Corona-Krise

Mehr Stornierungen als Buchungen in Kemptener Hotels

Das Hotel Bayerischer Hof gehört zum Zusammenschluss der „Hotels Kempten im Allgäu“.

Das Hotel Bayerischer Hof gehört zum Zusammenschluss der „Hotels Kempten im Allgäu“.

Bild: Martina Diemand

Das Hotel Bayerischer Hof gehört zum Zusammenschluss der „Hotels Kempten im Allgäu“.

Bild: Martina Diemand

Unternehmer sehen dem Neustart nach mit gemischten Gefühlen entgegen. Warum einige Betriebe auf spezielle Vergünstigungen setzen
22.09.2020 | Stand: 11:00 Uhr

Wenn am heutigen Samstag die Hotels auch in Kempten wieder öffnen dürfen, ist das natürlich ein Lichtblick für Unternehmer und Mitarbeiter. Ein rosiger Neustart sieht allerdings anders aus. „Es kommen immer noch mehr Stornierungen als Buchungen herein“, sagt Renate Heel vom Hotel Restaurant Waldhorn. Der Verein „Hotels Kempten im Allgäu“ steuert der Flaute mit besonderen Angeboten entgegen. Auch Kempten Tourismus versucht mit neuen Aktionen, Übernachtungsgäste in die Stadt zu locken.

Die Buchungen zum Auftakt der Pfingstferien sind je nach Haus unterschiedlich. Einzelne seien über die Feiertage „schon ganz gut belegt“, andere sind von ihrer normalen Auslastung weit entfernt. „Wir liegen etwa bei 15 Prozent“, sagt Heel. Von Kollegen im Verein hörte sie ähnliche Werte. Während im südlichen Oberallgäu Feriengäste den Hauptteil der Touristen ausmachen, sei es in Kempten ohnehin eher der Businessgast. Große Hoffnung setzen die Hoteliers auf Kurzentschlossene, die Kempten als Stadt besuchen und von dort Ausflüge unternehmen wollen.

Gründe für ausbleibende Gäste gibt es viele

Insgesamt hat die Corona-Krise viele Fragen aufgeworfen: Wer hat jetzt noch genügend Urlaubstage? Wer hat in Zeiten von Kurzarbeit noch genügend Geld in der Reisekasse? Wer vertraut den neuen Hygieneregeln? Und wer hat auch Lust, auf Mund-Nasen-Schutz zu achten an den Wohlfühltagen, zudem unter Verzicht auf die Wellness-Bereiche? „Viele Beherbergungsbetriebe sehen der Zukunft schon sehr bange entgegen“, sagt Heel. Auch die Zahl der klassischen Transit-Gäste etwa aus den Benelux-Ländern, die auf dem Weg nach Italien gerne einen Zwischenstopp in Kempten einlegen, dürften wegen der Reisebeschränkungen heuer deutlich niedriger ausfallen. Dazu kommt, dass in Österreich und Südtirol lange Hotspots der Pandemie in den Schlagzeilen waren.

Kemptener Hotels nehmen Allgäuer als Zielgruppe ins Visier

Wie in vielen anderen Destinationen, versuchen einige Kemptener Hotels, mit Vergünstigungen zusätzliche Anreize für Gäste zu setzen. Tapetenwechsel speziell für Allgäuer Gäste ist eines dieser Programme in den Pfingstferien. Eine Übernachtung mit Frühstück gibt es je nach Kategorie der Häuser zum Sonderpreis. Vier Nächte bleiben zum Preis von drei ist im Juni und Juli möglich bei den Mitgliedsbetrieben der „Hotels Kempten im Allgäu“: Hotel Peterhof, Smart Motel Kempten, St. Raphael im Allgäu, Jufa Kempten-Familien-Resort, CityHotel Kempten, Hotel Goldene Steig, Big Box Allgäu Hotel, Hotel Bayerischer Hof, Allgäu ART Hotel, Hotel Waldhorn.

Um potenzielle Gäste zu Reisen nach Kempten zu animieren, hat Kempten Tourismus einen Postkarten-Versand veranlasst. In einer Auflage von 50 000 Stück erreicht sie Haushalte der Städte Köln, Mainz, Stuttgart und München – ein Großteil der Kemptener Gäste reist aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg an. „Vielleicht zieht beim einen oder anderen Großstädter auch die Aussicht darauf, dass man Menschenaufläufen hier aus dem Weg gehen kann“, sagt Abteilungsleiterin Stefanie Schmitt.

Veranstaltungen wie die Allgäuer Festwoche fehlen

Das bisherige Marketing von Kempten Tourismus ist indes einigermaßen über den Haufen geworfen worden. Keine Festwoche, kein Märchensommer – solche Glanzlichter fehlen heuer im Veranstaltungskalender. Da sind die Verantwortlichen froh, dass nun Stadtführungen und Besuche der Museen wieder möglich werden. Auch in den beliebten Prunkräumen der Residenz gibt es demnächst wieder Führungen.