Kleinwalsertal

Kleinwalsertal: Kanzler Kurz kommt - was sich Walser davon erwarten

Die Grenze zum Walsertal ist derzeit dicht. Nur mit einem triftigen Grund darf man einreisen. Kanzler Kurz (links) will sich vor Ort informieren. Wie der Besuch ablaufen soll, erklärt uns Bürgermeister Haid (rechts).

Die Grenze zum Walsertal ist derzeit dicht. Nur mit einem triftigen Grund darf man einreisen. Kanzler Kurz (links) will sich vor Ort informieren. Wie der Besuch ablaufen soll, erklärt uns Bürgermeister Haid (rechts).

Bild: Johannes Kögler, Helmut Fohringer/dpa, Dominik Berchtold

Die Grenze zum Walsertal ist derzeit dicht. Nur mit einem triftigen Grund darf man einreisen. Kanzler Kurz (links) will sich vor Ort informieren. Wie der Besuch ablaufen soll, erklärt uns Bürgermeister Haid (rechts).

Bild: Johannes Kögler, Helmut Fohringer/dpa, Dominik Berchtold

Der österreichische Regierungschef will sich über die schwierige Situation in der österreichischen Exklave informieren. Wie der Besuch ablaufen soll.
11.05.2020 | Stand: 06:12 Uhr

Erstmals seit Beginn der Corona-Krise in Österreich vor fast zehn Wochen nimmt der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz in dieser Woche wieder öffentliche Termine außerhalb des Kanzleramtes wahr. Unter anderem plant Kurz (33, ÖVP) Besuche in allen Bundesländern. Den Auftakt macht am kommenden Mittwoch eine Visite im Kleinwalsertal. Nach Angaben des Kanzleramts in Wien will sich der Regierungschef zusammen mit Landeshauptmann Markus Wallner ein „persönliches Bild“ von der Situation im Kleinwalsertal machen.

Die 5000 im Kleinwalsertal lebenden Menschen waren fast sieben Wochen nahezu isoliert, weil sie nicht über die Grenze fahren durften und es eine Straßenverbindung nach Vorarlberg nur über Deutschland gibt. Jetzt dürfen die Walser zwar nach Deutschland – beispielsweise zum Einkaufen nach Oberstdorf. Doch Deutsche oder andere EU-Staatsbürger können ohne triftigen Grund nicht nach Österreich einreisen – also auch nicht ins Walsertal

98 Prozent der Menschen leben vom Tourismus

Im Tal lebe die Bevölkerung zu schätzungsweise 98 Prozent vom Tourismus und der nachgelagerten Wertschöpfung, sagt der Kleinwalsertaler Bürgermeister Andi Haid. Zuletzt wurden pro Jahr 1,8 Millionen Nächtigungen gezählt. Im Sommer wie im Winter leben weitere 2000 Saisonarbeitskräfte vom Tourismus.

In Österreich dürfen am 15. Mai wieder Restaurants öffnen, zu Pfingsten Ende Mai auch Übernachtungsbetriebe. Das Schlimmste aus Sicht der Kleinwalsertaler wäre, wenn an Pfingsten die Grenzen noch zu wären und von Deutschland niemand einreisen könnte. Dann würde nämlich überall in Österreich der Tourismus wieder allmählich anlaufen, nicht aber in den nicht von Deutschland erreichbaren Exklaven Kleinwalsertal und Jungholz. „So gesehen wollen wir eigentlich keine Sonderlösung, sondern nur eine Gleichbehandlung, sagt Bürgermeister Haid aus Sicht der Exklaven.

Das alles wollen die Walser Bundeskanzler Kurz am Mittwoch klarmachen. Doch eigentlich ist er nur einer von zwei Adressaten. Letztlich dürfte nämlich in Wien und Berlin entschieden werden, ob die EU-Binnengrenzen wieder geöffnet werden. Während Bundesinnenminister Horst Seehofer zuletzt die Schließung bis 15. Mai verlängerte, hatte der österreichische Kanzler gesagt, er gehe von einer Grenzöffnung zu Deutschland vor dem Sommer aus. Es werde eine Einigung geben, „sobald Deutschland dazu bereit ist“.

Nur zwei Corona-Infektionen im Kleinwalsertal

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Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Bürgermeister Haid, im gesamten Kleinwalsertal habe es seit Ausbruch der Coronakrise lediglich zwei Infektionen gegeben. Die Betroffenen gelten inzwischen als geheilt. Und auch das ans Tal angrenzende Oberallgäu steht vergleichsweise gut da: Der Landkreis Oberallgäu hat nach den Zahlen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) die wenigsten Infektionen pro 100 000 Einwohner in ganz Bayern.

Erwartet wird Bundeskanzler Kurz am Mittwoch um 19.30 Uhr am Grenzübergang Walserschanze zwischen Oberstdorf und Riezlern. Schon macht im Tal ein Kalauer die Runde: „Mach mal kurz die Grenze auf...“ Begleitet wird der Kanzler von Staatssekretär Magnus Brunner und dem Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner. Wieso kommt Kurz mit dem Auto aus Wien und nicht mit dem Hubschrauber? Das wäre der Bevölkerung im Tal, die in den vergangenen Wochen so zurückstecken musste, nicht vermittelbar, meint Bürgermeister Haid.

Nach seinen Worten ist am Mittwochabend ein Gespräch mit Vertetern der Tourismusbranche und dem Gemeindevorstand geplant. Die Leute würden draußen weit auseinander stehen und drinnen die entsprechenden Sicherheitsabstände einhalten, sagt Haid. Erwartet werde auch Karina Konrad, die Bürgermeisterin der kleinen österreichischen Exklave Jungholz bei Wertach(Oberallgäu). Die dort wohnenden 200 Einwohner sind in derselben Situation wie die Kleinwalsertaler. Kurz wird gegen 22 Uhr wieder abreisen und in Bregenz übernachten.

Der letzte Besuch eines Bundeskanzlers im Kleinwalsertal liegt übrigens schon lange zurück: Laut Gemeindechronik war das am 8. Januar 1973. Damals war Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky (SPÖ) da.