Generationen beim Skiclub Sonthofen

Babyglück und Weltreise: Skiclub Sonthofen verabschiedet "drei Große"

Der endgültige Abschied dreier Größen (von links): Hannes Dotzler, Selina Jörg und Sebastian Eisenlauer wurden vom Skiclub Sonthofen noch einmal gebührend verabschiedet.

Der endgültige Abschied dreier Größen (von links): Hannes Dotzler, Selina Jörg und Sebastian Eisenlauer wurden vom Skiclub Sonthofen noch einmal gebührend verabschiedet.

Bild: Ronald Maior

Der endgültige Abschied dreier Größen (von links): Hannes Dotzler, Selina Jörg und Sebastian Eisenlauer wurden vom Skiclub Sonthofen noch einmal gebührend verabschiedet.

Bild: Ronald Maior

Der SC Sonthofen verabschiedet Selina Jörg, Hannes Dotzler und Sebastian Eisenlauer. Präsident Manuel Wernick freut sich über "einen gesunden Club"
24.09.2021 | Stand: 14:35 Uhr

Einmal noch hat die Bühne ihnen gehört. Der Abschied dreier großer Namen in der Sonthofer Sportgeschichte prägte die Jahreshauptversammlung des Skiclubs Sonthofen 2021. Gemeinsam mit der erfolgreichsten deutschen Snowboarderin aller Zeiten, Selina Jörg, wurden die beiden ehemaligen Weltcup-Skilangläufer, Sebastian Eisenlauer und Hannes Dotzler, verabschiedet.

Dabei veranstaltete der SCS erstmals in seiner 112-jährigen Laufbahn zwei Jahreshauptversammlungen auf einen Schlag – die 111., die 2020 wegen der Pandemie ausgefallen war, und die reguläre 112. Während der zweitgrößte Wintersportverein im Kreis im Vorstand auf Kontinuität setzt – die wichtigsten Vorstandsposten wurden bestätigt – endete an dem Abend im Haus Oberallgäu eine Ära.

Emotionale Gesten für Jörg, Dotzler und Eisenlauer

„Drei Große gehen“, leitete SC-Präsident Manuel Wernick die angemessen emotionale Verabschiedung des Trios ein. Jörg, Eisenlauer und Dotzler bekamen Präsente und durften während der Interviews mit dem scheidenden Pressewart Joachim Stoller ihre Karrieren unter dem Eindruck von Kinderfotos im Rückspiegel noch einmal betrachten.

Allen voran erinnerte sich die zweifache Weltmeisterin Selina Jörg an ihre Anfangszeiten, an den Umzug ans Internat nach Berchtesgaden, die „Zeit des Erwachsenwerdens“, ebenso wie an die schwere Zeit der „Erfolglosigkeit“ sowie an die goldene Zeit der 151 Weltcup-Starts, auf deren Zielgerade „der Knopf“ mit Olympia-Silber und zwei WM-Titeln aufgegangen war.

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Selina Jörg: Die Karriere der Snowboarderin aus Sonthofen

Sebastian Eisenlauer blickte auf seine fünf WM-Teilnahmen, seine fünf deutschen Meistertitel und seine zwei Olympia-Starts. „Ich kann auf viele tolle Momente zurückschauen, weiß aber auch, dass sich in den vergangenen Jahren ein schwieriger Prozess eingespielt hat, der es mir aus heutiger Sicht erleichtert hat, die Entscheidung für das Karriereende zu treffen“, sagte Eisenlauer. „Heute fühlt es sich gut an.“ Das sah am Abend seiner Verabschiedung auch sein Freund aus Jugendtagen, Hannes Dotzler, so.

Hannes Dotzler: "Ich kann, wenn ich will"

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Der 31-Jährige, der seine Laufbahn schon im November 2017 beendet hatte, wirkte erfüllt. Vergessen scheint die beispiellose Leidenszeit, in der der Sonthofer über 40 Monate gelitten, gekämpft, gehofft – und doch etliche Nackenschläge eingesteckt hat.

„Diese Zeit war ein sehr schwieriger Abschnitt in meinem Leben. Wenn der Körper nicht mehr so kann, wie man es sich wünscht“, erinnerte sich Dotzler. „Aber es war richtig, dass ich nicht sofort Schluss gemacht habe – auch wenn es danach noch viele Rückschläge gab. Ich wusste am Ende, ich konnte mit gutem Gewissen gehen.“ Er habe durch seine Karriere als Sportler gelernt, dass es in jeder Phase des Lebens essenziell sei, dass „man seine eigenen Grenzen kennt. Was den Sport betrifft, bin ich heute froh, dass ich nicht mehr muss. Sondern kann, wenn ich will.“

Langweilig wird den drei Aushängeschildern sicher nicht. Dotzler und seine Ehefrau Jessica sind Eltern, bauten 2016 am Familienhaus in Sonthofen an. Eisenlauer und seine Frau Michaela planen im kommenden Frühjahr die überfällige Weltreise und Selina Jörg und ihr Lebensgefährte Martin Weiß erwarten im Winter bekanntlich Nachwuchs. „Wir lassen Euch gehen, aber nie so ganz“, witzelte der stellvertretende Vorsitzende Andreas Strobl. „Wir werden Euch sicher eines Tages in den Verein einbinden.“

Wernick: "Sind gut durch die Krise gekommen"

Bis dahin allerdings sei der Skiclub Sonthofen gut aufgestellt – auch nach der Corona-Krise, wie Präsident Manuel Wernick deutlich machte. Der trockene Blick auf die Zahlen bestätigt das: 1098 Mitglieder führt der Skiclub, 1110 waren es im Jahr zuvor, was einer Abwanderung von gerade mal einem Dutzend Sportlern entspricht.

Skiclub-Präsident Manuel Wernick blickt zuversichtlich in die Zukunft.
Skiclub-Präsident Manuel Wernick blickt zuversichtlich in die Zukunft.
Bild: Chris Gollhofer

„Das eine Zahl, die vergleichbar ist mit unseren Erfahrungen der vergangenen Jahre“, sagte Wernick. „Aber gemessen daran, dass wir über eine Saison lang praktisch gar keine Kurse anbieten konnten und deshalb schon gar keine neuen Kinder dazugekommen sind, ist es erstaunlich, dass wir die Zahlen so gut halten konnten. Insgesamt sind wir froh, dass wir so gut durch die Krise gekommen sind.“

Das bestätigte auch der Corona-Beauftragte Daniel Leiser, der einen Abriss über 16 Monate Krise, darunter neun Monate komplettem Stillstand, bot. „Es war schön, zu sehen, dass unsere großen Sportler die Jugend zu Hause bei Laune gehalten haben“, lobte Leiser die Trainingsbeiträge per Video, die unter anderem Selina Jörg, Fabian Himmelsbach, Sebastian Eisenlauer und Michael Kuisle für den Nachwuchs leisteten.

Neues vom Sonthofer Hof

Mit Blick auf das Vereinsleben haben sich dagegen – auch coronabedingt – einige Veränderungen ergeben. So hat der SCS die Kooperation mit Axel Reusch für den Allgäu-Panorama-Marathon beendet. „Das hatte mehrere Gründe – der finanzielle Aspekt ist aber zentral“, sagte Wernick. „Ein künftiges Engagement hätte dazu geführt, dass unser Verein enorme Summen bewegt.“ Nach dem Nachwuchs hat gewiss der Betrieb am Sonthofer Hof am meisten unter den Lockdowns gelitten.

Der Verein will künftig noch mehr vom neuen „To-Go-Raum“ als Mitnahmestation für Getränke und kleine Speisen profitieren. Michael Kuisle, neuer Sportwart nordisch, will zudem dem traditionsreichen, aber zuletzt eingeschlafenen „Sonthofer-Hof-Lauf“ neues Leben einhauchen. „Das Rennen soll charmant sein, in überschaubarem Charakter. Aber es soll wieder stattfinden“, sagte Kuisle. Nach einigen Jahren Pause steigt der Lauf heuer am 24. Oktober unter Regie Kuisles.

Und so gab es am Abend der Premieren, der Rückblicke und der rosigen Aussichten noch eine ganz besondere Verabschiedung. Skiclub-Urgestein Manfred Skarke tritt nach unglaublichen 47 Jahren als Tourenwart und Kampfrichterobmann künftig kürzer. „Was mich so lange motiviert hat und mir Freude bereitet hat“, ergriff der 72-jährige Skarke das Wort: „Das war die Freude an der Sache. Die habe ich über viele Jahre behalten. Mehr braucht’s nicht. Dann stimmt’s im Verein.“

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