Grüntenhaus bei Burgberg

Das Grüntenhaus, das erste Hotel in den Allgäuer Alpen

Carl Hirnbein suchte einst einen Standort für ein Hotel in den Allgäuer Alpen und seine Wahl fiel auf den Grünten. Wenig verwunderlich, denn der Blick von der Sonnenterrasse des Grüntenhauses ist einzigartig.

Carl Hirnbein suchte einst einen Standort für ein Hotel in den Allgäuer Alpen und seine Wahl fiel auf den Grünten. Wenig verwunderlich, denn der Blick von der Sonnenterrasse des Grüntenhauses ist einzigartig.

Bild: Michael Munkler

Carl Hirnbein suchte einst einen Standort für ein Hotel in den Allgäuer Alpen und seine Wahl fiel auf den Grünten. Wenig verwunderlich, denn der Blick von der Sonnenterrasse des Grüntenhauses ist einzigartig.

Bild: Michael Munkler

Besucher des Grüntenhauses begeistert vor allem der Blick von der Sonnenterrasse hinunter ins Illertal. Der Standort überzeugte einst auch Carl Hirnbein.
03.05.2022 | Stand: 22:11 Uhr

Es liegt geduckt in der Gipfelmulde des 1.738 Meter hohen Berges, der als der „Wächter des Allgäus“ gilt: Das Grüntenhaus (1.535 Meter) war einst das erste Hotel in den Allgäuer Alpen, eingeweiht bereits 1854 - als es noch keine einzige Alpenvereinshütte gab. „Wir fühlen und der Tradition verpflichtet“, sagt Wirt Lutz Egenrieder, der zusammen mit seiner Frau Doro das Haus seit 14 Jahren bewirtschaftet. Die Egenrieders sind nicht nur Wirte, sondern auch Älpler: 30 Schumpen, zehn Schafe und Lämmer und „ein Haufen Federvieh“ (Lutz) verbringen den Sommer hier oben. Gemeint sind die bunten Minihühner. Doro und Lutz hatten viele Sommer zuvor auf Sennalpen im Schweizer Wallis und im Berner Oberland gearbeitet.

Lutz Egenrieder und seine Frau Doro bewirtschaften das Grüntenhaus seit 14 Jahren.
Lutz Egenrieder und seine Frau Doro bewirtschaften das Grüntenhaus seit 14 Jahren.
Bild: Michael Munkler

Grüntenhaus: Carl Hirnbein wählte Grünten als Hotel-Standort

Eine Gedenktafel am Eingang erinnert an den Bauherren: Carl Hirnbein (1807 bis 1872), bekannt als der „Notwender des Allgäus“, hatte bereits 1842 bei einem Besuch in der Schweiz eine Art Schlüsselerlebnis. Auf dem Gipfel des Rigi „sind sechs Gaststätten, gegen welche kein Gasthof in Kempten oder Lindau an die Seite gestellt werden kann“, schrieb er aus Bern an seine Frau Nanni im Jahr 1842. Menschen „von allen Nationen, vorzüglich Engländer, Holländer und Franzosen“, kämen als Gäste. In den folgenden Jahren suchte Hirnbein nach einem geeigneten Standort für ein Hotel in den Allgäuer Alpen und die Wahl fiel schließlich auf den Grünten. Den meisten eher bekannt ist Hirnbeins Verdienst für die Wirtschaft: Nachdem zu Beginn des 19. Jahrhunderts wegen der aufkommenden Baumwoll-Importe die Leinen-Weberei im Allgäu nicht mehr wettbewerbsfähig gewesen war, führte dies zur Verarmung der gesamten Region. Nach niederländischem und belgischem Vorbild regte Hirnbein die Milchwirtschaft und Käseproduktion im Allgäu an. So sorgte er für einen Aufschwung in der Region. Fortan war vom „Notwender“ der Menschen im Allgäu die Rede. Doch der Visionär Hirnbein war eben auch ein Pionier des Tourismus.

Dass die Wahl seines Hotel-Standorts eine sehr gute war, finden bis heute die Besucher des Grüntenhauses. Atemberaubend ist der Blick von der Sonnenterrasse hinunter ins Illertal, auf die Kreisstadt Sonthofen, auf die Berge der Hörnergruppe, die Nagelfluhkette und den Hohen Ifen im Süden. (Lesen Sie auch: Das sind die zehn außergewöhnlichsten Gipfel im Allgäu und der Region)

Grünten ist immer gut besucht

Das Haus mit drei Lagern (35 Betten) und der Grüntenstube ist nur zu Fuß zu erreichen. Zum Vorgipfel, wo es eine große Sendeanlage des Bayerischen Rundfunks mit dem markanten weiß-roten Sender gibt, ist es nur noch ein halbstündiger Aufstieg. Von dort sind es noch wenige Minuten zum Jägerdenkmal, dem höchsten Punkt.

Er ist das wohl markanteste Erkennungsmerkmal des Grünten: der weiß-rote Sendemast.
Er ist das wohl markanteste Erkennungsmerkmal des Grünten: der weiß-rote Sendemast.
Bild: Michael Munkler

Gut besucht ist der Grünten immer. Viele Einheimische nutzen ihn gerne für Feierabend-Touren, Urlauber besteigen den Berg von Burgberg oder Rettenberg aus, kombinieren eine Tour vielleicht mit einem Besuch des „Knappendorfs“, das an den bis ins 19. Jahrhundert hier betriebenen Erzabbau erinnert. Ein Bähnle fährt von Burgberg hinauf – eine Attraktion vor allem für Familien mit Kindern.

Essen gibt es auf dem Grüntenhaus mit oder ohne Fleisch

Deftige Brotzeiten, Wurstsalat und den beliebten „Grünteneintopf“ bietet die Grüntenhaus-Küche. „Mit oder ohne Fleisch“, sagt Lutz. Oder zum Kaffee selbst gebackene Kuchen. Und auch Schöngeistiges kommt nicht zu kurz. 2008 haben die Egenrieders das Sommerprogramm „Kultur am Berg“ ins Leben gerufen. „Vom Jazzkonzert bis zum Theater oder Jodelkurs“, schildert Lutz, der selbst E-Bass und Kontrabass spielt. Vergangenes Jahr musste das Kulturprogramm wegen der Corona-Problematik leider ausfallen und heuer sieht es nicht besser aus. Doch die Wirtsleute sind froh, dass jetzt wenigstens wieder Übernachtungen möglich sind. Pioniere waren sie in ganz anderer Hinsicht übrigens im vergangenen Jahr: Als erste Unterkunftshütte im Oberallgäu boten sie im Mai Essen und Getränke „to go“ an - mit Genehmigung des Landratsamtes und unter strengen Auflagen. (Lesen Sie auch: Radfahren im Allgäu: Das sind die schönsten Fahrradtouren in der Region)

Auch Vegetarierinnen und Vegetarier kommen auf dem Grüntenhaus auf ihre kulinarischen Kosten.
Auch Vegetarierinnen und Vegetarier kommen auf dem Grüntenhaus auf ihre kulinarischen Kosten.
Bild: Michael Munkler

Parkplätze und Wege zum Grüntenhaus

  • Grüntenhaus (1.535 Meter)
  • Wirte: Doro und Lutz Egenrieder
  • Telefon: 08321/3372
  • Täglich geöffnet von Mai bis Oktober, 11 bis 18 Uhr, Übernachtungsmöglichkeit, im Winter oft von Weihnachten bis Neujahr offen
  • Aufstieg: Von der Alpe Weiherle (Parkplatz) oberhalb von Burgberg , gut beschildert in etwa zwei Stunden, ab Burgberg etwa zweieinhalb Stunden
  • Parken: In Burgberg inzwischen einheitlich sechs Euro pro Tag
  • Empfehlenswerte Rundtouren: Aufstieg ab Alpe Weiherle, Grüntenhaus, Gipfel, Abstieg über Obere Schwand-Alpe (bewirtschaftet), insgesamt etwa fünf Stunden
  • Oder: Aufstieg über Alpe Weiherle, Grüntenhaus, Gipfel, auf der anderen Seite zunächst absteigen Richtung Grüntenhütte und dann zur Roßberg-Alpe und weiter zur Oberen Schwand-Alpe , insgesamt etwa sechs Stunden
Wanderinnen und Wanderer haben auf dem Weg zum Grüntenhaus immer wieder einen tollen Blick ins Tal.
Wanderinnen und Wanderer haben auf dem Weg zum Grüntenhaus immer wieder einen tollen Blick ins Tal.
Bild: Michael Munkler

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