Lernen im Lockdown

Kaufbeurer Lehrer sorgen sich um soziale Entwicklung ihrer Schüler

Ältere Schüler kommen mit dem Distanzunterricht meist ganz gut klar, die Jüngsten aber brauchen eine besonders intensive Betreuung.

Ältere Schüler kommen mit dem Distanzunterricht meist ganz gut klar, die Jüngsten aber brauchen eine besonders intensive Betreuung.

Bild: Rolf Vennenbernd, dpa (Symbolfoto)

Ältere Schüler kommen mit dem Distanzunterricht meist ganz gut klar, die Jüngsten aber brauchen eine besonders intensive Betreuung.

Bild: Rolf Vennenbernd, dpa (Symbolfoto)

Ein Mittelschulleiter macht sich um die Kleinsten Gedanken. Mit welchen Problemen kämpfen Abiturienten? Warum ärgern sich Lehrer über das Kultusministerium?

05.02.2021 | Stand: 07:00 Uhr

Abschlussklassen an Gymnasien, FOS und BOS gehen seit Montag in den Wechselunterricht. Schüler der Grund-, Real- und Mittelschulen dürfen noch nicht zurück in die Klassenzimmer. Nach aktuellem Stand sollen sie bis Mitte Februar daheim bleiben.

Kampf um jeden Schüler

Frank Hortig, Leiter der Gustav-Leutelt-Schule (GLS), der Mittelschule in Neugablonz, hofft inständig, dass der Schul-Lockdown nicht über den 14. Februar hinausgeht. Vor allem die Kleinsten bräuchten so schnell wie möglich eine gewisse Normalität: „Ich kämpfe um jeden Schüler, der zurückkommen darf.“ Die Digitalisierung sei bestenfalls eine Arbeitshilfe – nicht mehr und nicht weniger. Hortig fürchtet, dass vor allem bei den Jüngeren nicht nur Bildung, sondern auch Persönlichkeits- und soziale Entwicklung auf der Strecke bleiben.

Virtuell leben geht nicht

Auch langfristig werde vieles nicht möglich sein, was im Konzept seiner Ganztagsschule eine wichtige Rolle spielt: Projektarbeit, Exkursionen, Praktika. „Wir leben Schule“ laute das Motto der GLS. „Und virtuell leben, das geht nicht“, sagt Hortig. Für die Lehrkräfte sei es wesentlich aufwendiger, die Kinder zu Hause zu unterrichten. „Technische Probleme, Programme, die abstürzen, und dann haben die Kollegen ja oft selbst Kinder, die daheim lernen müssen“, zählt Hortig auf. Das alles führe zu einer Verschiebung und Ausweitung der Arbeitszeit, „das zehrt an den Kräften von Lehrern, Eltern und Schülern“.

Notbetreuung ist kein Unterricht

Vor allem die Jüngsten seien auf Kontakte in der Schule angewiesen und brauchen im Distanzunterricht besonders intensive Betreuung. An der GLS werden im Moment 25 Kinder notbetreut, weil Homeschooling für ihre Eltern nicht mit dem Beruf vereinbar ist. Aber das sei mit richtigem Unterricht nicht vergleichbar, erklärt Hortig: Kinder aus verschiedenen Jahrgangsstufen müssen zusammen betreut werden und jeder für sich das lernen, was die Klassenkameraden am heimischen Computer üben.

Alle brauchen eine Pause

Um versäumten Unterricht nachzuholen, hat die bayerische Staatsregierung jetzt die Faschingsferien gestrichen – ersatzlos. „Ich hätte mir gewünscht, dass man uns dafür drei flexible freie Tage gewährt hätte, das wäre ein gutes Signal gewesen“, meint Hortig, der den Ausfall einerseits gerechtfertigt sieht, weil ohnehin weder Urlaubsreisen noch Faschingsfeiern möglich sind. Andererseits sei eine Pause in der langen Phase zwischen Weihnachts- und Osterferien notwendig, erst recht in diesen anstrengenden Zeiten. „Wir brauchen Orientierung“, fordert Hortig. Er wünsche sich Antworten auf die Frage, wie Kinder trotz der unberechenbaren Situation zusammenkommen können. Hygienekonzepte seien zwar da, Luftfilter zum Beispiel müssten erst angeschafft werden – es sei alles auch eine finanzielle Frage.

Am Kaufbeurer Mariengymnasium sind die Abiturklassen im Wechselunterricht, alle anderen lernen weiterhin zu Hause. Schulleiterin Christine Frank hätte sich gewünscht, dass auch die elften Klassen ab dieser Woche kommen dürfen, „denn die Noten zählen bereits fürs Abitur“. Insgesamt findet sie die Situation unbefriedigend, weil sie viele Entscheidungen zuerst aus der Presse erfahre. „Verordnungen erreichen uns oft spät und wir müssen dann ganz schnell reagieren“, sagt sie.

Reizbarkeit in den Familien steigt

Die fehlende Planungssicherheit sei für Familien ein großes Problem, weiß sie als Mutter von schulpflichtigen Kindern aus eigener Erfahrung. Und in manchen Familien steige durch den langen Lockdown die Reizbarkeit. Frank sieht sich in einem ständigen „Konflikt zwischen Infektionsschutz und Sozialleben“, mit dem Erwachsene besser klar kommen, unter dem aber vor allem jüngere Kinder sehr leiden.

Info-Tag als Teams-Event

Schwierig sei auch, dass die Infoveranstaltung für Grundschüler, die im kommenden Schuljahr Fünftklässlerinnen am Mariengymnasium werden wollen, nicht wie gewohnt stattfinden kann. „Wir bieten nun ein Teams-Live-Event an“, erklärt Frank. Sie und ihre Kollegen werden am 18. März in der Schule sein, Eltern und interessierte Schülerinnen können sich anmelden, über einen Link zuschalten und alles live am Bildschirm verfolgen.

Die schlechteste aller möglichen Lösungen

Für die derzeit schlechteste Lösung hält Christof Walter, Schulleiter des Jakob-Brucker-Gymnasiums, den Wechselunterricht. Angesichts der pandemischen Lage machten sich Schüler, Eltern und Lehrer große Sorgen. Denn während die Politik vor Mutationen warnt und Angestellten dringend zum Homeoffice rät, sollen Abiturienten und ihre Lehrkräfte in die Schule kommen. Nachdem sie monatelang Erfahrungen gesammelt haben, funktioniere der Distanzunterricht jetzt perfekt. „Wir machen das Beste aus der Situation, aber für Lehrkräfte ist es ein Mehraufwand, wenn sie Stoff sowohl für den Distanz-, als auch für den Unterricht in der Schule vorbereiten müssen“, sagt Walter. Das gehe dann auch zulasten anderer Klassen.

Infos kommen immer viel zu kurzfristig

Die von der Politik groß angekündigte Förderung zum Einbau von Luftfilteranlagen ist für den Oberstudiendirektor eine „Mogelpackung“ – es werde maximal die Hälfte der Kosten übernommen, den Rest müssten die Schulen aus eigener Tasche bezahlen. Walter ärgert sich – wie viele Kollegen an allen Schularten – über die Informationspolitik des bayerischen Kultusministeriums. Von den aktuellen Beschlüssen erfahre er grundsätzlich zuerst aus den Medien. Oft erst Tage später erhalte er dann ein Info-Schreiben des Ministeriums – „und das enthält immer noch einige Überraschungen.“ So bleibe ihm als Schulleiter, aber auch dem ganzen Lehrerkollegium, Schülern und Eltern nur wenig Vorbereitungszeit.

Wissenswertes zum Übertitt an den Kaufbeurer Gymnasien

Der Infoabend zum Übertritt ans Mariengymnasium findet am Donnerstag, 18. März um 19 Uhr als Live-Event via Microsoft Teams statt.

Eltern können auch einen individuellen Besichtigungstermin im Schulhaus für ihre Töchter vereinbaren.

Schulleiterin Frau Christine Frank bietet Grundschul-Sprechstunden an. Anmeldung und weitere Infos gibt es auf der Schul-Homepage.

Das Jakob-Brucker-Gymnasium bietet normalerweise Anfang März zum Übertritt einen „Tag der Offenen Tür“ an. Auch dieser wird diesmal in digitaler Form stattfinden, und zwar am Freitag, 19. März. In welcher Form genau Schüler und Eltern dann die Schule kennenlernen können, werde derzeit erarbeitet und rechtzeitig öffentlich bekannt gegeben.

Wissenswertes zu allen Bereichen der Schule findet man im Infoflyer dem Infoheft. Es enthält alle Informationen zur Anmeldung und Eindrücke aus dem Schulleben am JBG. Beides kann heruntergeladen werden auf der Internetseite des Jakob-Brucker-Gymnasiums.

Lesen Sie auch: Werden Schulen und Kitas bald weiter geöffnet? Entscheidung fällt kurzfristig