König-Ludwig-Brücke

Ein Kemptener Schatz, aber nicht so leicht zu heben

Kempten König-Ludwig-Brücke

Die König-Ludwig-Brücke soll eine Rolle im touristischen Konzept der Stadt spielen.

Bild: Ralf Lienert

Die König-Ludwig-Brücke soll eine Rolle im touristischen Konzept der Stadt spielen.

Bild: Ralf Lienert

Tourismusbeirat empfiehlt, einzigartiges Kemptener Baudenkmal ins rechte Licht zu rücken. Dabei gibt es mehrere Knackpunkte, einer sind die Kosten.
26.04.2021 | Stand: 11:30 Uhr

„Erleben, begehen, staunen“ war ein kurzes Vergnügen an der mehrfach preisgekrönten König-Ludwig-Brücke. Seit dem Bürgerfest nach der Wiedereröffnung Ende Mai 2019 ist nicht viel mehr geblieben als der Slogan. Jetzt wurde im Tourismusbeirat eine Untersuchung vorgestellt, wie das einzigartige Bauwerk Besuchern aus Nah und Fern eröffnet werden könnte. Die Kosten sind dabei ein gewichtiger Faktor.

Von einem „besonderen Angebot“ sprach Silke Petzold vom Büro Erlebnis-Kontor (Bremen/Hamburg). Die Agentur hat sich spezialisiert auf die Entwicklung von Themenwelten. Eisenbahngeschichte, Industrie- und Kulturgeschichte sowie Brückenarchitektur ließen sich anhand der Konstruktion über der Iller vermitteln. Petzold geht allerdings nicht davon aus, damit Massen anzulocken: Dazu liege die Brücke zu weit abseits des Zentrums, spreche eher eine spezielle Zielgruppe an und stehe in der Konkurrenz vieler attraktiver Angebote in Kempten.

Auf einen attraktiven Weg kommt es an

Entscheidend sei eine attraktive Anbindung ans Zentrum. Schon der Weg von der St. Mang-Brücke entlang der Iller müsse ein Erlebnis bieten mit Info-Punkten, Foto-Plätzen, Aktiv-Stationen.

Ein Problem an der Brücke selbst sei, dass sie nur in Begleitung von Personal begangen werden könnte, in der kalten Jahreszeit so gut wie gar nicht. Eine moderne Info-Box mit einer Dauerausstellung unweit des neuen Spielplatzes unter der Brücke könnte für Radler und Fußgänger einen Haltepunkt darstellen. Toiletten seien dort ein Muss.

10 .000 bis 15 .000 Besucher pro Jahr dürfe man erwarten. Für dauerhafte Gastronomie sei in dem Bereich kaum ein Betreiber zu finden. Das geringste Risiko bei einer Bewirtung gehe man mit einer Automaten-Lösung für Snacks und Getränke ein.

Einnahmen werden die Kosten nicht decken

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Auf 750. 000 Euro bezifferte Petzold eine Lösung inklusive Info-Box mit 140 Quadratmetern Fläche, die Zuwegung zur Brücke nicht eingerechnet. Ein kleinerer Auftakt ohne Info-Box sei auch für 400 .000 Euro möglich, was gleichzeitig den Betriebsaufwand senken würde. „Die Kosten lassen sich nicht durch Einnahmen decken“, sagte Petzold.

Bei Fördergeldern etwa über die Leader-Projekte ist Tourismus-Chefin Stefanie Schmitt skeptisch: Außerdem gebe es viele andere Projekte wie das Kulturentwicklungskonzept oder die Gestaltung touristischer Wege, für die man Fördertöpfe anzapfen wolle. „Es bleibt immer ein großer Restbetrag für die Stadt.“

Kulturamt erwägt Prioritätenliste für die Großprojekte

Busunternehmer Helmut Berchtold erkennt indes „kein großes Draufzahlgeschäft: 15. 000 Besucher bringen eine halbe Million Wertschöpfung für die Stadt.“ Auf dem Weg liege das Beginenhaus – „da kann schon ein Schuh draus werden.“ Auch Kulturamtsleiter Martin Fink glaubt, „dass wahnsinniges Potenzial drin steckt.“ Er brachte eine Prioritätenliste für kulturelle Großprojekte ins Gespräch.

Pfade zu bilden und Orientierung zu vermitteln, ist laut Silke Petzold ohnehin eine wichtige Aufgabe für die Stadt. Der Weg zur König-Ludwig-Brücke könne Teil des Netzes werden. Im Beirat waren sich letztlich alle Mitglieder einig, dass es schade wäre, den „Schatz in der Stadt“, saniert für über fünf Millionen Euro, nicht ins rechte Licht zu setzen. Vorsitzender Joachim Saukel formulierte eine Empfehlung an die Politik, die Brücke ins touristische Konzept aufzunehmen und den Vorschlag der Agentur samt Info-Box umzusetzen.