Gastronomie

Wie Kemptener Tag 1 der Lockerung erleben

Corona Straßencafe

Wer bedient, muss wie die Café-Sissi-Mitarbeiterin Mund und Nase bedecken.

Bild: Ralf Lienert

Wer bedient, muss wie die Café-Sissi-Mitarbeiterin Mund und Nase bedecken.

Bild: Ralf Lienert

Seit Montag dürfen Gastronomen ihre Gäste unter gewissen Vorgaben wieder draußen bewirten. Viele Kemptener freuen sich.  Es gibt aber auch Kritik.
18.05.2020 | Stand: 18:52 Uhr

Auf den ersten Blick wirkt die Kemptener Innenstadt am Montagmittag wie vor der Corona-Krise: Menschen bummeln durch die Fußgängerzone und lassen sich in den Stühlen vor den Restaurants und Cafés nieder, um sich ihr Mittagessen schmecken zu lassen. Auf den zweiten Blick fallen allerdings laminierte Schilder auf: Die Gäste sollen warten, bis das Personal ihnen Plätze zuweist. Außerdem sitzen die Menschen ungewöhnlich weit auseinander – und die Kellner bedienen mit Maske. Seit Montag dürfen Gastronomen ihre Gäste unter Auflagen wieder unter freiem Himmel bewirten. Die meisten Vorgaben stören viele Kemptener nicht. Anders sieht es bei den Listen aus, in die Gäste unter anderem ihren Namen und ihre Telefonnummer eintragen müssen.

Höhen der Geldstrafen stehen noch nicht fest

„Wir machen das ja nicht zum Spaß“, sagt Hannes Wegscheider, Inhaber des Residenz-Cafés, zu den Vorkehrungen. „Wenn wir das nicht tun, werden wir bestraft.“ Wie hoch die Geldstrafe ausfallen würde, steht allerdings noch nicht fest: „Wir erwarten noch eine entsprechende Richtlinie der Staatsregierung“, sagt Thomas Klett vom Ordnungsamt Kempten. Vorerst kontrollieren er und seine Kollegen ihm zufolge stichprobenartig und dann, wenn sie einen Hinweis erhalten. Bei einem Verstoß weise man den Betreiber darauf hin. Bleibt dieser uneinsichtig, könne die Stadt ihm ein Zwangsgeld aufbrummen – „aber so weit wollen wir mal nicht denken“.

Kemptener: Kundenliste ist Verstoß gegen Datenschutzgesetz

Die Vorgaben stoßen nicht bei allen Gästen auf Verständnis: In den Augen eines 64-jährigen Kempteners stellt die Kundenliste einen Verstoß gegen das Datenschutzgesetz dar. Der Mann ist Stammgast im Residenz-Café und sehnt sich nach Normalität. Er fürchtet, dass die Angaben künftig auch anderswo erforderlich sind. „Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Bäcker und müssen sich dafür eintragen.“

An einem Tisch sechs Meter entfernt verbringen zwei Frauen ihre Mittagspause. „Ich habe mich richtig auf die Öffnung der Außenbereiche gefreut“, sagt Monika Apfelbach-Kapp (56). „Der Arbeitstag ist auch ganz anders, wenn man mittags hier draußen sitzen kann.“ Ihre Kollegin Gabriele Singer (63) sieht das genauso. Die Vorsichtsmaßnahmen stören die zwei Kemptenerinnen nicht.

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"Ich habe Hunger, sonst würde ich das nicht durchmachen"

Eine davon ist, dass die Tische weiter auseinanderstehen. Damit Inhaber Wegscheider dennoch keine Einbußen bei der Platzkapazität verzeichnet, hat die Stadt ihm und anderen Gastronomen teilweise öffentlichen Grund zugestanden (wir berichteten). Diese Absprachen sind laut Klett individuell getroffen worden. Wie das Ordnungsamt die Einhaltung kontrolliert, werde sich in der nächsten Zeit zeigen. Auch Ingo Burger, Inhaber des Restaurants Schalander, darf momentan Stühle und Tische außerhalb des gewohnten Außenbereichs aufstellen. Vor dem Eingang auf der Freitreppe wartet eine 56-Jährige mit ihrem Hund. Auch sie rücke nur ungern ihren Namen und Telefonnummer raus: „Ich habe Hunger, sonst würde ich das nicht durchmachen.“ 2019 habe jeder von Datenschutz gesprochen, jetzt müsse sie hier ihre Daten angeben – „das ist mir zuwider“.

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Unter anderem aus diesem Grund hat der Landgasthof „Alte Säge“ in Ermengerst (Wiggensbach) noch nicht geöffnet, sagt Inhaber Michael Schlottmann. Dazu komme, dass es sich für ihn nicht rentiere. Er könne gerade mal bis zu 40 Prozent seiner Plätze draußen belegen. Damit ausreichend Geld in die Kasse kommt, müsste er sofort nach dem Essen abkassieren. „Das macht uns keinen Spaß und den Gästen auch nicht.“

Im Café Sissi in Kempten hätte sich bislang keiner beschwert, sagt Inhaberin Petra Wuttge. Die Mitarbeiter müssten aber erheblich mehr Aufwand betreiben. Nach jedem Kunden heißt es: Tische und Stühle desinfizieren. Alles was zuvor am Platz stand, tragen die Mitarbeiter ständig raus und rein. Erschwerend kommt Burgkaffee-Barkeeperin Laura Reinisch zufolge die Datenliste hinzu: „Das braucht Zeit.“ Zu viele Reservierungen gebe es weder bei ihr noch bei den Nachbarbetrieben. „Viele sind wahrscheinlich noch verhalten.“