Karriereende

Neues Leben nach dem Rücktritt - Sebastian Eisenlauer über Kämpfe und Hoffnungen

Das Leben in der Loipe ist Geschichte – nun will Sebastian Eisenlauer den Großteil seiner Zeit allem voran seiner Frau Michaela widmen.

Das Leben in der Loipe ist Geschichte – nun will Sebastian Eisenlauer den Großteil seiner Zeit allem voran seiner Frau Michaela widmen.

Bild: Sebastian Eisenlauer

Das Leben in der Loipe ist Geschichte – nun will Sebastian Eisenlauer den Großteil seiner Zeit allem voran seiner Frau Michaela widmen.

Bild: Sebastian Eisenlauer

Sebastian Eisenlauer hat sein Leben nach seinem Rücktritt schnell geordnet. Wem der 31-Jährige seine Zeit nun widmen möchte.
31.03.2021 | Stand: 19:13 Uhr

Jetzt hat er Zeit. Die Zeit, die ihm in den vergangenen 15 Jahren fehlte. Mit dem Rücktritt vom Hochleistungssport beginnt für Sebastian Eisenlauer ein neuer Lebensabschnitt. Ein Abschnitt, auf den sich der 31-jährige Burgberger freut – und für den er bereit ist. „Es tut mir verdammt gut. Es fühlt sich, seitdem ich es das erste Mal ausgesprochen habe, richtig an für mich“, sagt der Skilangläufer. „Ich hatte Respekt vor der Entscheidung, immerhin ändert sich das erste Mal seit 15 Jahren damit beinahe alles für mich.“ Als wir Eisenlauer an diesem Frühlingstag auf der Terrasse seiner Wohnung in Burgberg treffen, wirkt er entspannt.

"Es gab keine Sekunde, in der ich daran gezweifelt habe"

Nur 24 Stunden sind vergangen, seitdem der fünffache deutsche Meister seinen Rücktritt via „Instagram“ verkündet hatte. „Ich denke nicht mehr daran, was ich tun muss – nicht heute und nicht morgen. Aber genau deshalb fühlt es sich gut an. Es gab keine Sekunde, in der ich daran gezweifelt habe.“ Und genau diesen Eindruck macht Eisenlauer. Außergewöhnlich reflektiert. Mit sich im Reinen.

Nun ist die Laufbahn des sprintstarken Topathleten zweifellos nicht das, „was man eine Bilderbuchkarriere bezeichnet“, erkennt auch der gebürtige Sonthofer. Mit zehn Jahren stieg er vergleichsweise spät beim Skiclub Sonthofen ein, nachdem er sich zuvor in der Leichtathletik und beim Skiclub Burgberg erstmals in der Loipe versucht hatte. Nach den Anfängen bei der Minitournee ging es für Eisenlauer beim SCS in die leistungsorientierte Skilanglauf-Gruppe unter Sabine Dotzler. „Das war auf einen Schlag auch mein Freundeskreis in der Sportgruppe – ich musste nie auf etwas verzichten“, sagt Eisenlauer.

Das Leben in der Loipe ist Geschichte – nun will Sebastian Eisenlauer den Großteil seiner Zeit allem voran seiner Frau Michaela widmen.
Das Leben in der Loipe ist Geschichte – nun will Sebastian Eisenlauer den Großteil seiner Zeit allem voran seiner Frau Michaela widmen.
Bild: Steiner

Mit 16 Jahren wechselte er ans Internat nach Oberstdorf. „Seit 2006 war mein gesamtes Leben darauf ausgerichtet, alles 24 Stunden am Tag auf den Sport zu fokussieren“, sagt Eisenlauer. „Das ändert sich nun.“ Dabei ist es keineswegs so, dass der ambitionierte Oberallgäuer keine erfüllte Karriere hatte: Zweimal war Sebastian Eisenlauer bei Olympischen Winterspielen dabei, ist fünffacher WM-Teilnehmer. Und obwohl er seit jeher über eine herausragende Athletik verfügt, einen sagenhaften Antritt besitzt und über Jahre ein Muster an Selbstdisziplin ist, stand der 31-Jährige nie recht im ganz hellen internationalen Rampenlicht. Denn ein Podestplatz im Weltcup ist Sebastian Eisenlauer bis heute verwehrt geblieben.

Eisenlauer: "Habe es mir nicht leicht gemacht"

„In den vergangenen vier Jahren bin ich neue Wege gegangen, habe es mir nicht immer leicht gemacht. Aber im Grunde hat es seit 2016 keine große Leistungsentwicklung gegeben – das muss ich heute anerkennen“, gesteht Sebastian Eisenlauer. „Ich wollte nach der WM in Oberstdorf behaupten können: Ich habe alles probiert, um das Beste zu holen. Und so war es.“

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„Das Feuer ist nicht mehr da“: Sebastian Eisenlauer beendet seine Karriere

Deshalb gehe er guten Gewissens, glücklich. Gleichwohl habe er im Herbst seiner Sport-Karriere nach seiner elfjährigen Profilaufbahn naturgemäß mit der Entscheidung gehadert, sich im Jahr vor seinen dritten Olympischen Spielen lange überlegt, „ob nach dieser oder nach der kommenden Saison Schluss sein sollte. Und natürlich gab es die Momente, in denen es zäh war, ebenso wie die Momente, in denen es gut war“, sagt Eisenlauer. „Die Spiele in Peking waren eine Option für mich. Aber bis zur Heim-WM lag der Fokus auf Oberstdorf – da war keine Zeit für eine Zwischenbilanz. Nur war aber auch die WM alles andere als gut, und dann habe ich angefangen zu grübeln und zu planen. Und wenn ich spüre, dass ich nicht mehr 100 Prozent dafür aufbringen kann, mit dem Feuer von früher neue Dinge anzugreifen, dann fehlt etwas.“ Die Lücke zur Weltspitze zu schließen, hat Sebastian Eisenlauer nicht mehr geschafft.

15 Jahre ein Leben für den Leistungssport

Und so zieht er nun den Schlussstrich. Die wichtigsten Weggefährten haben es zunächst erfahren, später Partner und Unterstützer. „Es ist kein Gefühl der Resignation“, sagt Eisenlauer, als sich seine Körperhaltung entspannt. „Ich habe alles probiert und ich kann mit reinem Gewissen behaupten, ich habe immer so gehandelt, wie ich zu dem Zeitpunkt dachte, dass es das Richtige ist.“ Lange war der Sport das Richtige, stand immer in der ersten Reihe, nun soll diese Zeit seiner Frau gehören.

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Vor 15 Jahren ging er ans Internat, seit 14 Jahren ist Michaela die feste Größe im Leben von Sebastian Eisenlauer – vor zwei Jahren haben sie geheiratet. Erleichtert und traurig zugleich habe sie auf seinen Rücktritt reagiert, sagt Eisenlauer. „Auf jeden Fall emotionaler, als ich es erwartet hätte. Sie war mein größter Fan und ist deshalb traurig, dass das Kapitel nun vorbei ist. Aber mit Sicherheit ist sie nun auch voller Vorfreude auf das, was kommt.“

Studium und Zeit für die Frau

Das Ehepaar hatte eine längere Reise durch Südamerika geplant – wegen der Entwicklung in der Corona-Pandemie dürfte sich der für 2021 geplante Auftakt aber weiter verzögern. Entsprechend will Sebastian Eisenlauer die Zeit sinnvoll investieren und sein Fernstudium des „Internationalen Managements“ in Ansbach vorantreiben.

Als hätten wir ein Drehbuch verfasst, gesellt sich in den letzten Minuten unseres Interviews auch seine Ehefrau Michaela dazu. „Für mich beginnt jetzt vor allem die Lebensphase, in der meine Frau sich nicht mehr hinten anstellen muss“, sagt Sebastian Eisenlauer. „Viele Jahre stand nur der Sport im Vordergrund – nun ist es an der Zeit, dass ich ihr so viel zurückgeben kann, wie sie mir all die Jahre gegeben hat. Jetzt ist ihre Zeit.“ Und seine.

Das Leben in der Loipe ist Geschichte – nun will Sebastian Eisenlauer den Großteil seiner Zeit allem voran seiner Frau Michaela widmen.
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Bild: imago