Winterdienst im Oberallgäu

Schneeräumen ja, aber nicht vors eigene Haus

Bauhofmitarbeiter sind – nicht nur in Bad Hindelang – auch auf öffentlichen Wegen mit Räumen und Streuen im Einsatz. Frisches Weiß landet dann durch die Fräse auch mal in benachbarten Gärten. Das mag nicht jeder.

Bauhofmitarbeiter sind – nicht nur in Bad Hindelang – auch auf öffentlichen Wegen mit Räumen und Streuen im Einsatz. Frisches Weiß landet dann durch die Fräse auch mal in benachbarten Gärten. Das mag nicht jeder.

Bild: Foto: Günter Jansen

Bauhofmitarbeiter sind – nicht nur in Bad Hindelang – auch auf öffentlichen Wegen mit Räumen und Streuen im Einsatz. Frisches Weiß landet dann durch die Fräse auch mal in benachbarten Gärten. Das mag nicht jeder.

Bild: Foto: Günter Jansen

Wer das Weiß von angrenzenden öffentlichen Wegen nicht auf seinem Grund haben möchte, soll zahlen. Das ist die Idee eines Bauhofleiters, weil er oft Diskussionen mit Anliegern hat.
28.01.2021 | Stand: 18:40 Uhr

Die Männer vom Bauhof kriegen’s manchmal dicke ab. Klagen über zu spätes Räumen oder wegen des in den Garten gefrästen Schnees sind in strengen Wintern an der Tagesordnung. Da müssen die Mitarbeiter von frühmorgens um halb fünf bis spätabends um 22 Uhr ran – und dann auch noch das Nörgeln vertragen. Da geht Andreas Schach, Bauhofleiter aus Bad Hindelang, schon mal der Hut hoch. „Ich würde als Gemeinde von allen, die keinen Schnee in den Garten gefräst haben wollen, 50 Euro den Winter über verlangen“, ist seine Idee. Denn lande das freigeräumte Weiß nicht auf Privatgrundstücken, dann müsse der Schnee auf Lastwagen verladen und auf dafür vorgesehenen Flächen abgelagert werden. Und das koste viel Geld.

Da stimmt Klaus Häger, Bauamtsleiter der Gemeinde Waltenhofen zu. Mehrere tausend Euro kommen da leicht zusammen. Schließlich müssten Lkw samt Fahrer engagiert und die Schneehaufen maschinell abgefräst werden. Die Gemeinde Waltenhofen nimmt allerdings auch wieder Geld ein: Anlieger, die ihren Gehsteig nicht räumen wollen oder können, haben die Möglichkeit, die Räumpflicht der Gemeinde zu überlassen. „Das Angebot nehmen 138 Grundstücksbesitzer verteilt übers ganze Gemeindegebiet wahr, der Preis richtet sich nach der Grundstücksgröße“, sagt Häger. So sind in Waltenhofens Ortsmitte bei mittleren Grundstücken 100 Euro pro Winter fällig.

"Manche lösen den Vertrag auch wieder"

Im Vertrag stimmen die Waltenhofener zu, dass der Schnee vom Gehsteig auf ihren Grund mit der Fräse geschleudert werden darf. „Manche lösen den Vertrag deswegen aber auch wieder auf“, sagt Häger. Denn auf dem Gehsteig (und später im Garten) lande schließlich ein Teil des Schnees von der Straße – samt Reifenabrieb, Salz und sonstigem Straßendreck.

Der Hindelanger Bauhofleiter würde sich gerne Ärger ersparen, wenn er oder seine Mitarbeiter öffentliche Wege freiräumen und den Schnee in Privatgärten fräsen. „Wer es nicht will, der soll zahlen“, schlägt er vor, aber läuft bislang ins Leere. Solch eine Regel wie in Waltenhofen gibt es ebenfalls nicht in Bad Hindelang. Das findet Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel auch viel zu kompliziert, weil mit einem „riesigen Verwaltungsaufwand verbunden“. Der Bauhof Hindelang sei vorbildlich im Schneeräumen. „Kulanzmäßig wird da eh schon einiges geräumt, was nicht geräumt werden müsste.“

"Das ergibt sich aus der Rechtssprechung"

"Dass Kommunen beim Winterdienst den Schnee auf Anliegergrundstücke schieben dürfen, ergibt sich aus der Rechtsprechung“, sagt Hindelangs Hauptamtsleiter Manfred Berktold und verweist auf Urteile des Verwaltungsgerichts Augsburg (2012) und des Verwaltungsgerichts Freiburg (1984). Diese Linie betone auch das Landratsamt.

Die Duldungspflicht werde damit begründet, dass „die Ablagerung von Räumschnee auf Anliegergrundstücken ortsüblich und zumutbar ist“. Dennoch werde innerorts fast überall der Schnee mit Lastwagen zu Lagerplätzen transportiert. Das sei in Hindelang aber „nicht flächendeckend möglich“, sagt Berktold. Schnee werde dort abgefahren, wo keine Möglichkeiten wegen der Bebauung oder des Bewuchses zum Häufeln vorhanden sind. Dass Grundstückseigentümer dagegen das kühle Nass auf die Straße werfen, sei ein Verstoß gegen die Verkehrssicherheit und könnte zu einem Bußgeld führen.

Selber freischippen

In Blaichach und in Sonthofen muss jeder selber seinen Gehsteig freischippen oder sich jemanden dafür engagieren, sagt Blaichachs Bürgermeister Christof Endreß. Kerstin Spiegelt, Sprecherin der Stadt Sonthofen erklärt: „Wir räumen und streuen nur die Gehwege, die an städtische Liegenschaften angrenzen. Dementsprechend laden wir auch auf unseren eigenen Flächen diesen Schnee ab.“ 50 Euro zahlen und die Gemeinde fräst von öffentlichen Wegen nicht ins Privatgrundstück, sondern transportiert den Schnee ab: „Das ist ein Vorschlag, über den man nachdenken sollte“, sagt Blaichachs Rathauschef.

Grundstückskäufer eines Blaichacher Baugebiets mussten schon vor Jahren zustimmen, dass auf einem 50 Zentimeter breiten Streifen zur Straße, der Schnee auf ihrem Boden aufgehäufelt werden darf. Ohne Zustimmung hätten sie den Grund wohl nicht bekommen. Für ein Angebot des Schneeräumens auf dem Gehsteig wie in Waltenhofen „fehlen uns aber die Kapazitäten“, sagt Endreß. Anfragen dazu gebe es jedoch vor allem von älteren Bürgern.