Gedenktag "Fasnatziestag"

Staufner veröffentlicht Buch in Erinnerung an Pesttote im Jahr 1635

Josef Rekla hat die Geschichte des Staufner Fasnatziestags aufgeschrieben und in einem Buch zusammengefasst.

Josef Rekla hat die Geschichte des Staufner Fasnatziestags aufgeschrieben und in einem Buch zusammengefasst.

Bild: Benjamin Liss

Josef Rekla hat die Geschichte des Staufner Fasnatziestags aufgeschrieben und in einem Buch zusammengefasst.

Bild: Benjamin Liss

Josef Rekla hat drei Jahre an einem Buch gearbeitet, um die Geschichte des Staufner Fasnatziestags zu erzählen. Heuer findet der Gedenktag aufgrund der Pandemie unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt
13.02.2021 | Stand: 20:29 Uhr

Die Arbeit habe sich gelohnt, betont Josef Rekla. Drei Jahre lang hat der 82-Jährige daran gearbeitet, Fotos, Urkunden und historische Texte zusammen zu tragen, um in 164 Seiten über den Fasnatziestag in Oberstaufen zu berichten. „Es ist ein Standardwerk geworden, auf das die nächsten Generationen zurückgreifen können“, sagt der Hobby-Heimatforscher.

Für das 13,6 Kilogramm schwere Buch hat er über 6000 Stunden investiert und ist über 4000 Kilometer mit dem Auto in Archiven im In- und Ausland unterwegs gewesen, um die Geschichte des Fasnatziestags in Oberstaufen zu dokumentieren. Rund 2500 Euro hat er dafür aus der eigenen Tasche bezahlt und Puzzleteil für Puzzleteil zusammengefügt. Im Frühjahr oder Sommer soll das Werk auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Der Ursprung des Fasnatziestags geht auf das 17. Jahrhundert zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück. Als 1635 in Oberstaufen durch kaiserliche Soldaten die Pest eingeschleppt wurde, sind teilweise ganze Familien ausgestorben. Der Seuche fielen 350 Kinder und 356 Erwachsene der damals 1000 Einwohner zum Opfer.

Der Regent der Herrschaft Staufen, Graf Hugo von Königsegg, soll beschlossen haben, den Menschen neuen Lebensmut zu geben. Er lud die Staufner Burschen in sein Schloss ein, wo sie bewirtet wurden. Einem von ihnen soll Graf Hugo eine kostbare bestickte Fahne übergeben haben, mit der Aufgabe, diese von nun an jedes Jahr am Faschingsdienstag im Gedenken an die vielen Todesopfer, welche die Pest und der Dreißigjährige Krieg gefordert hatten, durch den Ort zu tragen. Der Fasnatziestag ist somit ein bedeutender Teil der Heimatgeschichte.

Sechs Jahre für Ausstellung recherchiert

Rekla organisierte bereits vor drei Jahren eine Ausstellung, die sich dem Gedenktag und den Fähnrichen der vergangenen 150 Jahre widmete. Dafür hatte er sechs Jahre recherchiert. Der 82-jährige gebürtige Oberstaufner war nie Fähnrich und Butz – das sind die beiden Hauptdarsteller des geschichtsträchtigen Ereignisses – und auch nie Teil der Fahnensektion. Fähnriche waren sein Großvater Engelbert Möslang – er bekleidete das Amt von 1868 bis 1872 – und sein Urgroßvater Johann Georg Meßmang (1834 bis 1838).

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Lückenlos von 1867 bis 2017 fanden sich in der Ausstellung die Namen der Fähnriche und Vize-Fähnriche. Zu nahezu allen Jahrgängen hat Rekla Fotos organisiert und in vielen Familien nach historischen Bildern gefragt, sie reproduziert und für die Ausstellung aufbereitet. 464 Fotos sowie Kopien der historischen Schriftstücke und Dokumente finden sich jetzt in seinem 50 mal 60 Zentimeter großen Buch wieder.

Darin erfährt man unter anderem, dass es von 1941 bis 1945 keinen Umzug durch den Ort gegeben hat, die Fahne aber dennoch auf dem Kirchplatz geschwungen wurde. Und Rekla wendet sich in seinem Werk auch an die Kritiker, die immer wieder behaupten, der Fasnatziestag habe nicht 1636, sondern erstmals 1867 stattgefunden, weil eine lückenlose Auflistung aller Staufner Fähnriche erst seit jenem Jahr existiere.

Es habe schriftliche Unterlagen auch aus dem 17. Jahrhunderte gegeben. „Die Stiftungsurkunde hat jedoch Fähnrich Konrad Vögel zusammen mit der Fahne 1866 verbrannt“, sagt Rekla. Und zwar aus Wut, weil er nach 20 Jahren als Fähnrich aufgefordert worden war, nicht mehr zu kandidieren. Auch der Behauptung, Graf Hugo sei mit seiner Familie nach dem Ausbruch der Pest nach Konstanz geflohen und 1635 gar nicht in Oberstaufen gewesen, widerspricht Rekla.

In diesem Jahr ohne Zuschauer

Der Gedenktag findet auch am kommenden Dienstag wieder statt. Allerdings ohne Zuschauer. Mit dabei sind nur Fähnrich Kilian Kink, Vizefähnrich Johannes Rotter und Butz Jannik Gorbach. Nach 15 Minuten soll alles vorbei sein.