Nobelpreisträgerin spricht in Kempten

Wasserknappheit im Allgäu? Was Kempten als "Blue Community" dagegen tun kann

Wasserknappheit ist auch im Allgäu ein Thema, vielerorts waren Felder in diesem Frühjahr bereits ausgetrocknet. Nobelpreisträgerin Maude Barlow spricht in Kempten zu dem Thema.

Wasserknappheit ist auch im Allgäu ein Thema, vielerorts waren Felder in diesem Frühjahr bereits ausgetrocknet. Nobelpreisträgerin Maude Barlow spricht in Kempten zu dem Thema.

Bild: Matthias Becker/Ralf Lienert

Wasserknappheit ist auch im Allgäu ein Thema, vielerorts waren Felder in diesem Frühjahr bereits ausgetrocknet. Nobelpreisträgerin Maude Barlow spricht in Kempten zu dem Thema.

Bild: Matthias Becker/Ralf Lienert

Maude Barlow, Trägerin des alternativen Nobelpreises, macht in Kempten Mut zu kleinen Schritten. Sorgsamer Umgang mit dem „blauen Gold“ ist ihre Botschaft.
23.05.2022 | Stand: 17:58 Uhr

So zierlich die Frau, so fulminant ihre Botschaft: Wasser ist der Schlüssel zum Frieden. Der sorgsame Umgang mit Trinkwasser sei folglich eine Verpflichtung auch in Gebieten wie dem Allgäu, das zumindest bisher mit reichlich Niederschlägen und großen Grundwasservorkommen gesegnet ist. Während einer Vortragsreise durch Deutschland referiert Maude Barlow in der Hochschule sowie im Carl-von-Linde-Gymnasium. „Weise Hoffnung“ vermittelt sie ihren Zuhörern.

Die kanadische Schriftstellerin Maude Barlow (74) ist Vorsitzende des Council of Canadians, der größten Bürgerrechtsbewegung Kanadas. Sie beriet als Vorstandsmitglied des International Forum on Globalization unter anderem den Generalsekretär der Vereinten Nationen. Die Mitbegründerin der Umweltschutzbewegung Blue Planet Project, die das Trinkwasser vor der „Bedrohung durch Handel und Privatisierung“ schützen will, erhielt für ihren weltweiten Einsatz für die Anerkennung des Grundrechts auf sauberes Wasser 2005 den Alternativen Nobelpreis. Schon 1983 war sie die erste „Beraterin für Frauenfragen“ des kanadischen Premierministers.

Aktiv werden in den Sorgen um die Umwelt - auch im Allgäu

Bei ihren vier Enkelkindern habe sie beobachtet, wie diese als Teenager eine Katastrophe nach der anderen um sich herum erleben. „Davon dürfen Sie sich nicht überwältigen lassen“, sagt die 74-Jährige. Greta Thunbergs Beispiel zeige, dass es Menschen dann besser gehe, wenn sie ihre Sorgen aktiv angingen. „Nichts schlimmer als Hochschul-Absolventen, die sagen, es ist eh nichts mehr zu machen.“ Gerade die jungen Menschen mit der besten Ausbildung sieht Barlow auch in einer Verantwortung, sich für eine intakte Umwelt stark zu machen.

Barlows Optimismus speist sich aus vielen Erfahrungen. Jede Krise rüttle die Welt auf, könne Türen öffnen für fundamentale Änderungen. Mit Covid-19 beispielsweise hätten auch in Entwicklungsländern mehr Menschen Zugang erhalten zu sanitären Einrichtungen und warmem Wasser. Nicht zuletzt als Frauenrechtlerin weiß sie, dass langer Atem gefragt ist: „Der Kampf ist nie vorbei.“

Jeder kann beitragen: Leitungswasser ist besser als Flaschenwasser

Kleine Schritte könne indes jeder gehen. Leitungswasser trinken, statt Flaschenwasser nach Hause zu schleppen, ist so ein Alltagsansatz. Stop sagen, wenn jemand Wasser vergeudet oder verschmutzt. Lesen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Und dieses Wissen in die Kindergärten und Schulen tragen.

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Als Irrweg brandmarkt Barlow, dass Wasser an Terminbörsen gehandelt wird wie Öl und Gas. Das „blaue Gold“ sähen viele Konzerne im Wasser – mit verheerenden Folgen. In Südamerika habe eine Firma versucht, Regenwasser als ihr Eigentum zu reklamieren. Bürgerkriege wie in Bolivien und Syrien entzündeten sich am Wassermangel. In Teilen Afrikas blieben vor allem Mädchen von der Schulbildung abgeschnitten, weil sie täglich kilometerweit laufen müssten, um an sauberes Wasser für ihre Familien zu gelangen.

Kempten als Beispiel: Ein "blaues Allgäu" würde Barlow freuen

Komplimente gibt es für die Stadtspitze, weil Kempten seit 2019 auf Antrag von Bürgermeisterin Erna-Kathrein Groll „Blue Community“ ist. Mit der Fernwasserversorgung Oberes Allgäu setzt sich die Stadt auch für den Bau von Brunnen im Senegal ein. An die Bürgermeister im Audimax geht der Appell, dem Kemptener Vorbild zu folgen, vielleicht mit dem Ziel, erste „blaue Region“ weltweit zu werden. Blaues Allgäu? Da war doch was ...

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