Alpwirtschaft

Viehscheid-Festen im Oberallgäu droht erneut das Aus - "Keiner kann sagen,..."

Viehscheide mit Tausenden Besuchern an den Straßen wie hier 2018 in Oberstaufen wird es wohl auch in diesem Jahr im Oberallgäu nicht geben.

Viehscheide mit Tausenden Besuchern an den Straßen wie hier 2018 in Oberstaufen wird es wohl auch in diesem Jahr im Oberallgäu nicht geben.

Bild: Ralf Lienert/Archiv

Viehscheide mit Tausenden Besuchern an den Straßen wie hier 2018 in Oberstaufen wird es wohl auch in diesem Jahr im Oberallgäu nicht geben.

Bild: Ralf Lienert/Archiv

Viehscheid-Feste sind auch heuer laut Veranstaltern unwahrscheinlich. Aber viele Oberallgäuer Gemeinden warten noch ab. Wie die Lage in den Orten ist.
23.06.2021 | Stand: 19:08 Uhr

Jährlich feiern Tausende Urlauber und Einheimische beim Viehscheid im Oberallgäu die Rückkehr der rund 30 000 Jungrinder und Kühe von den über 600 Alpen. Doch mit der feucht-fröhlichen Stimmung wird es wohl auch heuer nichts. Derzeit bewegen sich die Inzidenzwerte zwar auf niedrigem Niveau. Aber Großveranstaltungen sind aufgrund der Corona-Verordnungen verboten. So wie im vergangenen Jahr, als der Festzeltbetrieb bei den Viehscheiden untersagt worden war.

„Wir sind nicht Veranstalter und können deshalb keine offizielle Aussage für den Ablauf der Viehscheide in diesem Jahr treffen“, sagt Dr. Michael Honisch. Er ist Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu (AVA). „Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendwo ein Festzelt stehen könnte, wenn die Tiere im Herbst von den Alpen zurück zu den Landwirten gebracht werden.“ Wie im vergangenen Jahr werde wohl jede Alpe für sich einen kleinen Viehscheid in familiärer Atmosphäre organisieren. Das habe ja 2020 in Zusammenarbeit mit der Polizei ganz gut geklappt. (Lesen Sie auch: "Mehr Tierwohl, weniger Tiere": Bayern will Kühe von der Kette lassen)

Vorsitzender des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu: Verzicht auf Remmidemmi

„Keiner kann sagen, wie sich die Infektionszahlen in den nächsten Monaten entwickeln. Aber nach dem derzeitigen Stand ist ein Festzeltbetrieb nicht möglich“, lässt AVA-Vorsitzender Franz Hage wissen. Auch er geht von Viehscheiden aus, die die Älpler selbst organisieren. Viele von ihnen hätten gesagt, dass sie kein Remmidemmi möchten „und lieber im kleinen Kreis wie im vergangenen Herbst feiern“.

Das Landratsamt Oberallgäu entscheide nicht, ob ein Viehscheid stattfindet oder nicht, sagt Felix Fleischhauer, zuständig fürs Verkehrswesen im Oberallgäu Seine Behörde ist dann beteiligt, wenn für den Viehscheid zum Beispiel Straßen gesperrt werden müssen. Für die Genehmigung eines Viehscheid-Fests mit Veranstaltungscharakter „sind die jeweiligen Gemeinden selbst verantwortlich“, sagt Fleischhauer. Doch im Vordergrund würden die jeweils aktuellen Corona-Regelungen des bayerischen Staates stehen. Öffentliche Veranstaltungen seien bis zum 4. Juli nur für 50 Personen in geschlossenen Räumen und 100 Personen im Freien erlaubt, betont Fleischhauer. Zu Viehscheiden würden ja mehrere tausend Besucher kommen. „Nach aktuellem Stand wäre ein Festzeltbetrieb unter den aktuellen Regelungen wohl kaum vorstellbar.“

Termine für die Viehscheide "werden nicht nach außen kommuniziert, um große Menschenansammlungen zu vermeiden"

In Obermaiselstein wurde das Viehscheid-Rahmenprogramm bereits abgesagt. In Balderschwang, Bolsterlang, Wertach, Kranzegg, Gunzesried, Missen, Weitnau-Wengen, Haldenwang und Oberstdorf will man noch abwarten. Auch in Oberstaufen beraten derzeit die Scheidmeister darüber, wie die Alpabtriebe im Herbst über die Bühne gehen können, berichtet Katharina Klawitter von der Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH (OTM). Eine Entscheidung soll im nächsten Monat fallen. Anstatt des Viehscheid-Festes könnte im September – wie bereits im vergangenen Jahr – für die Gäste als Alternativprogramm eine „Alpwoche Oberstaufen“ in Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel organisiert werden. Die Termine für die Viehscheide „werden nicht nach außen kommuniziert, um große Menschenansammlungen zu vermeiden“, berichtet Klawitter.

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Nach Rücksprache mit den Verantwortlichen vor Ort und dem Alpwirtschaftlichen Verein „wird es in Bad Hindelang voraussichtlich keinen Viehscheid mit Rahmenprogramm und Volksfestcharakter geben“, sagt Tourismusdirektor Maximilian Hillmeier. Aber auch ohne Viehscheid mit entsprechendem Rahmenprogramm „erwarten wir wie im Vorjahr wieder einen sehr guten touristischen September“. (Lesen Sie auch: Hätten Sie es gewusst? Darum verbringen Kühe den Sommer auf den Alpen im Allgäu)

Immenstädter Viehscheid ein Höhepunkt im Jahr

„Wir beobachten die Pandemielage sehr genau. Sechs bis acht Wochen vor der Veranstaltung muss eine Entscheidung getroffen werden“, sagt Immenstadts Bürgermeister Nico Sentner. Es gebe Überlegungen für eine abgespeckte Variante. „Sollten die Inzidenzzahlen in den nächsten Wochen weiter niedrig sein, sind wir guter Dinge.“ Bereits jetzt abzusagen, sei keine Option. Der Immenstädter Viehscheid „ist nicht nur für viele Touristen, sondern gerade für die Älpler, Hirten und Einheimischen ein absoluter Festtag im Jahr“, sagt Sentner.

Auch in den beiden österreichischen Exklaven Jungholz und Kleinwalseral ist noch keine Entscheidung gefallen, obwohl in Österreich wieder Großveranstaltungen ab Juli möglich sind. „Aus heutiger Sicht kann ich noch keine Auskunft geben, da wir erst beraten, sobald die Verordnung vorliegt“, sagt Karina Konrad, Bürgermeisterin von Jungholz. Skepsis herrscht auch im Walsertal. Für Massenveranstaltungen sei wohl die Zeit noch nicht reif, meint Britta Maier von Kleinwalsertal Tourismus. „Wir werden kein Risiko eingehen.“

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