Rugby

Langer Anlauf zur Rugby-Karriere

Rugby:  Regionalliga Bayern:   Allgäu Rugby Kempten ? Regensburg/Raigering

Daniel Brunner (Dritter von links) hat sich innerhalb kürzester in der Mannschaft von Allgäu Rugby etabliert. Der 30-Jährige fing erst vor einem Jahr mit Rugbyspielen an – obwohl er die Sportart schon seit seiner Kindheit kennt.

Bild: Matthias Becker

Daniel Brunner (Dritter von links) hat sich innerhalb kürzester in der Mannschaft von Allgäu Rugby etabliert. Der 30-Jährige fing erst vor einem Jahr mit Rugbyspielen an – obwohl er die Sportart schon seit seiner Kindheit kennt.

Bild: Matthias Becker

Daniel Brunner kennt Rugby seit seiner Kindheit, spielt aber erst seit einem Jahr. Beim Team Allgäu Rugby fühlt sich der 30-Jährige von Anfang an wohl.
05.11.2021 | Stand: 19:36 Uhr

Wenn man abseits des Feldes Kontakt zu den Sportlern von Allgäu Rugby aufnehmen will, bietet sich ein Besuch in einem Kemptener Irish Pub an. Dort treffen sich die Rugby-Spieler häufig in geselliger Runde, lassen die jüngsten Spiele Revue passieren und sprechen über die nächsten Partien.

Bei Daniel Brunner dauerte die „Rekrutierung“ vor zwei Jahren nicht lange. „Ich war im Pub, um die Rugby-WM zu sehen. Abteilungsleiter Peter Veicht kam auf mich zu und meinte: ’Du siehst aus, als ob du Bock auf Rugby hast’“, erzählt Brunner. Der 30-Jährige stand noch nie auf dem Feld – was Veicht aber nicht wusste. Umso überraschter ist der Abteilungsleiter des Regionalligisten von der Entwicklung Brunners, die er als „wahnsinnig gut“ bezeichnet.

Über seinen Opa kommt Daniel Brunner mit Rugby in Kontakt

Eine Erklärung, warum ihm die Sportart so liegt, liefert Brunner selbst. „Meine Mutter kommt aus Südafrika, wir haben dort früher immer meinen Opa besucht“, sagt der 30-Jährige. Brunners Großvater war begeisterter Sportler, spielte neben Rugby unter anderem Cricket und Squash. „Er hat mir die Regeln erklärt, nur mich hat es damals nicht richtig interessiert“, sagt der Kemptener. „Es hat dann brutal lange gedauert, bis ich selber beim Rugby gelandet bin. Hätte ich früher angefangen, wäre ich jetzt auf einem anderen Niveau.“

2007 machte sich der gelernte Industriemechaniker erstmals auf die Suche nach einer Rugby-Mannschaft, die nahe gelegenste Möglichkeit wäre damals Memmingen gewesen. Als Kind spielte Brunner zunächst Handball beim TV Waltenhofen, machte einen sechswöchigen Abstecher zum Fußball und probierte sich ein Jahr im Schützenverein. „Dann kam eine lange sportfreie Zeit, in der ich an Gewicht zugelegt habe“, sagt der 30-Jährige schmunzelnd. Das wiederum stelle sich jetzt bei Allgäu Rugby, die am Wochenende beim RFC Bad Reichenhall ihr vorletztes Spiel in diesem Jahr bestreiten, als Vorteil heraus.

Kraft, Konditon: Was bei Allgäu Rugby gefragt ist

Im Juli 2020 trainierte Brunner erstmals mit, seitdem hat sich er sich konstant verbessert – auch konditionell. „ Letztes Jahr hab ich zehn Minuten durchgehalten, jetzt geht das über das ganze Spiel. Das motiviert mich brutal“, sagt Brunner. Er wird als Stürmer (Forward) eingesetzt, als sogenannter Pfeiler (Prop). Im Gedränge unterstützt er den Hakler, der den Ball aus dem Getümmel herausbringt. Wenn der Ball frei ist, hilft Brunner dem Ballträger auf dessen Weg in die Endzone. „Viel Kraftaufwand und viel Arbeit – das ist mein Job auf dem Feld“, sagt Brunner. „Die Lorbeeren ernten zunächst andere. Aber Rugby ist der Prototyp eines Mannschaftssports. Jeder ist wichtig, jeder trägt seinen Teil zum Erfolg der Mannschaft bei.

Allgäu Rugby feiert 18:14-Sieg gegen Regensburg

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Das haben Brunner und seine Teamkollegen beim jüngsten 18:14-Sieg gegen die SG Regensburg/Raigering gezeigt. „Es war hart erkämpft, mega spannend. Wir haben danach schon auch etwas gefeiert, gehen eigentlich nach jedem Spiel ins Pub. Das ist gute Tradition“, erzählt Brunner. „Schade ist, dass Opa meine Rugby-Karriere nicht mehr erlebte – er starb vor acht Jahren.“ Obwohl es im Rugby körperlich zur Sache geht, empfindet Brunner die Sportart als fair. „Wir gehen mit Respekt vor dem Gegenspieler in den direkten Kontakt. Das ist etwas anders als beispielsweise beim American Football, wo die Hemmschwelle auch wegen der Helme und Schutzausrüstung geringer ist.“

Ehefrau Sarah hat Verständnis für die Rugby-Karriere

Unterstützung erfährt Brunner von seiner Frau Sarah. „Sie ist bei jedem Heimspiel dabei und versteht, dass der Sport ein Teil der Familiengeschichte ist“, sagt Brunner. Die beiden haben dieses Jahr geheiratet, die Feier findet kommendes Jahr statt. „Drei Wochen davor soll ich kein Rugby spielen – nicht dass ich mit einer Platzwunde auf den Fotos erscheine“, sagt Brunner. Eine Terminkollision gibt es jedenfalls schon. Die Hochzeitsfeier fällt auf denselben Tag wie das letzte Regionalliga-Spiel von Rugby Allgäu gegen den RC Innsbruck.