Theater in Altusried

Trachtler in Altusried bringen schwarze Komödie auf die Bühne

Die Koppachtaler bringen ein modernes Heimatstück auf die Bühne. Die Idee ging von Regisseur Christian Ludwig Mayer (links) und von Franz Merk (vorne Zweiter von links) aus.

Die Koppachtaler bringen ein modernes Heimatstück auf die Bühne. Die Idee ging von Regisseur Christian Ludwig Mayer (links) und von Franz Merk (vorne Zweiter von links) aus.

Bild: Eddi Nothelfer

Die Koppachtaler bringen ein modernes Heimatstück auf die Bühne. Die Idee ging von Regisseur Christian Ludwig Mayer (links) und von Franz Merk (vorne Zweiter von links) aus.

Bild: Eddi Nothelfer

Musiker Christian Ludwig Mayer hat ein satirisches Stück übers Dorfleben geschrieben. Mit Trachtlern bringt er es auf die Bühne des Theaterkästle Altusried.
25.01.2023 | Stand: 17:30 Uhr

Das hat es im Theaterkästle noch nie gegeben: Erstmals findet auf der Altusrieder Bühne eine Uraufführung statt. Der örtliche Trachtenverein „Die Koppachtaler“ haben sich dafür mit dem Oberallgäuer Musiker und Komponisten Christian Ludwig Mayer zusammengetan. Er hat den 20 mitwirkenden Männern und Frauen eine ziemlich schwarze Komödie mit dem Titel „Dorfentzug“ quasi auf den Leib geschrieben. Denn in dem Stück, das am Samstag (28. Januar 2023) Premiere feiert, geht es um Tradition und Moderne auf dem Land und die Frage, wie Menschen, die Brauchtum schätzen, mit einer harten Welt aus Fanatismus und Gier umgehen.

Ausgeheckt wurde die Sache schon 2018. Der damalige Koppachtaler-Vorsitzende Franz „Seffes“ Merk und Christian Ludwig Mayer, der das Musische Zentrum Altusried leitet, sahen sich bei einem Treffen der Altusrieder Vereinsvorstände. Gesprochen haben sie zwar nicht miteinander, aber wahrgenommen sehr wohl. „Ich dachte mir: Was ist das denn für ein Vogel“, erzählt Merk ganz unverblümt. Mayer sagt, er habe Ähnliches über Merk gedacht.

Hat das Stück und die Musik geschrieben und führt auch Regie: Christian Ludwig Mayer.
Hat das Stück und die Musik geschrieben und führt auch Regie: Christian Ludwig Mayer.
Bild: Eddi Nothelfer

Erstmals miteinander geredet haben sie, als Mayer mit seiner Idee eines modernen Bauerntheaters im Oberallgäuer Dialekt samt Stubenmusik Ansprechpartner bei der Altusrieder Spielerschar suchte. Fürs Theater arbeitete Mayer als Musiker und Komponist immer wieder mal. Doch nun hatte er selbst ein Stück geschrieben. Und er, der vorher nie Regie geführt hatte, wollte die satirisch-ironische Komödie mit schwarzem Grundton selbst inszenieren. Man riet ihm, mit Franz Merk von den Koppachtalern zu reden, die regelmäßig im Theaterkästle spielen. Der Neu-Regisseur mit der grauen Wollmütze und der Alt-Trachtler mit dem grünen Filzhut waren sich von Anfang an sympathisch, tranken ein paar Halbe Bier miteinander und besiegelten die ungewöhnliche Kooperation.

Es geht um Anton, der irgendwann zusammenbricht

Jetzt stecken sie in den Endproben und betonen: Wir haben einen Mordsspaß miteinander! Der „Dorfentzug“ handelt von Anton (Franz Merk), der das Dorfleben mit zahlreichen Aktivitäten unermüdlich und leidenschaftlich bereichert. Allmählich geht ihm jedoch die Energie aus. Als er bei seinem Jugendfreund, dem Bauunternehmer Fiedler (Hans-Günther Eisele), mit seiner Trachtengruppe auftritt, bricht er zusammen. Ist Anton noch zu retten? Vielleicht können zwei Geister helfen ...

Szene aus einer Probe von "Dorfentzug".
Szene aus einer Probe von "Dorfentzug".
Bild: Eddi Nothelfer

Er habe die Figuren überzeichnet, wie es in der barocken Commedia dell’arte üblich ist, erläutert Christian Ludwig Mayer. Angetrieben hat ihn, der in Leubas bei Kempten aufwuchs und der nach Jahren in München mit seiner Familie nun in Martinszell-Oberdorf lebt, die Sorge um den Verlust von dörflicher Identität. Gastwirte hören auf, Läden und alte Gewerbe verschwinden, und die Menschen werden sich fremd.

Das Stück hätte schon im Jahr 2020 gespielt werden sollen, doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung

„Dorfentzug“ hätte schon Anfang 2020 auf die Bühne kommen sollen. Doch der Ausbruch von Corona verhinderte die Premiere und jede Aufführung. Die enttäuschende Zwangspause hatte auch ihr Gutes, betont Merk. In der Zwischenzeit habe der Verein noch manche Idee geboren. Etwa jene, im Foyer eine Art Biergarten aufzubauen, wo vor und nach den Aufführungen sowie in der Pause Musikanten aufspielen.

In und um Altusried stößt das alles auf riesiges Interesse. Schon sind 90 Prozent der Karten weg und etliche Aufführungen komplett ausverkauft.

„Dorfentzug“ feiert am Samstag, 28. Januar 2023 (20 Uhr), Premiere im Theaterkästle. Danach ist es bis 19. Februar zwölf Mal zu sehen – inklusive zweier Zusatzvorstellungen am 8. und 16. Februar. Vorverkauf im Kartenbüro Altusried, Telefon 08373/922 00.