann, ist es mir möglich, Kunden entsprechend zu beraten. Außerdem hoffe ich, den Reisenden die Angst zu nehmen und ihnen zu zeigen, dass sie durchaus ihren wohlverdienten Urlaub machen zu können. Und ich denke natürlich an die gesamte Reisebranche – Hoteliers, Fluggesellschaften, Bahn, Tourismusorte wie Füssen –, denen durch die Angst viel wegbricht.

Haben Sie in der jetzigen Zeit keine Angst oder ein mulmiges Gefühl, zu verreisen?

Ich weiß noch nicht, wie ich diesen Urlaub genießen werde. Das werden wir sehen. Aber wie es zur Zeit ist, entfliehen wir dem Hotspot und Risikoland Deutschland. Gerade schützen sich andere Länder wie Spanien und die Kanaren vor uns Deutschen. Deshalb genügen auch keine Corona-Schnelltests mehr, sondern man braucht PCR-Tests. In manchen Urlaubsgebieten wird meines Erachtens auch mehr getan und eingehalten, um der Pandemie entgegenzuwirken. Die Kanaren zum Beispiel leben vom Tourismus und Fallzahlen wie gerade in Deutschland sollten dort nicht vorkommen. Komisch und ungewohnt wird es wohl für uns sein, an einem ziemlich leeren Flughafen zu sein und viereinhalb Stunden mit Maske zu fliegen. Ich bin auch gespannt, wie sich die Mitreisenden verhalten. Aber mehr Bedenken habe ich, wenn ich hier beim Einkaufen bin. Da werden Abstände nicht immer eingehalten und neulich habe ich gehört, wie sich zwei Verkäuferinnen – eine ohne Maske – unterhielten, dass die eine zur Zeit solche Halsschmerzen hat. Da bin ich gleich einen Schritt zurückgetreten.

Stammt die Idee von Ihnen? Haben Sie die Reise privat gebucht?

Ich habe die Reise privat gebucht und die Idee stammt auch von mir, weil ich mich sehr gut in den Reisenden hinein versetzen kann und seine Fragen kenne.

Fahren Sie alleine und wie lange werden sie unterwegs sein?

Nein, ich reise mit meinem Mann. Wir sind sechs Nächte in einem Hotel und acht Nächte auf Kreuzfahrt mit der MS Europa 2.

Welches Ziel haben Sie gewählt und nach welchen Kriterien haben Sie es ausgesucht?

Das Ziel sind die Kanaren und ausgesucht habe ich es, weil es dafür keine Reisewarnungen gibt und die Coronazahlen dort sehr niedrig sind im Vergleich zu Deutschland zur Zeit.

Wie fliegen Sie und welche Angebote machen die Fluggesellschaften mittlerweile, um Passagiere vor Ansteckung zu schützen?

Wir fliegen mit der Lufthansa, da wir den Flug gebührenfrei umbuchen könnten und zusätzlich günstig den freien Nachbarsitz reservieren können. Außerdem bietet die Lufthansa mittlerweile eine biometrische Identifizierung an. Das heißt, über eine biometrische Gesichtsfelderkennung kommt man fast kontaktlosen durch die Sicherheitskontrolle und das Boarding.

Müssen Sie im Vorfeld einen Corona-Test machen lassen? Wie läuft das ab?

Ja, wir brauchen einen negativen PCR-Test für die Einreise auf den Kanaren, weil Deutschland als Risikoland gilt. Auch die Kreuzfahrtgesellschaft fordert einen Test. Er darf nicht älter als 72 Stunden und muss in englischer Sprache sein. Wir werden den Test bei unserem Hausarzt machen lassen. In Bayern ist das sogar kostenlos.

Was gilt es bei der Wahl der Unterkunft zu beachten?

Man sollte auf die Hygienemaßnahmen vor Ort achten.

Wie sieht es bei den Kreuzfahrten aus? Was haben die Anbieter unternommen, um das Reisen sicherer zu machen?

Die Kreuzfahrtgesellschaften belegen ihre Schiffe nur noch zu 40 Prozent, um die Abstände zum Beispiel beim Essen einhalten zu können. Hapag Lloyd etwa hat auf seiner Internetseite unter www.hl-cruises.de/sicher-reisen einen Zehn-Punkte-Plan für sicheres Reisen formuliert (siehe Infokasten) .

Wie groß war der Aufwand im Vorfeld? Muss der Kunde viel Papierkrieg erledigen?

Vom Papierkrieg bekommt der Kunde eigentlich nichts mit, wenn er über ein Reisebüro bucht. Er braucht natürlich den PCR-Test vom Arzt. Beim Ausfüllen der elektronischen Formulare für Gesundheitskontrollen sind wir behilflich. Auch den Check-in und das Ausfüllen des Schiffmanifests übernehmen wir für unsere Kunden. Sie erhalten dann ihre Reiseunterlagen wie gewohnt.

Haben Sie solche Informationsreisen auch vor Corona schon gemacht oder ist das jetzt ein Sonderfall?

Informationsreisen habe ich bereits sehr viele hinter mir, um Land und Leute kennenzulernen und die einzelnen Hotels. Das heißt an einem Tag oft sechs bis acht Hotelbesichtigungen, abends Schulungen und Austausch mit den Reiseveranstaltern. Bei Nahzielen ist der Aufenthalt höchstens zwei bis vier Tage. Bei Fernreisen nach über zwölf Stunden Flug und Zeitverschiebung auch nur vier bis sechs Tage mit vollem Programm.

So sorgen Kreuzfahrtanbieter für mehr Sicherheit

  • Um Kreuzfahrt-Passagiere vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen, haben viele Anbieter mittlerweile spezielle Konzepte. Hapag Lloyd zum Beispiel hat einen Zehn-Punkte-Plan entwickelt, nach dem unter anderem gilt:
  • Für alle Passagiere ist ein negativer Corona-Test Pflicht.
  • Das Boarding findet zeitlich entzerrt und gruppenweise statt. Für die Reisegäste gibt es vor dem Einstieg und täglich an Bord ein Screening mit Wärmebildkameras.
  • Überall auf dem Schiff gilt der Mindestabstand von 1,50 Meter. Um diesen einzuhalten, wurde die Gästezahl um 40 Prozent verringert.
  • Die Crew wird vor Reisebeginn isoliert und getestet. Vor jedem Dienstbeginn wird die Körpertemperatur der Mitarbeiter kontrolliert.
  • Klimaanlagen sorgen dafür, dass Kabinen und öffentliche Bereiche mit 100 Prozent, durch Filter gereinigte Frischluft versorgt werden.
  • In Restaurants, am Buffet und in Bars gibt es keine Selbstbedienung mehr.
  • Sämtliche Veranstaltungen und Aktivitäten finden mit verringerter Teilnehmerzahl statt.
  • Es herrscht Maskentragepflicht überall dort, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.
  • Häufig berührte Flächen werden alle 30 Minuten gereinigt, die Kabinen dreimal täglich.