Hilfsbereitschaft

Gas-Explosion in Rettenbach: "Es gibt immer wieder Momente, in denen die Erinnerungen hochkommen"

Rettenbach

Nach der Explosion eines Hauses in Rettenbach am 19. Mai 2019 waren mehrere hundert Einsatzkräfte vor Ort. Zwei Menschen starben bei dem Unglück.

Bild: Martina Diemand (Archiv)

Nach der Explosion eines Hauses in Rettenbach am 19. Mai 2019 waren mehrere hundert Einsatzkräfte vor Ort. Zwei Menschen starben bei dem Unglück.

Bild: Martina Diemand (Archiv)

Für ihren Einsatz bei dem verheerenden Unglück 2019 erhielten Rettenbachs Bürger nun eine besondere Ehrung. Doch der schreckliche Tag prägt den Ort weiterhin.
27.07.2021 | Stand: 20:51 Uhr

Es sind Bilder, die keiner in Rettenbach je vergisst. Der Trümmerhaufen aus Steinen, Holz und Ziegeln. Das Wohnhaus einer fünfköpfigen Familie zerstört durch eine Gasexplosion. Und dann waren da an diesem Unglückstag im Mai 2019 die vielen Helfer, die anpackten, sich durch den Schutt gruben. Die eine Frau retteten und zwei Tote bargen. Die Tragödie hatte in der Gemeinde eine große Welle des Mitgefühls und der Solidarität ausgelöst. Für ihr engagiertes Handeln sind die Rettenbacher Bürgerinnen und Bürger vom Kuratorium Sicheres Allgäu ausgezeichnet worden.

Die Ehrung hätte längst stattfinden sollen. Corona machte dies jedoch unmöglich. Und auch am Montagabend ist es in der Weichberghalle eher eine Feier im kleinen Kreis. An den Rettungs- und Bergungsarbeiten waren hunderte Einsatzkräfte von Rettungsdiensten, Feuerwehren, THW, Polizei und privaten Firmen beteiligt. Stellvertretend für sie nehmen einige wenige die Auszeichnung entgegen. Die geladenen Gäste sind „Menschen, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen und die uneigennützig mitanpacken, wo es Not gibt“, sagt der Präsident des Kuratoriums, der Lindauer Landrat Elmar Stegmann. Und Regierungspräsident Dr. Erwin Lohner sagt: „Durch ihre Taten zeigten sie, was für die Gesellschaft wesentlich ist: Hilfsbereitschaft und Solidarität.“

Gas-Explosion in Rettenbach: Familienvater und Tochter starben

Zum Beispiel Andrea Bair. Sie hatte mit ihrer Kollegin am Unglückstag – der 19. Mai war ein Sonntag – den Dorfladen geöffnet, damit die Helfer etwas zu essen und trinken bekamen. Sie freue sich über die Auszeichnung, sagt sie. Doch es sei eigentlich nichts Besonderes, dass man sich in Rettenbach gegenseitig helfe. „Der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft im Dorf sind immer da.“ So sagt es auch Jürgen Kelz, der Kommandant der Feuerwehr. Kelz ist eingeladen mit seinen Feuerwehr-Kollegen, Martin Kienle und Herbert Knauer, der nach dem Unglück eine Woche unbezahlten Urlaub nahm, um zu helfen. Dabei sind auch Simon Gehring vom Allgäuer Hilfsfonds und der Bauunternehmer Werner Höbel, der kostenlos Bagger für die Bergungsarbeiten zur Verfügung stellte.

Bei der Gasexplosion waren ein 42-jähriger Familienvater und seine sieben Jahre alte Tochter ums Leben gekommen. Die Katastrophe ist nicht vergessen von den Menschen in Rettenbach. „Es gibt immer wieder Momente, in denen die Erinnerungen, die Bilder hochkommen“, sagt Johannes Schneider. Der Zweite Bürgermeister war als Feuerwehrmann am Unglücksort.

Rettenbacher Bürgermeister: „Starker Zusammenhalt“

Bürgermeister Reiner Friedl ist mit seiner Frau Sonja in die Weichberghalle gekommen. Er war nach dem Unglück 27 Stunden auf den Beinen. „Diese Katastrophe kann man nicht vergessen. Zwei Menschen aus unserer Mitte sind gestorben.“ Er wünschte sich, dass es diese Feier gar nicht geben müsste. Und doch sei es schön zu wissen, „wie sehr man in Rettenbach füreinander einsteht und wie stark der Zusammenhalt ist.“

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Über den Allgäuer Hilfsfonds sind insgesamt etwa 500 000 Euro an Spenden zusammengekommen. „Sie sollen der verunglückten Familie ein neues Zuhause ermöglichen“, sagt Friedl. Die bei der Explosion schwerst verletzte Mutter lebt mit ihren zwei Buben mittlerweile in Oberbayern.

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