Allgäuhalle Kempten

Riesiges Interesse an der Allgäuhalle Kempten: So war die Eröffnung der "Kulturwirtschaft"

Erfolgreicher Auftakt: In der „Kulturwirtschaft“ in der Allgäuhalle in Kempten verfolgten zahlreiche Gäste das Bühnenprogramm (hier eine Tanzchoreographie des Sharadez & Phönix Stage Ensemble).

Erfolgreicher Auftakt: In der „Kulturwirtschaft“ in der Allgäuhalle in Kempten verfolgten zahlreiche Gäste das Bühnenprogramm (hier eine Tanzchoreographie des Sharadez & Phönix Stage Ensemble).

Bild: Ralf Lienert

Erfolgreicher Auftakt: In der „Kulturwirtschaft“ in der Allgäuhalle in Kempten verfolgten zahlreiche Gäste das Bühnenprogramm (hier eine Tanzchoreographie des Sharadez & Phönix Stage Ensemble).

Bild: Ralf Lienert

Großer Andrang an der Allgäuhalle Kempten am Wochenende: Warum vor allem die neue "Kulturwirtschaft" am Tag der offenen Tür viele Menschen anzieht.
03.04.2023 | Stand: 09:09 Uhr

Riesig war das Interesse beim Tag der offenen Türen rund um die Allgäuhalle. Geschätzt weit über 1000 Menschen aus Kempten und darüber hinaus schauten sich am Sonntag die Gebäude und das Gelände an. Besonders neugierig waren die meisten auf die neue Kulturwirtschaft. Das Veranstaltungslokal, das der Verein „Kulturquartier Allgäu“ für drei Jahre von der Stadt Kempten gepachtet hat, startete mit einem achtstündigen Programm aus Musik, Theater und Tanz. Den ganzen Nachmittag über war der 100 Quadratmeter große Saal voll.

Die Kommentare der Besucherinnen und Besucher fielen durchweg positiv aus. „Das halte ich für sehr wichtig für die Stadtgesellschaft“, sagte beispielsweise Veronika Heilmannseder, die mit ihrer sechsköpfigen Familie aus Wiggensbach nach Kempten kam. „Nichtkommerzielle Kultur ist das Lebenselixier für jede Stadt.“

Glücklich über den neuen Raum ist auch die freie Kunst- und Kulturszene Kemptens. Das wurde am Samstag deutlich, als die Kulturwirtschaft in lockerer Atmosphäre eröffnet wurde. „Ein toller Ort“, sagte etwa Franz Schröck, der Vorsitzende des Architekturforums.

"Kulturwirtschaft" in Allgäuhalle Kempten ist ein Ort für junge Künstler

Er äußerte sich ähnlich lobend wie viele weitere Musiker, Künstlerinnen und Theaterleute. Auch etliche Lokalpolitikerinnen und -politiker schauten sich die Kulturwirtschaft an. Allen voran Oberbürgermeister Thomas Kiechle, der symbolisch einen Schlüssel an den Kulturvereins-Vorsitzenden Stephan A. Schmidt überreichte. Kiechle nannte die Eröffnung einen „notwendigen und richtigen Schritt, denn so was hatten wir bisher nicht.“ Er zitierte den Konzertorganisator Franz Tröger, der kurz vor seinem Tod im vergangenen Jahr zu ihm gesagt habe: „Vergessen Sie mir die jungen Künstler nicht. Ohne Subkultur keine Hochkultur.“

Kulturamtsleiter Martin Fink nannte die Eröffnung einen „Meilenstein“ und fügte an: „Ich glaube, die ganze Stadt wünscht dem Projekt alles Gute.“

Seit 2018 setzen sich die Mitglieder des Vereins für eine kulturelle Nachnutzung der denkmalgeschützen Gebäude ein. „Nun sind wir am Ziel – ich kann es noch gar nicht so richtig glauben“, sagte Vorsitzender Stephan Schmidt, 55, Sonntagnachmittag. Weil die Stadt derzeit kein Geld für eine umfassende Renovierung und Entwicklung des Geländes bereitstellt, bot sich sein Verein an, das Lokal im Erdgeschoss, zu dem eine Küche, ein Büro und Lagerräume gehören, sofort mit Leben zu erfüllen. Die Stadt verpachtet es für drei Jahre an den Verein, der inzwischen über 200 Mitglieder hat.

Wie finanziert sich die Kulturwirtschaft in Kempten?

50 Mitglieder helfen, die Kulturwirtschaft, die das „WIR“ im Namen wortspielend groß schreibt, ehrenamtlich zu betreiben, finanziert von Mitgliedsbeiträgen sowie Spenden von Sponsoren und Gönnern. Die Stadt in Gestalt ihres Eigenbetriebs („Messe- und Veranstaltungs-Betrieb“) nehme „eine äußerst moderate Pacht“, sagte dessen Geschäftsführerin Michaela Waldmann. Die genaue Höhe wollte sie nicht nennen.

Stephan A. Schmidt, Künstler und Vorsitzender des Kemptener Vereins "Kulturquartier Allgäuhalle" (KQA)
Stephan A. Schmidt, Künstler und Vorsitzender des Kemptener Vereins "Kulturquartier Allgäuhalle" (KQA)
Bild: Gwen Boos

In der zweiten Jahreshälfte werde man sich an die Ideenfindung für die weitere Entwicklung der Gebäude und des Areals machen, erläuterte Waldmann. In diesen Prozess sollen die bisher Beteiligten eingebunden werden, auch die Big Box, die ebenfalls Interesse an der Allgäuhalle zeigt und im Sommer ein Open-Air-Konzert auf dem Platz vor dem Gebäude organisiert.

Der Verein hat in die Kulturwirtschaft auf die Schnelle eine kleine Bühne eingebaut. Gut 70 Stühle stehen im Saal; nimmt man sie heraus, finden rund 120 Menschen Platz. Die ersten Punkte des breiten, bunten Programms stehen.

In der 1931 erbauten zweiten Halle zeigt der Allgäuer Filmemacher Leo Hiemer auf diesen Ort zugeschnittene Auszüge aus seinem Film „Kann Spuren von Nazis enthalten“.
In der 1931 erbauten zweiten Halle zeigt der Allgäuer Filmemacher Leo Hiemer auf diesen Ort zugeschnittene Auszüge aus seinem Film „Kann Spuren von Nazis enthalten“.
Bild: Ralf Lienert

Viele Besucher sahen sich beim Tag der offenen Tür auch Leo Hiemers Doku „Kann Spuren von Nazis enthalten“ an. Der Allgäuer Filmemacher zeigte sie in der sogenannten Kälberhalle, wo 1944 und 1945 Häftlinge des KZs Dachau untergebracht waren. Die Vorführung sollte auch darauf hinweisen, dass die Halle nach Ansicht vieler zu einem Erinnerungsort werden soll für die Zeit der Nazi-Diktatur.

Lesen Sie auch: "Es geschah genau hier": Das sind die Opfer, Täter und Tatorte der NS-Zeit in Kempten