Sechs Wochen nach Loockdown-Ende

Oberallgäuer Einzelhändler ziehen Bilanz: Daumen hoch nach der Öffnung

Einzelhandel Schaber

Im Oberallgäuer Einzelhandel herrscht Optimismus, wie hier bei Schaber Trachtenmoden in Immenstadt. Die Kunden kommen wieder zahlreich nach der Öffnung kurz vor Pfingsten. Einen erneuten Lockdown im Herbst würden viele Geschäfte jedoch wirtschaftlich nicht überstehen, sagen die Verantwortlichen.

Bild: Werner Kempf

Im Oberallgäuer Einzelhandel herrscht Optimismus, wie hier bei Schaber Trachtenmoden in Immenstadt. Die Kunden kommen wieder zahlreich nach der Öffnung kurz vor Pfingsten. Einen erneuten Lockdown im Herbst würden viele Geschäfte jedoch wirtschaftlich nicht überstehen, sagen die Verantwortlichen.

Bild: Werner Kempf

Vertreter des Einzelhandels freuen sich nach schwierigen Corona-Zeiten, dass die Kunden zahlreich kommen. Wie die Stimmung bei den Verantwortlichen ist.
03.07.2021 | Stand: 11:33 Uhr

Kein „Click & Collect“ und auch kein „Click & Meet“ mehr, sondern gewöhnliches Schauen und Kaufen, zumindest im Rahmen der Abstands- und Hygieneregelungen: Der Oberallgäuer Einzelhandel blickt nach der Öffnung optimistisch in die Zukunft. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unserer Redaktion bei den Geschäften in der Region, die nach dem Lockdown seit sechs Wochen wieder geöffnet haben. Die von vielen befürchteten Geschäftsschließungen sind ausgeblieben.

„Der Einzelhandel ist nach der Wiedereröffnung in den meisten Branchen gut angelaufen“, sagt Hans Fili, Sprecher der Wirtschaftsvereinigung „Attraktives Sonthofen“. Besonders gelitten hätten in den vergangenen Monaten die Mode-Branche, Fitnessstudios und der Veranstaltungsbereich. Von Ladenschließungen ist ihm nichts bekannt, da die meisten Einzelhändler Eigentümer der Immobilie seien und keine Miete zahlen müssten.

Die Stimmung sei deutlich besser als noch vor Wochen. Auch deshalb, weil wieder Touristen ins Oberallgäu dürfen. „Ohne die könnten viele Geschäfte gar nicht existieren“, ist sich Fili sicher. Ein weiterer Lockdown im Herbst würde jedoch das Aus für viele Geschäfte bedeuten.

Ein Stück Normalität

„Es kommen immer mehr Kunden, weil jetzt auch keine Testpflicht beim Einkaufen mehr besteht“, sagt Tobias Schaber, Zweiter Vorsitzender von „Impuls“, der Arbeitsgemeinschaft der Immenstädter Gewerbetreibenden. Eine Maskenpflicht dagegen würden die Kunden akzeptieren. „Wir kehren ein Stück zur Normalität zurück und gehen davon aus, dass wir auch gut über den Sommer und den Herbst kommen“, beschreibt Schaber die derzeitige Stimmung im Einzelhandel. Dass keiner wegen Corona aufgegeben habe, liege auch daran, „dass die staatliche Unterstützung vielen geholfen hat“. Online-Angebote seien zwar genutzt worden, aber sie reichten nicht, um all die anfallenden Kosten abzudecken. „Endlich sind die Straßen in Bad Hindelang wieder voll“, sagt Florian Kaufmann, Vorsitzender des Gewerbevereins Ostrachtal. „Beide Daumen nach oben“, antwortet der Bäckermeister auf die Frage nach der Stimmung bei den Einzelhändlern. Die Einheimischen hätten in den vergangenen Monaten den örtlichen Geschäften die Treue gehalten und erkannt, „wie wichtig örtliche Strukturen wie zum Beispiel Hofläden sind“. Viele Geschäftsleute hätten zwar auf Erspartes zurückgreifen müssen, aber aufgegeben habe in diesem und im vergangenen Jahr keiner.

„Möchte keiner mehr erleben“

„Es waren harte Zeiten. So ein Jahr, in dem wir sieben Monate schließen mussten, möchte keiner mehr erleben“, sagt Monika Gebhardt von „Thomi Mode und Sport“ Oberstaufen. Von einem Boom könne man nach der Öffnung der Geschäfte nicht sprechen. „Neben Einheimischen kommen vor allem sehr viele Urlauber, nachdem die Hotels wieder Gäste beherbergen dürfen“, berichtet Gebhardt. Die verloren gegangenen Umsätze während der Lockdown-Phasen könne man jedoch nicht wieder aufholen. Vor allem der vergangene Winter habe ein großes Loch in den Kassen der Sportgeschäfte hinterlassen. „Heuer hatten wir sehr viel Schnee und hätten sehr gute Verkaufserlöse erzielen können.“ Ein erneuter Lockdown aufgrund der Delta-Variante würde Oberstaufen massiv treffen. Denn ohne Gäste könnte auch der Großteil des Einzelhandels nicht existieren.

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Sehr zufrieden mit der Situation nach der Öffnung der Geschäfte ist Paul Keßler, der zusammen mit Sohn Martin einen Laden für Geschenke und Haushaltwaren in Bad Hindelang betreibt. Töpfe, Pfannen und Espresso-Maschinen seien in den vergangenen Wochen sehr gut gegangen, sagt der Senior-Chef. Das Bewusstsein für den lokalen Handel sei bei den Einheimischen deutlich gestiegen. „Wir sind optimistisch, dass es in den nächsten Wochen und Monaten so weitergeht.“

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