Circus  Mulan in Bihlerdorf

„Endlich dürfen wir wieder auftreten“

Mulan-Artisten

Ein Teil der Familie Köllner, die aus Nordrhein-Westfalen stammt, aber schon viele Jahre als Circus Mulan in Bayern unterwegs ist: Von links zu sehen sind Friesenhengst „Al Pacino“, Clown Leroy, Sabrina Köllner und ihre Tochter Sarina sowie Lama Hansi, das Dominik führt.

Bild: Silvia Reich-Recla

Ein Teil der Familie Köllner, die aus Nordrhein-Westfalen stammt, aber schon viele Jahre als Circus Mulan in Bayern unterwegs ist: Von links zu sehen sind Friesenhengst „Al Pacino“, Clown Leroy, Sabrina Köllner und ihre Tochter Sarina sowie Lama Hansi, das Dominik führt.

Bild: Silvia Reich-Recla

Monatelang war die zehnköpfige Zirkusfamilie auf Spenden angewiesen. Was sich Artistin Sabrina Köllner vor ihren Auftritten im Oberallgäu wünscht.
24.06.2021 | Stand: 16:34 Uhr

In die Manege dürfen sie derzeit nicht, Kameldame Tonja und ihre vier Wochen alte kleine Luisa. Aber in der Tierschau sind sie die Stars, sagt Sabrina Köllner vom Circus Mulan. Am Mittwochmorgen grasen die Tiere friedlich auf einem Feld bei Bihlerdorf, Gemeinde Blaichach. Dort leuchtet auch das 600 Besucher fassende Zirkuszelt auf grüner Wiese. Von Donnerstag, 24. Juni, bis Sonntag, 4. Juli, stehen dort Vorstellungen an. „Endlich dürfen wir wieder auftreten“, sagt die 27-jährige Artistin. Wegen der Corona-Pandemie gab es monatelang keine Aufführungen. „Das war hart. Wir waren zum ersten Mal auf Spenden angewiesen.“

Es habe „keine staatliche Unterstützung gegeben, weil wir ja keinen festen Wohnsitz haben“, sagt die Zirkusfrau. Spenden gab es von Hilfsorganisationen wie dem Allgäuer Hilfsfonds oder auch von den vier Kemptener Lions-Clubs. Denn über den Winter blieb die Familie vor den Toren Kemptens, in Durach. „Ohne die großartige Unterstützung im Allgäu würde es den Circus Mulan nicht mehr geben“, sagt Seiltänzerin Köllner. Die Leute hätten Heu, Möhren, Kraftfutter, aber auch Heizöl und Gas zum Wohnwagenheizen gebracht sowie Lebensmittel und Kleidung. „Das war echt super.“ Fünf Monate durfte die Zirkusfamilie auf dem Grundstück an der Miesenbacher Straße in Durach bleiben. „Das hat uns ein Landwirt zur Verfügung gestellt.“

Zehn Familienmitglieder sind an der Zirkusschau beteiligt

Auch in Bihlerdorf ist es so. Ponys, Kamele und Lamas zupfen sich das saftige Gras auf einem Privatgrundstück. Es sei immer schwerer, Grundstücke zu finden, um dort das Zelt und die 20 Wagen und Anhänger abzustellen. Zehn Familienmitglieder sind an der Zirkusschau beteiligt und 30 Tiere gehören dazu. „Ich könnte mir ein Leben ohne Tiere nicht vorstellen“, sagt Sabrina Köllner. Natürlich bleibe Kritik von Tierschützern nicht aus. „Aber ohne Tiere ist ein Zirkus kein Zirkus mehr, sondern ein Varieté“, ist die Meinung der 27-Jährigen. Und die Vierbeiner im Circus Mulan seien ja fast alle Haustiere. Sie gehörten zur Familie. Ja, den Eindruck kann man gewinnen.

Ein Eimer zwischen den Lippen

Kameldame Tonja hat soeben einen schwarzen Eimer mit Wasser ausgeschlürft. Jetzt nimmt sie den leeren Kübel zwischen die Lippen und wirft ihn übers Absperrband. Sabrina Köllner sagt. „Leroy, komm, gib den Kamelen frisches Wasser.“ Leroy, der Clown, zischt ab und macht, was ihm aufgetragen wird. Derweil lässt sich Lama Hansi von Dominik streicheln, der fürs folgende Pressefoto sein grünes Auftritts-Hemd angezogen hat.

In Gelb-Weiß ist Sabrina Köllners Tochter Sarina. „Sie turnt und kann sich zusammenbiegen wie ein Taschenmesser“, sagt die Mutter. Sie hofft, dass sie genügend Geld für die Artistenausbildung ihrer Tochter zusammenbringt. „Sie hat Talent und ich möchte sie unterstützen, so gut es geht.“ Sie selbst habe Seiltanzen und die Nummer mit den Hula-Hoop-Reifen von ihrer Schwester gelernt. So sei das bei der Zirkusfamilie in fünfter Generation. „Einer lernt vom anderen.“ Und jeder müsse kreativ sein, denn „jedes Jahr bieten wir ein neues Programm“. Bewundert wird dabei sicher der große Friesenhengst Al Pacino, der derzeit mit einem Minipony eine besondere Nummer zeigt als „Mini und Maxi“. Die Tierschau ist täglich ab 10 Uhr geöffnet und Kinder dürfen dann Miniponys und Ziegen streicheln.

Derzeit maximal 350 Besucher

Lesen Sie auch
##alternative##
Weißer Löwe ist tot

Circus Krone trauert um Löwen King Tonga

Köllner wünscht sich, dass kein weiterer Lockdown kommt. „Es war nichts mehr planbar und wir waren das erste Mal auf Hilfe angewiesen.“ Jetzt hofft die Familie, den Unterhalt für Mensch, Tier und die Zirkusausstattung wieder aus eigener Kraft aufbringen zu können. Wegen Corona dürfen derzeit maximal 350 Besucher ins Zelt, Erwachsene müssen FFP-2-Masken tragen und ihre Kontaktdaten hinterlegen.

Lesen Sie auch: Zirkusfamilie berichtet und Existenzsorgen plagen eine Zirkusfamilie