Corona-Teststrategie

Drive-in-Station statt Glühweinstand

Corona-Teststation in Kaufbeuren: Markus Reichart von der Lebenshilfe nimmt am Drive-in-Schalter in der Alten Poststraße einen Abstrich in der Nase einer Testperson. Zuvor musste sie einen Erfassungsbogen ausfüllen, zehn bis 15 Minuten später erfährt sie das Ergebnis.

Corona-Teststation in Kaufbeuren: Markus Reichart von der Lebenshilfe nimmt am Drive-in-Schalter in der Alten Poststraße einen Abstrich in der Nase einer Testperson. Zuvor musste sie einen Erfassungsbogen ausfüllen, zehn bis 15 Minuten später erfährt sie das Ergebnis.

Bild: Mathias Wild

Corona-Teststation in Kaufbeuren: Markus Reichart von der Lebenshilfe nimmt am Drive-in-Schalter in der Alten Poststraße einen Abstrich in der Nase einer Testperson. Zuvor musste sie einen Erfassungsbogen ausfüllen, zehn bis 15 Minuten später erfährt sie das Ergebnis.

Bild: Mathias Wild

Die Lebenshilfe Ostallgäu hat ein eigenes Testzentrum an der Alten Poststraße in Kaufbeuren eingerichtet. Wie viele Abstriche pro Woche dort vorgenommen werden.
12.02.2021 | Stand: 15:09 Uhr

Die Holzhütte, die hinter dem Wohnheim der Lebenshilfe in der Alten Poststraße steht, dürfte vielen Kaufbeurern bekannt vorkommen: seit vielen Jahren ist der Adventskalender der Lebenshilfe und des Stadtjugendrings ein Highlight auf dem Weihnachtsmarkt am Kirchplatz.

Kein Kindergerdränge - dafür Autoschlange

Vor den vielen Türchen drängten sich an Adventswochenenden vor der Pandemie Kinder, um ihre gekauften Lose gegen Geschenke einzutauschen.

Stattdessen reiht sich jetzt ein Auto nach dem anderen in einer Schlange vor der Bude. In den Fahrzeugen sitzen Mitarbeiter, Bewohner und Besucher der Lebenshilfe Ostallgäu und warten darauf, dass ihnen lange weiße Wattestäbchen in Nase und Rachen geschoben werden. „Als der Weihnachtsmarkt 2020 abgesagt werden musste, hatten wir zunächst auch überlegt, den Stand als Glühweinausschank zu nutzen“, sagt Markus Reichart augenzwinkernd. Aber die Hütte wurde zum Corona-Schnelltest-Zentrum umfunktioniert, die der examinierte Krankenpfleger leitet.

Testkapazität wird laufend erhöht

1.000 Tests lautet die Bilanz der Drive-In-Teststation in der vergangenen Woche, überschlägt er. Diese Woche dürften es noch mal 200 mehr werden. „Wir könnten bis zu 2.000 Tests pro Woche machen, mehr als das Testcenter des Gesundheitsamtes in Marktoberdorf“, schätzt Reichart.

200 Schnelltests pro Tag

Er und fünf weitere Mitarbeiter, die teilweise extra dafür eingestellt wurden, alle eine medizinische Ausbildung absolviert haben und für die Testung geschult wurden, nehmen Abstriche – im Schnitt 200 am Tag. Getestet werden Wohnheimbewohner und ihre Angehörigen, Beschäftigte der Wertachtalwerkstätten und Mitarbeitende aller Standorte der Lebenshilfe Ostallgäu, von Füssen bis Neugablonz. Auch ein mobiles Team ist unterwegs, um vor Ort in den verschiedenen Einrichtungen zu testen. Alle dort Beschäftigten müssen sich regelmäßig drei Mal wöchentlich einem Corona-Schnelltest unterziehen. Besucher müssen ein negatives Testergebnis vorlegen und Maske tragen. Und auch die Bewohner selbst werden regelmäßig getestet, damit bei einer möglichen Coronainfektion sofort entsprechend reagiert und ein größerer Ausbruch verhindert werden kann.

Bisher gut durch die Pandemie gekommen

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„Bisher sind wir gut durch die Pandemie gekommen“, sagt Lebenshilfe-Geschäftsführerin Claudia Kintrup. Es habe nur vereinzelte Coronafälle gegeben, die durch Quarantänemaßnahmen sofort eingedämmt werden konnten. Es sei erstaunlich, wie gut jeder mitmache. Trotz aller geltenden Einschränkungen sei bisher in keiner der Wohneinrichtungen ein Lagerkoller ausgebrochen, „die Mitarbeiter schaffen es, die gute Stimmung aufrecht zu erhalten“. Die Menschen mit Behinderung akzeptieren die Tests, sie kennen die Mitarbeiter, die auf sie eingehen, und vertrauen ihnen. „Gezwungen wird aber niemand“, betont Reichart, „die Tests sind freiwillig.“ Dennoch gebe es nur zwei „Komplettverweigerer“ unter den rund 150 Bewohnern.

Untersuchung ist kostenlos

Positiv seien auch die Rückmeldungen der Angehörigen, die sich über den Service freuen, weil sie sich dann nicht anderswo mit hohem Aufwand um einen Coronatest kümmern müssen. Zudem seien die Schnelltests auch für sie kostenlos. „Auch wenn wir zwar nicht ausdrücklich dazu verpflichtet sind, die Besucher hier vor Ort zu testen – ohne negatives Ergebnis dürfen sie ihre Angehörigen nicht treffen. Wir wollen es allen so einfach wie möglich machen. Und wir haben schließlich auch eine Fürsorgepflicht für unsere Bewohner und Beschäftigten“, sagt Kintrup. Deshalb wolle man unbedingt verhindern, dass das Virus in eine der Lebenshilfe-Einrichtungen gelangt.