Rundtour und Tipps

Tiefblicke, Ausblicke und vier Seen: Das ist die schönste Rundtour zum Schrecksee

Ob Frühsommer (unser Bild), Sommer oder Herbst: Vom Grasrücken zwischen Kugelhorn und Knappenkopf hat man den besten Blick auf den Schrecksee samt Hochvogel (hinten links).

Ob Frühsommer (unser Bild), Sommer oder Herbst: Vom Grasrücken zwischen Kugelhorn und Knappenkopf hat man den besten Blick auf den Schrecksee samt Hochvogel (hinten links).

Bild: Mark Bihler

Ob Frühsommer (unser Bild), Sommer oder Herbst: Vom Grasrücken zwischen Kugelhorn und Knappenkopf hat man den besten Blick auf den Schrecksee samt Hochvogel (hinten links).

Bild: Mark Bihler

Der Schrecksee bei Hinterstein ist als alpiner Hotspot oft überlaufen. Mit dieser Route und Tipps wird eine Tour zum Schrecksee trotzdem zum Erlebnis.
06.08.2022 | Stand: 17:31 Uhr

Kaum ein Ziel in den Allgäuer Alpen hat in den letzten Jahren einen solchen Hype erlebt, wie der Schrecksee bei Hinterstein. Mit verantworlich für den Ansturm auf den malerischen See ist sicherlich Instagram. Über 15.000 Beiträge sind dort unter dem Hashtag #schrecksee zu finden - meist posieren Influencerinnen dort vor der Traumkulisse, um besonders viele Likes abzugreifen. Dazu kommen unzählige Beiträge ohne Nennung des Sees.

Am schnellsten ist der Schrecksee von Hinterstein aus zu erreichen. Doch es geht auch auf die längere Tour: Vom Vilsalpsee im Tannheimer Tal über den Schrecksee zur Landsberger Hütte - und dann wieder nach Tannheim zurück. Der Vorteil: Diese Runde bietet auch abseits des Schrecksees wunderbare Blicke auf die Tannheimer Berge und Allgäuer Alpen mit Hochvogel und Co.

Wanderung zum Schrecksee: Früh am Vilsalpsee starten

Sieben bis acht Stunden dauert die besagte Rundtour. Schon deshalb sollte man zeitig starten. Am einfachsten geht das mit Rad-Unterstützung. Für Autos ist die Zufahrt zum Vilsalpsee nur morgens bis 8 Uhr gestattet. Zurück nach Tannheim darf man erst ab 17 Uhr fahren. Für die Schreckseerunde ist diese restriktive Regelung von Vorteil. Denn wegen der zeitlich beschränkten Zufahrt hält sich der Ansturm von dieser Seite aus vor allem an Wochentagen in Grenzen. Zudem ist man mit dem Fahrrad oder E-Bike schnell am Startpunkt der Bergwanderung und man vertrödelt keine Zeit.

Der Anstieg Richtung Gaishorn: je früher, desto besser

Mit dem Rad geht es am rechten Seeufer vorbei bis zur Vilsalpe am Ende des Sees. Dort beginnt rechts hinter dem Haus der Steig in Richtung Gaishorn. Es geht gleich knackig bergauf und schnell wird klar, warum ein früher Start ratsam ist. Die Sonne heizt den südseitigen Anstieg schnell auf, Latschen tun ihr Übriges um diesen Teil zur anstrengendsten Etappe der Rundtour zu machen. Aber immerhin: Hat man die ersten 650 Höhemeter gepackt, dann ist der anstrengendste Teil der Tour im Sack.

Kurz erfrischen kann man sich an einen kleinen Wasserfall links des Aufstiegs. Wer das Wasser als Trinkwasser mitnehmen will, der geht ein kleines Risiko ein. Denn oberhalb des Wasserfalls stehen an heißen Tagen oft Schafe im Bach - deren Badewasser gibt es weiter unten dann am Wasserfall.

Die Querung unterhalb des Rauhorns: nun wird es gemächlicher

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Nach dem ersten Anstieg zweigt auf knapp 1700 Meter der Weg an einer Gabelung nach links ab. Das Gelände wird flacher und der Weg führt unterhalb des imposanten Rauhhorns weiter. Zuvor aber am besten noch einmal den Tiefblick zum Vilsalpsee im Morgenlicht genießen.

Ein letzter Tiefblick zum Vilsalpsee im Morgenlicht, bevor es unterhalb des Rauhhorns weiter geht.
Ein letzter Tiefblick zum Vilsalpsee im Morgenlicht, bevor es unterhalb des Rauhhorns weiter geht.
Bild: Mark Bihler

Vor der Hinteren Schafwanne, die von der Tannheimer auf die Hintersteiner Seite hinüberführt, wird es noch einmal kurz steiler. Oben am Joch sind dann gut 800 Höhenmeter geschafft. Die gesamte Runde kommt auf rund 1100 Höhenmeter, der Großteil des Aufstiegs liegt also schon hinter einem.

Übers Kugelhorn zum Schrecksee: Hier gibt es den besten Blick

Nicht eingerechnet dabei ist ein kleiner Ausflug: Denn an der Hinteren Schafwanne gibt es zwei Optionen: Entweder dem Weg, der teils mit ein paar Stahlseilen versichert ist, hinunter zum Schrecksee folgen - oder eben am Grat entlang den wenigen Markierungen und Trittspuren aufs Kugelhorn folgen. Dabei gibt es ein paar ausgesetztere Stellen. Wer mit der Schwindelfreiheit Probleme hat, der sollte den direkten Weg wählen. Vorteil der Kugelhorn-Variante: Die Perspektive auf den Schrecksee ist von dort oben einzigartig. Diesen Anblick kann die Tour von Hinterstein aus kaum bieten - das Artikelbild wurde übrigens von dort aus geknipst.

Blick zurück aufs Kugelhorn und Gaishorn (hinten rechts).
Blick zurück aufs Kugelhorn und Gaishorn (hinten rechts).
Bild: Mark Bihler

Vom Kugelhorn geht es erst über Wiesengelände in Richtung Schrecksee. Am Knappenkopf wird es kurz eng und etwas ausgesetzt, dann verläuft der Steig steil aber unschwer zum See hinunter. Etwas oberhalb trifft man auch auf den Normalweg, der das Kugelhorn auslässt. Dieser hat keine besonderen Schwierigkeiten, kann aber nach intensiveren Regenfällen länger feucht und matschig bleiben. Teleskopstöcke helfen dann auf dem etwas rutschigen Weg.

Ein Bad im Schrecksee ist Erfrischung pur

Zelten und Biwakieren ist am Schrecksee nicht erlaubt. Aber gegen einen Sprung ins kalte Wasser hat niemand etwas. Wer dort kurz baden will, sollte sich aber vorher nicht extra mit Sonnencreme eingeschmiert haben. Denn die ist schädlich für die Wasserqaulität im Naturschutzgebiet. Also am besten erst nach dem Baden nachcremen. Je nach Jahreszeit ist die Temperatur des Schrecksees angenehm frisch oder einfach nur saukalt.

Bevor die Rundtour an einem waremn Sommertag weiter geht, kann man sich im Schrecksee erfrsichen.
Bevor die Rundtour an einem waremn Sommertag weiter geht, kann man sich im Schrecksee erfrsichen.
Bild: Mark Bihler

Rundtour zum Schrecksee: So geht es weiter zur Landsberger Hütte

Vom Schrecksee aus geht es einige Höhenmeter hinauf zum Kirchendachsattel. Von dort aus folgt die nördliche Querung unterhalb der Kälbelespitze. Der Weg ist bis auf eine kleine Felsstufe unschwer zu begehen. Die Stufe erfordert kurz Trittsicherheit, aufpassen sollte man besonders wenn der Fels feucht ist. Am besten sich an der Verschneidung mit einem Stock talwärts absichern und mit der rechten Hand am Fels abstützen beziehungsweise festhalten.

Imposant ist der Ausblick auf die Rote Spitze, deren grüner Grasrücken nach Norden hin steil abfällt. Rechts daneben liegt die Steinkarspitze. Beide Berge empfehlen sich für Konditionsstarke als Abstecher. Etwas schneller geht es auf die Steinkarspitze, dazu einfach den Abzweig vom Weg rechts hinauf nehmen. Den fast noch schöneren Blick hat man allerdings von der Roten Spitze, die man direkt vom westlichen Lachenjoch aus mitnehmen kann. Weil beide Berge kurz vor der Landsberger Hütte liegen, bietet sich dort nach den zusätzlichen Höhenmetern eine Verschnaufspause an.

Von der Terrasse aus kann man bei einem Radler den Bergsteigern im Klettersteig auf die Lachenspitze zusehen. Zudem hat man einen schönen Blick auf die Lache - einen kleinen See an der Landsberger Hütte. Vom dahinter liegenden Schochen hätte man sogar den bekannten Drei-Seen-Blick über Lache, Traualpsee und Vilsalpsee.

Das Finale: Von der Landsberger Hütte zum Vilsalpsee

Nun geht es nur noch bergab. Auf dem Weg hinunter zum Traualpsee heißt es nochmal kurz aufpassen. Der Weg ist steil und an wenigen Stellen etwas ausgesetzt. Versicherungen entschärfen den Abstieg aber erheblich. Vorsicht ist vor allem bei Nässe geboten.

Vom Traualpsee geht es dann unschwer zum Ausgangspunkt Vilsalpsee hinunter. Wer die Rundtour mit dem Fahrrad begonnen hat, muss aber von der Talstation der Materialseilbahn noch nach links zur Vilsalpe zurücklaufen - hat aber dort eine weitere Einkehrmöglichkeit.

Daten zur Runde Vilsalpsee - Schrecksee - Landsberger Hütte - Vilsalpsee

  • Zeitaufwand: 7 bis 8 Stunden, Trailrunner schaffen die Runde etwa in der Hälfte der Zeit
  • Höhenmeter: Jeweils rund 1100 Meter für den Auf- und Abstieg
  • Distanz (ohne weitere Gipfel): 16,4 Kilometer
  • Anforderungen: Gute Ausdauer, an einigen Stellen auch Trittsicherheit und Schwindelfreiheit (besonders Kugelhornvariante)
  • Optionale Gipfel: Kugelhorn, Rote Spitze, Steinkarspitze
  • GPS: Daten zur Tour gibt es unter anderem hier:
  • Fun Fact: Die Insel im Schrecksee hat sich erst mit der Austauung des Sees zur Stromgewinnung ergeben - zuvor war es eine Halbinsel.
  • Alternative Route: Von Hinterstein mit dem Bus Nummer 50 in Richtung Giebelhaus. Im Auele am Kraftwerk aussteigen. Von dort aus geht es durch den Wald und über Weideflächen hinauf zum Schrecksee (GPS Daten hier). Das letzte Stück führt über einen grölligen Felsweg. Wer die Parkgebühr in Hinterstein sparen möchte, der stellt sein Auto am besten kostenlos am Busbahnhof in Hindelang ab und fährt mit dem Bus nach Hinterstein.
Noch ein See auf der Seenrunde: Die Lache an der Landsberger Hütte.
Noch ein See auf der Seenrunde: Die Lache an der Landsberger Hütte.
Bild: Mark Bihler

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