Ausdauersport in Immenstadt

Der Gebirgsmarathon boomt! Wie Marc Dürr das Traditions-Event in Immenstadt aufpeppt

Marc Dürr, hier beim Widderstein Trail, schaffte es in den vergangenen vier Jahren, den Immenstädter Gebirgsmarathon wieder zum Leben zu erwecken.

Marc Dürr, hier beim Widderstein Trail, schaffte es in den vergangenen vier Jahren, den Immenstädter Gebirgsmarathon wieder zum Leben zu erwecken.

Bild: Dominik Berchtold

Marc Dürr, hier beim Widderstein Trail, schaffte es in den vergangenen vier Jahren, den Immenstädter Gebirgsmarathon wieder zum Leben zu erwecken.

Bild: Dominik Berchtold

Der traditionsreiche Immenstädter Gebirgsmarathon erlebt nach 32 Jahren eine Renaissance. Am Samstag messen sich große Namen der Läuferszene.
30.07.2021 | Stand: 18:13 Uhr

Es geht steil bergauf – für die Läufer und für Marc Dürr. Wenn am Samstag 100 Bergläufer den 32. Immenstädter Gebirgsmarathon in Angriff nehmen, schreibt ein beliebtes Sportereignis das nächste Kapitel seiner Erfolgsgeschichte – ein Schmuckstück im Oberallgäuer Sportkalender feiert echte Renaissance.

Seitdem der Vorderhindelanger Marc Dürr 2017 die Organisation übernommen hat, boomt der Gebirgsmarathon. „Ich bin allein schon glücklich, dass wir heuer überhaupt stattfinden können“, sagt der 25-Jährige. „Die Sportler nehmen den Lauf sehr gut an. Der Zuspruch ist immens.“

Zwei Strecken am Samstag - über 31 und über 15 Kilometer

Tradition ist Trumpf – das ist auch Dürrs Maxime in der Organisation der Kult-Veranstaltung, die ihren Charme auch nach 32 Jahren behalten soll. Und so stehen den Ausdauersportlern am Samstag gewohnte zwei Strecken zur Auswahl: Ab 8 Uhr geht das Feld beim Gebirgsmarathon auf den mit 31 Kilometern und 3050 Höhenmetern knackigen Kurs. Um 10 Uhr startet der Gebirgstrail, der über 15 Kilometer und 1500 Höhenmeter führt. Vom Start an der Mittagbahn-Talstation erwarten die Läufer auf den Strecken zwei, bzw. fünf Verpflegungsstationen auf dem Weg zum Ziel an der auf 1305 Meter gelegenen Alpe Oberberg.

2020 siegte Florian Reichert vom Allgäu Outlet Raceteam beim 31. Gebirgsmarathon an der Alpe Oberberg. Der Favorit ist in diesem Jahr allerdings nicht dabei.
2020 siegte Florian Reichert vom Allgäu Outlet Raceteam beim 31. Gebirgsmarathon an der Alpe Oberberg. Der Favorit ist in diesem Jahr allerdings nicht dabei.
Bild: Günter Jansen

Und auch wenn das Lauf-Event selbst sieben Jahre älter ist als sein heutiger Organisator: Dürr weiß gut, worauf es bei der Ausrichtung „eines der anspruchsvollsten Bergläufe Deutschlands“ ankommt. Immerhin ist der 25-Jährige Sieger der Walser Trail-Challenge 2019 beim Widderstein Trail und beim Walser Trail. Dürr hält mit 39:21 Minuten zudem den Streckenrekord beim Fiderepass-Berglauf und ist Mitglied der deutschen Nationalmannschaft der Skibergsteiger – bei der WM in diesem Jahr wurde er auf der Langdistanz 15.

Spontane Idee 2017: Marc Dürr übernimmt von Willi Hiemer

2017 hatte Dürr mit Stefan Lang die Organisation vom „Vater des Gebirgsmarathons“, Willi Hiemer, übernommen. „Ich habe damals im Urlaub erfahren, dass er nicht mehr weitermacht“, erinnert sich Dürr. „Stefan und ich haben spontan entschieden, dass wir das in die Hand nehmen, damit der Lauf weiterlebt. Es ist eine schöne Sache in der Region.“

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Hatte Hiemer das Event in den Jahren zuvor meist aus dem Stand organisiert, drehte Dürr (fast) jeden Stein um, ohne dabei den Charakter zu verändern: Eine neue Homepage, digitale Anmeldungen, detailliertere Athletenbetreuung, das Ziel wurde von der Mittagstation an die Alpe Oberberg verlegt. „Wir haben uns am Anfang alles in Ruhe angesehen und dann hat der Lauf Fahrt aufgenommen“, sagt Dürr.

Der Gebirgsmarathon boomt: Von 33 Starter auf 119

Und wie. 2017 waren es im Debütjahr 36 Starter, 2018 noch 33, ehe der Boom ab 2019 mit 93 Läufern einsetzte und sich 2020 mit dem Rekord von 119 bestätigte. In diesem Jahr musste Dürr – aus Gründen der Pandemie – ein Limit setzen. Und die 100 Startplätze waren prompt 48 Stunden nach Öffnung der Anmeldung vergeben.

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Allgäu Panorama Marathon in Sonthofen

„Wir haben lange gewartet und erst fünf Wochen vor der Veranstaltung mit der Organisation begonnen“, erzählt Dürr. „Ich habe anhand der Richtlinien Vorgaben gemacht, die ich für eine solche Veranstaltung als sinnvoll erachte, und das Gesundheitsamt gibt vor, was wir am Renntag umsetzen.“ Unter anderem müssen Teilnehmer – wie schon beim Sonthofer Citylauf – im Startbereich Masken tragen und diese nach wenigen hundert Metern in einer markierten Zone abwerfen. Mitte Juli kam letztlich die Freigabe des Hygienekonzepts durch das Landratsamt. Und damit Grünes Licht für den Gebirgsmarathon.

Dürr in diesem Jahr Alleinunterhalter mit 20 Helfern

Den Mehraufwand mit Blick auf die Umsetzung der Corona-Auflagen versuchte Marc Dürr aufzufangen, indem er sich Tipps vom Triathleten und erfahrenen Sportveranstalter Axel Reusch geholt hat. Als Alleinunterhalter bei der 2021er Auflage (Lang setzt heuer aus), hat Dürr insgesamt 20 Helfer zur Seite. Finanziell, was Geschenke, Werbematerial, Start- und Zielbogen sowie den Pavillon betrifft, erhält der gebürtige Immenstädter, der selbst für das Allgäu Outlet Raceteam startet, Unterstützung vom Sonthofer Unternehmer Marc Wenz.

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17. Sonthofer Citylauf, Ausdauersport, Sonthofen, Leichtathletik, Axel Reusch

Die Rahmenbedingungen stimmen – alles scheint angerichtet für das nächste Kapitel der Erfolgsgeschichte. Selbst das Unwetter historischen Ausmaßes, das das Oberallgäu zu Beginn der Woche mit voller Wucht traf, „kann den Strecken nichts anhaben“, glaubt Dürr. „Wir haben an den wenigsten Stellen auf unseren Strecken Absturzgefahr. Und selbst wenn einige Passagen rutschig sein sollten – das macht den Läufern nichts aus.“ Zudem sind die Sportler im Rennen zur Eigenverantwortung aufgerufen, müssen Trinken, Gels und Riegel, ein eingeschaltetes Handy und eine Rettungsdecke dabeihaben. „Das haben die Sportler im Griff“, sagt Dürr. Und das Lauf-Ass wird’s wissen.

Miksch, Hillebrand und Heim: Namhafte Favoritenliste

Denn der „Run“ durch den Naturpark Nagelfluhkette hat auch im 32. Jahr die großen Namen der Ausdauersportszene gelockt. Thomas Miksch vom TV Kempten hat den Marathon 2017 gewonnen, landete in den Folgejahren auf Rang fünf, sechs und fünf und dürfte sich 2021 Chancen auf den Sieg ausrechnen. Denn der Vorjahressieger und Halter des Streckenrekords, Florian Reichert (3:47:22 Stunden), ist heuer nicht am Start. Skilanglauf-Langstrecken-Granate Michael Kuisle vom Skiclub Sonthofen startet 2021 aber auch. Bei den Frauen könnten die Immenstädterin Tanja Löwenhagen (Allgäu Outlet Raceteam) und Gaby Marek-Schmid, die ebenfalls schon die Siegerliste des Marathons ziert, ein Wörtchen um den Sieg mitreden.

Auch beim kürzeren Gebirgstrail fehlt der 2020er Sieger und Streckenrekordhalter Christoph Wachter (1:36:44 Stunde). Dafür könnte Johannes Hillebrand (ebenfalls Raceteam) seine Chance wittern. Bei den Frauen scheint hier der Sieg einmal mehr über die Vorjahressiegerin zu gehen. Charlotte Heim hält den Streckenrekord beim Gebirgstrail mit 2:08:36 Stunden und ist, wie Dürr es formuliert, „bestimmt nicht langsamer geworden. Ich sehe keine Frau, die schneller ist“, sagt Marc Dürr. „Aber wer auch immer am Ende siegt. Mir ist es am wichtigsten, dass der Marathon seinen Charme behält.“