50 Jahre Gebietsreform

Die Hörnergruppe im Oberallgäu war Vorreiter in ganz Bayern

Das Gebäude der Verwaltungsgemeinschaft Hörnergruppe bei Fischen, der ersten Verwaltungsgemeinschaft in Bayern.

Das Gebäude der Verwaltungsgemeinschaft Hörnergruppe bei Fischen, der ersten Verwaltungsgemeinschaft in Bayern.

Bild: Benjamin Liss

Das Gebäude der Verwaltungsgemeinschaft Hörnergruppe bei Fischen, der ersten Verwaltungsgemeinschaft in Bayern.

Bild: Benjamin Liss

Die fünf Gemeinden Fischen, Ofterschwang, Bolsterlang, Obermaiselstein und Balderschwang bilden eine Verwaltungsgemeinschaft. Auch wenn es mitunter knirscht.
15.09.2022 | Stand: 17:00 Uhr

Die Gemeindegebietsreform vor 50 Jahren sorgte in den bayerischen Rathäusern mancherorts für böses Blut. Schließlich sollten eigenständige Gemeinden künftig mindestens 5000 Einwohner haben. Dagegen wehrten sich viele kleinere Gemeinden vehement – vor allem wenn sie Nachbargemeinden angegliedert werden sollten. Als Kompromiss war die „Verwaltungsgemeinschaft“ (VG) möglich. Die erste in Bayern, die am 1. April 1973 in Fischen gegründet wurde, war die Hörnergruppe im Oberallgäu. Doch manchmal knirscht es im Gebälk des gemeinsamen Verwaltungsgebäudes.

In der Hörnergruppe, benannt nach einer Gipfelgruppe dort, sind fünf Gemeinden vereint (in Klammern die Einwohnerzahl 2020): Fischen (3208), Ofterschwang (2079), Bolsterlang (1130), Obermaiselstein (1007) und Balderschwang (340). Da die kleineren Orte bei der Gemeindegebietsreform keine Chance auf Eigenständigkeit hatten, mussten sie 1972 die Gemeinschaft mit anderen suchen. Toni Vogler erinnert sich noch an den Zusammenschluss.

Der heute 82-Jährige war damals im Gemeinderat von Fischen: „Anfangs war eine Einheitsgemeinde im Gespräch.“ Doch dagegen gab es in den einzelnen Gemeinden ziemliche Widerstände. Deshalb verständigten sie sich auf die Verwaltungsgemeinschaft – als kleinsten gemeinsamen Nenner.

Busseweise Besucher in Fischen

„Am Ende kam diese Form der Zusammenarbeit aber freiwillig zustande“, sagt Vogler, der ab 1977 Bürgermeister von Fischen war. Deshalb sei die Hörnergruppe auch die erste VG in Bayern geworden. „Damals kamen ganze Busse von Besuchern aus Bayern nach Fischen, die sich über eine Verwaltungsgemeinschaft informieren wollten.“

In einer VG werden die laufenden Aufgaben einer Verwaltung zusammengefasst – Standesamt, Meldewesen, Ausweisbehörde, Fundrecht oder Soziales. Dagegen bleiben die gemeindliche Entwicklung, Bauleitplanung, Finanzwesen sowie Einrichtungen für Kultur, Jugend und Sport, Feuerwehr oder Tourismus in der Hoheit der einzelnen Gemeinde.

Wo es in der Hörnergruppe knirscht

Dass die Fünf da nicht immer an einem Strang ziehen, zeigt der Streit über den Ausbau des Verwaltungsgebäudes, um kostengünstigen Wohnraum zu schaffen. Den lehnte der Fischinger Gemeinderat ab. Gemunkelt wird, dass das eine Retourkutsche dafür ist, dass nicht mehr ihr Bürgermeister Chef der Verwaltungsgemeinschaft ist sondern der aus Ofterschwang. Zuvor war immer der Bürgermeister von Fischen, als größte Gemeinde der Hörnergruppe, Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft gewesen. Jetzt musste er sein Büro im VG-Gebäude räumen und in die Fiskina umziehen.