Annette Hauser-Felberbaum

Das ist die neue Kulturbeauftragte von Kempten

Kempten Felberbaum

Hier gibt es auf ihre Initiative hin Freiluft-Kultur: Annette Hauser-Felberbaum am Hildegardplatz.

Bild: Ralf Lienert

Hier gibt es auf ihre Initiative hin Freiluft-Kultur: Annette Hauser-Felberbaum am Hildegardplatz.

Bild: Ralf Lienert

„Immer offen und kritisch sein“, so lautet das Credo von Annette Hauser-Felberbaum. Was die neue Kulturbeauftragte des Stadtrats Kempten vor hat.
15.07.2020 | Stand: 06:02 Uhr

Der Hildegardplatz hat es Annette Hauser-Felberbaum angetan. Er erinnere sie an den Domplatz von Salzburg, wo bei den Festspielen der „Jedermann“ aufgeführt wird. Hier in Kempten thront die Basilika St. Lorenz über dem Platz, eingefasst wird er von einem prächtigen Gebäude-Ensemble. Genau der richtige Ort, um Kultur unter freiem Himmel zu bieten. Deshalb erklärte sie gleich nach ihrer Wahl zur neuen Kulturbeauftragten des Stadtrats, dass dieser Platz unbedingt bespielt werden müsse, gerade jetzt, in Corona-Zeiten. Und damit diese Idee umgesetzt wird, nahm Hauser-Felberbaum das Heft gleich selbst in die Hand. Sie sorgte dafür, dass  die Kemptener Improtheatergruppe „Die Wendejacken“ auf einer Bühne vor der Basilika auftreten wird.

Wenn man Annette Hauser-Felberbaum treffen möchte, um mit ihr über sich und ihre Arbeit als neue Kulturbeauftragte zu sprechen, ist der Hildegardplatz ein inspirierender Ort. „Er fasziniert mich immer schon“, sagt sie und blickt von den Sitzbänken unterhalb des Basilikahügels auf das weite Pflastergrau, das umrahmt wird von einer bunten Häuserfront. „Eine theatralische Kulisse, und die Zuschauer sind mitten in der Stadt.“ 200 können dort am Samstagabend Platz finden – oder sogar noch viel mehr, falls Bayern seine Corona-Regeln lockert. Endlich wieder eine Live-Veranstaltung, sagt Hauser-Felberbaum. „Ich hoffe, dass auf dem Platz weitere folgen werden.“

Kultur-Beauftragte in Kempten: Sie lässt nicht locker

Sie sehnt sich danach, wie so viele andere Kulturfreunde auch. Ihre Wahl fiel auf die Wendejacken, die kultige Theatertruppe, die auf Publikumszurufe hin Szenen und Songs erfindet. Hauser-Felberbaum entwarf ein Konzept und präsentierte es dem Kulturamt der Stadt, das als Veranstalter auftreten soll. Dort sei man nicht gleich darauf angesprungen, sagt Hauser-Felberbaum. Aber sie ließ nicht locker, sprach mit Vertretern verschiedener Ämter, fertigte selbst ein Plakat.

Dass sie die Initiative ergreift, kommt nicht von ungefähr. Schließlich ist die 58-Jährige kein Veranstaltungs-Neuling. Seit vielen Jahren arbeitet sie als selbständige Kultur- und Eventmanagerin. Deshalb sieht sie sich auch prädestiniert für das Amt der Kulturbeauftragten, das bisher Silvia Schäfer (CSU) ausübte. Die habe nicht mehr gewollt, sagt Hauser-Felberbaum. Also habe sie sich zur Verfügung gestellt, obwohl sie neu für die Freien Wähler/ÜP ins Stadtparlament eingezogen ist. Sie habe einfach Freude an der Kultur, erklärt sie. Außerdem möchte sie den Kemptenern kulturell etwas bieten. „Das gehört zum Portfolio einer attraktiven Stadt.

Annette Hauser-Felberbaum mag alle Spielarten der Kultur

Seit 16 Jahren lebt sie mit ihrer Familie in dieser Stadt. Bis dahin hat sie viel von Deutschland kennen gelernt. Geboren wurde Hauser-Felberbaum in Heidelberg. Sie wuchs in einem Haushalt auf, der Künste aller Couleur schätzte. Nach dem Abitur machte sie in Wuppertal eine Ausbildung zur Klavier- und Cembalobauerin, arbeitete eine Zeitlang in Mailand, wo sie auch Instrumente an der Scala, dem berühmten Opernhaus stimmte und Musiker wie Leonard Bernstein kennenlernte. Dann studierte sie in Köln Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Marketing.

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Mit dem Frauenarzt und Gynäkologen Ricardo Felberbaum gründete sie eine Familie, lebte in Lübeck, dann in Kempten. Sie brachte vier Kinder zur Welt. Parallel dazu organisierte sie (Kultur-)Veranstaltungen und machte für das Mammografie-Screening Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. 2007 übernahm sie den Vorsitz der neu gegründeten Theater- und Musikgesellschaft Kempten. Ab 2013 stieg sie nach und nach in die Lokalpolitik ein.

Auch wenn Theater, klassische Musik und Malerei ihre persönlichen Favoriten sind: Annette Hauser-Felberbaum betont, dass sie alle kulturellen Spielarten mag, egal ob klassisch oder zeitgenössisch, ob etabliert oder alternativ. „Man muss immer offen und kritisch bleiben und alles Arrivierte hinterfragen“, lautet ihr Credo. In Kempten gebe es „tolle Sachen“, lobt sie. „Aber es können noch weitere tolle Sachen entstehen.“ All jenen, die wegen Corona bei Kunst und Kultur sparen möchten, entgegnet die Kulturbeauftragte des Stadtrats: „Das halte ich für völlig falsch. Wenn etwas interessant ist, muss man es machen.“

Sie möchte mit Kultur auch Flüchtlinge und Migranten integrieren

Das gelte beispielsweise fürs Kemptener Theater. Direktorin Silvia Armbruster nennt sie „eine fantastische Frau mit wunderbaren Ideen“. Sie unterstützt deren Ziel, staatliche Zuschüsse zu erhalten, um ein größeres Ensemble aufzubauen. Armbruster nehme die Leute mit und besitze ein Gespür für die Themen der Zeit. Sie bringe Stücke auf die Bühne, die sich mit der NS-Zeit und ihren Auswirkungen bis heute ebenso befassen wie mit der Flüchtlingsthematik. Konsequenterweise hält sie Kultur für wichtig, um Menschen in die Stadtgesellschaft zu integrieren, die hier als Flüchtlinge und Migranten ankommen.

Sie wolle als Kulturbeauftragte nicht der Hansdampf in allen Gassen sein, sagt Annette Hauser-Felberbaum. Aber bloß zum Repräsentieren hat sich sich nicht wählen lassen. Welche Energie sie entwickeln kann, zeigt ihr Engagement für den Hildegardplatz. Jetzt muss nur noch das Wetter schön sein ...