Ausstellung

Bad Hindelang: Holz, damit sich die Rinder wohlfühlen

Stallbauten

Mit Schautafeln und Modellen gibt die Ausstellung „Stallbauten“ im Bad Hindelanger Kurhaus Einblick in Architektur in Holzbauweise.

Bild: Markus Noichl

Mit Schautafeln und Modellen gibt die Ausstellung „Stallbauten“ im Bad Hindelanger Kurhaus Einblick in Architektur in Holzbauweise.

Bild: Markus Noichl

Das Architekturforum Allgäu präsentiert im Hindelanger Kurhaus 17 gelungene Beispiele für neue Ställe aus dem Allgäu, dem Bregenzerwald und Oberbayern.
12.01.2022 | Stand: 11:30 Uhr

Das „Architekturforum Allgäu“ zeigt im Kurhaus Bad Hindelang in einer sehenswerten Ausstellung 17 gelungene Stall-Neubauten. Texte, Fotos, Modelle – diese Ausstellung ist rundherum ansprechend. Für die Ausstellung schlossen sich Profis zusammen: Konrad Knoll (Schongau) war als Bauberater in verschiedenen Landwirtschaftsämtern der Region tätig. Franz Riepl lehrte nicht nur Jahrzehnte an Unis in München und Graz sondern hatte auch ein eigenes Architekturbüro. Florian Aicher (Rotis bei Leutkirch) bündelte das Thema in gut zu lesenden Texten. Nicolas Felder (Wiggensbach) porträtierte die Ställe, gab ihnen ein Gesicht.

Diese Profis hatten es nicht leicht, die besten Beispiele aus dem Allgäu und dem Umland wie Oberbayern Bregenzerwald auszuwählen. „Es gibt zum Glück noch manche Beispiele, die wir nicht dokumentieren konnten“, sagt Franz Schröck vom Architekturforum. Auf der großen Runde durch die Region kam man mit vielen Landwirten ins Gespräch.

"Da geabet mine Kiah meah Mill“

Ein Bauer aus Oberstdorf habe es auf den Punkt gebracht. Seit sie in dem neuen Stall aus Holz seien, „geabet mine Kiah meah Mill“, sagte er über seine Rinder. Die Sensibilität von Kühen und ihre feine Wahrnehmung der Umgebung ist in vielen Studien wissenschaftlich dokumentiert. Ein Kollege aus Betzigau berichtete, dass ihn sein Holz-Stall sogar um 40.000 Euro billiger gekommen wäre als der „wiaschte“ konventionelle aus Blech und Verbund-Material, für den er schon einen Kostenvoranschlag hatte. Aber natürlich erfordert eine individuelle Maßanfertigung Planung und Gespräche mit Architekt und Handwerkern. „Das Gestalten muss einem Spaß machen, wie beim Wohnhausbau auch“, sagt Schröck. Wer möglichst wenig Arbeit haben wolle, der bekomme halt einen von den vorgefertigten Kästen auf die Wiese gestellt, die alle gleich aussehen – Ausdruck eines industriellen, seelenlosen Zeitgeistes.

Die Ausstellung ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Holz als Wohlfühl-Baustoff der Region, egal ob für Tiere oder Menschen. Darin wird eine lange Liste der Vorteile beschrieben: Während Blech im Sommer Hitze und im Winter Kälte weiterleitet, puffert Holz die Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Entsorgung ist problemlos, während viele moderne Verbundmaterialien Sondermüll darstellen. Die einzelnen Schichten kann man nicht mehr trennen und wiederverwerten. „Die Entsorgung so eines Stalles kann inzwischen teurer kommen als die Anschaffung“, warnt Schröck.

Ein weiteres Anliegen der Ausstellung: Sie zeigt gestaffelte Lösungen am Hang, die sich in die Landschaft einfügen. „Wir zeigen, wie man die brutale, vier Meter hohe Betonwand vermeidet“, erklärt Schröck. Holz-Modelle im Maßstab 1:50 und 1:100 führen Funktion und Ästhetik der Ställe gut vor Augen.

Gut für einen attraktiven Urlaubsort

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Bad Hindelangs Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel machte bei der Vernissage aufmerksam auf die Spezialität des Orts mit seinen 64 Landwirten und 46 Alpen: das Zusammenspiel von Landwirtschaft und Tourismus. Hier seien die meisten Höfe ins Ortsbild integriert und nicht draußen auf der grünen Wiese. Gerade darum sei eine gute Gestaltung für den „attraktiven Urlaubsstandort extrem wichtig“. Kritisch sah Rödel die Förderkriterien, die bis heute große Betriebe bevorzugten oder die Anbinde-Haltung benachteilige, wie sie in Hindelang zumindest im Winter noch üblich sei.

Ermöglicht wurde diese Schau durch einen Zuschuss des bayerischen Amts für Landwirtschaft. Sie soll – nach Kempten und Bad Hindelang – weiter die Runde durchs Allgäu machen. Geplant sind als Ausstellungsorte auch das Grüne Zentrum in Immenstadt und das Bauernhofmuseum Illerbeuren.

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