Fußball Schiedsrichter

Frohe Suche nach den schwarzen Männern - an Ostern werden die Referees knapp

Männer mit Ansage: Bei der Aktion des BFV hatten die Unparteiischen Aufwärmtrikots mit einem Statement. Doch Spielabsagen, Corona und mangelnde Wertschätzung bringen die Schiedsrichter in die Bredouille.

Männer mit Ansage: Bei der Aktion des BFV hatten die Unparteiischen Aufwärmtrikots mit einem Statement. Doch Spielabsagen, Corona und mangelnde Wertschätzung bringen die Schiedsrichter in die Bredouille.

Bild: Karl Aumiller

Männer mit Ansage: Bei der Aktion des BFV hatten die Unparteiischen Aufwärmtrikots mit einem Statement. Doch Spielabsagen, Corona und mangelnde Wertschätzung bringen die Schiedsrichter in die Bredouille.

Bild: Karl Aumiller

Am Osterwochenende wird es wohl an Schiedsrichter mangeln – der Ostallgäuer Obmann Ingo Weber erklärt das Problem.
14.04.2022 | Stand: 10:59 Uhr

Schnee auf dem Rasen kann zu Spielausfällen führen. So ist es auch am vorigen Wochenende passiert. Der BFV hat ein Teil der nachzuholenden Partien auf Ostersamstag angesetzt. Das aber ist ein Problem: „Aufgrund der enormen Anzahl an regulären Spielen und Nachholspielen am Osterwochenende ist es uns erstmals seit vielen Jahren nicht möglich, alle Spiele mit neutralen Schiedsrichtern zu besetzen“, warnt der Ostallgäuer Schiedsrichter-Obmann Ingo Weber – und erklärt, warum das so ist.

Doppelspieltage gab es schon öfter - warum jetzt dieser Engpass?

  • Ingo Weber: In der Vergangenheit war der Ostersamstag hauptsächlich Spieltag für Bezirksliga und darüber, am Ostermontag haben dann die unteren Klassen gespielt. Dadurch dass zuletzt wetterbedingt viele Spiele in der Region ausgefallen sind, wurden diese zusätzlich auf den Ostersamstag verlegt. Das heißt, wir haben rund um Ostern mehr Fußballspiele als sonst. Die letzten Jahre konnten wir durch Doppeleinsätze Samstag/Montag alle Spiele besetzen, dieses Jahr finden aber gleichzeitig zu viele Spiele statt. Erschwerend kommt natürlich Corona hinzu, so fallen uns an manchen Wochenenden bis zu fünf Schiedsrichter komplett aus.

Gibt es nicht eine Pflicht, dass jeder Verein auch Schiedsrichter haben muss? Kassieren die dann Strafen?

  • Weber: 22 von 48 Vereinen haben keinen aktiven Schiedsrichter. Die Spielordnung des BFV schreibt vor, wie viele Schiedsrichter ein Verein haben muss. Dieses Soll richtet sich nach der Anzahl der Mannschaften, die aktiv am Spielbetrieb teilnehmen. Jeder Verein, der sein Soll nicht erfüllt, zahlt eine Ausfallgebühr an den BFV. In der A-Klasse sind das zum Beispiel pro fehlendem Schiedsrichter lediglich 58,84 Euro. In anderen Verbänden innerhalb Deutschlands betragen die Strafen das Zehnfache bis hin zum Punktabzug. Aus meiner Sicht ist es gegenüber der Ostallgäuer Fußballgemeinschaft nicht fair, dass sich fast die Hälfte der Vereine darauf verlässt, dass die anderen Schiedsrichter stellen. Wir benötigen aktive oder ehemalige Spieler aus den Vereinen, denn nur wer selbst Fußball spielt oder gespielt hat, kann auch eine Partie leiten.

Warum wollen die 22 Vereine nicht?

  • Weber: Es ist für die Vereine nicht einfach, ehrenamtliche Helfer und Funktionäre zu finden. Aber zumindest einmal jährlich sollte jeder Verein sich aktiv auf die Suche nach zukünftigen Schiedsrichtern machen, nämlich immer, wenn wir einen Neulingslehrgang anbieten. Es gibt einige positive Beispiele in der Region: So melden der ASV Hirschzell, der SV Pforzen und die JFG OAL Nord jedes Jahr mehrere Teilnehmer für unseren Neulingslehrgang. Allein Pforzen hat mittlerweile 14 Schiedsrichter, von denen zehn aktiv pfeifen – etwa Marco Blösch der Assistent in der Jugendbundesliga ist.

Referees stehen ja oft am Pranger – wenn dann ein Gastschieri pfeift, ist ja den Vorwürfen Tür und Tor geöffnet?

  • Weber: Genau deswegen brauchen wir neutrale Schiedsrichter. In anderen Regionen gibt es bereits Ligen, in denen die ganze Saison kein Schiedsrichter mehr kommt, so etwa die unterste Herrenklasse in Augsburg. Genau in diesen Ligen gibt es die meisten Probleme. Da macht es dann auch keinen Spaß mehr, als Hobbykicker die Schuhe zu schnüren. So bleiben früher oder später die Sportplätze leer.
Ingo Weber, Schiedsrichter Obmann Ostallgäu.
Ingo Weber, Schiedsrichter Obmann Ostallgäu.
Bild: Ingo Weber

Lesen Sie auch
##alternative##
Das Fragenquartett: Ingo Weber

Kühler Kopf in der heißen Phase - Unparteiische zum Saisonendspurt im Stresstest

Warum gibt es das Problem?

  • Weber: Mangelnder Respekt und fehlende Wertschätzung ist ein ernstes Problem auf den Fußballplätzen, darunter leiden nicht nur exklusiv die Schiedsrichter. Im Jugendbereich erwarte ich von Spielerinnen und Spielern sowie vor allem deren Trainern und Eltern ein sportlich faires Verhalten gegenüber jedem, der am Spiel beteiligt ist. Ebenso im Bereich des Erwachsenenfußballs, der unabhängig von der Spielklasse, stets der Jugend ein Vorbild sein sollte. Dann hätten wir nicht nur mehr Schiedsrichter, sondern auch alle wieder mehr Spaß am Fußball.

Wie könnte denn der Referee-Job realistisch attraktiver werden?

  • Weber: Würde man für eine Spielleitung mehr Geld bekommen oder müssten die Vereine höhere Strafen bezahlen, dann hätten wir vermutlich mehr Kolleginnen und Kollegen. Das ist aber nicht das, was ich mir persönlich wünsche. Viel lieber möchte ich Schiedsrichter auf den Sportplätzen sehen, die aus Leidenschaft ihre Spiele pfeifen. Von außen betrachtet wirkt der Job des Schiedsrichters nicht unbedingt attraktiv. Da haben wir echt ein Imageproblem, denn an sich ist das Pfeifen ein cooles Hobby. Besonders junge Menschen profitieren neben den Aufstiegsmöglichkeiten vor allem in ihrer Persönlichkeit von den vielen Facetten unserer Tätigkeit: körperliche und geistige Fitness, Entscheidungsfreude und Durchsetzungsvermögen. Und es macht halt einfach auch Spaß, wirklich!