Gegen Mobbing

Früher gemobbt, heute macht eine Burgbergerin Kinder stark

Annika Schulz aus Burgberg will Kinder gegen Mobbingattacken stärken. Mobbing erlebte sie selbst als Kind und Jugendliche.

Annika Schulz aus Burgberg will Kinder gegen Mobbingattacken stärken. Mobbing erlebte sie selbst als Kind und Jugendliche.

Bild: Volker Schulz

Annika Schulz aus Burgberg will Kinder gegen Mobbingattacken stärken. Mobbing erlebte sie selbst als Kind und Jugendliche.

Bild: Volker Schulz

Annika Schulz : Niemand sollte machtlos sein müssen bei Angriffen auf die Seele. Sie plädiert dafür in der Schule Strategien gegen Cybermobbing zu lehren.
31.05.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Was Mobbing angeht, hat Annika Schulz aus Burgberg als junger Mensch eigene schmerzliche Erfahrungen gesammelt. Ein Grund für sie, sich als Resilienz-Trainerin weiterzubilden. Sie engagiert sich heute bei „Stark ins Neue“, einer Initiative von Trainern, die Kinder (und auch Erwachsene) innerlich stärken. Anlässlich des internationalen Kindertags am 1. Juni gibt es von der Initiative und auch von Schulz kostenlose Online-Vorträge zum Thema „Stark im Netz – Gemeinsam gegen Cybermobbing“ (www.starkmacherwerkstatt.de)

  • Rückblick: Mit vier Jahren, so erzählt Schulz, habe sie von einem auf den anderen Tag zum Stottern angefangen. Deshalb fiel ihr später das Sprechen und Lesen vor den Mitschülern schwer. „In der Realschulzeit fing es dann an, dass ich wegen meines Stotterns gemobbt wurde“, sagt die 41-Jährige. Von heute aus gesehen empfindet sie es aber als „großes Glück, dass ich zu der Zeit auch mit dem Kanufahren angefangen habe“. Das sei befreiend gewesen. „Meine Selbstsicherheit wuchs, obwohl ich weiterhin stotterte.“ Aber das Mobbing hörte auf. Schulz ist überzeugt: „Der Verein und der Umgang untereinander, all das gab mir Sicherheit für mein Leben.“ In diesem „sicheren Hafen“ habe sie ihre Energiespeicher auffüllen können.
  • Empfindung:Als Kind und Jugendliche hatte sie das Gefühl, „nicht gut genug, wertlos und klein“ zu sein. Etliche Ereignisse bestärkten sie in ihrem negativen Denken: Sie nennt eine verpatzte Aufnahmeprüfung zur Erzieherausbildung, einen Vater, der die Familie mit rüden Worten verließ und auch einen Chef, der an ihren Fähigkeiten zweifelte. Das alles habe ihre Unsicherheit wegen des Stotterns zusätzlich verstärkt.
  • Veränderung: Als sie als junge Mutter mitbekam, dass auch ihr Sohn in der Schule gemobbt wurde, war ihr klar, „ich möchte Kindern helfen, gestärkt mit positiven Glaubenssätzen über sich selbst, ihr Leben zu meistern.“ Es sei einfacher, Kinder zu stärken, als kaputte Herzen Erwachsener zu reparieren. Schulz begann eine Online-Ausbildung zur Resilienz-Trainerin. Da habe sie für sich selbst begriffen: „Wir haben im Leben immer drei Möglichkeiten, mit Situationen umzugehen: Ich kann anfangen, die Dinge zu lieben, sie zu verändern oder ich kann Situationen verlassen.“ Das war im Falle ihres in der Schule unglücklichen Sohnes die Herangehensweise der Wahl.
    Heute besucht er eine andere Schule. „Aber so weit muss es ja nicht immer kommen“, sagt Schulz. Heute schaffe es ihr Sohn, wenn er geärgert wurde, mit der Situation umzugehen. Als Mutter könne sie ihn durch ihre Erfahrung nun auch besser begleiten. Sie habe in ihrer Ausbildung erfahren, welche Veränderungen es bewirken kann, wenn Kids gestärkt werden. Annika Schulz will aber auch Erwachsenen Strategien aufzeigen, um Kids auf ihrem Lebensweg bestmöglich zu unterstützen. „Ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, dass sich kein Kind mehr so fühlen soll wie mein Sohn und keine Mama macht- und hilflos zusehen sollte, wie ich.“
  • Cybermobbing: Heute sei es so, dass die meisten Eltern den Internet-Konsum ihrer Kinder nicht kontrollierten. Und das, obwohl laut Gehirnforscher Prof. Manfred Spitzer, „das Internet der weltweit größte Rotlichtbezirk und globaler Tatort für Kriminalität sei“, sagt Schulz. Kinder wünschten und holten sich laut einer Cyberlife-Studie zuerst bei Eltern, Freunden und Verwandten Hilfe. Schulz rät deshalb zu einer Kommunikation mit den Kindern „auf Augenhöhe“. Ihr aktueller Kurzkurs zum Thema Cybermobbing zeige unter anderem „was man tun kann, damit das Internet für mich, meine Freunde und meine Kinder keine Hölle wird.“
  • Ziel: Ein wichtiges Ziel ist es für Schulz, Eltern sowie alle, die beruflich oder in ihrer Freizeit mit Kindern arbeiten, stark im Kampf gegen Cybermobbing zu machen. Sie ist auch der Meinung, dass Kindern bereits in der Schule Fähigkeiten vermittelt werden sollten, sich gegen Cybermobbing – also hasserfüllte Sprache im Internet oder in sozialen Netzwerken – zu wappnen.
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