Bestattungen im Allgäu

Warum werden derzeit ungewöhnlich viele Tote in Allgäuer Krematorien eingeäschert?

Ein Sarg wird in einem Krematorium verbrannt. Im Allgäu ist die Feuerbestattung auf dem Vormarsch.

Ein Sarg wird in einem Krematorium verbrannt. Im Allgäu ist die Feuerbestattung auf dem Vormarsch.

Bild: Thomas Frey, dpa (Symbolfoto)

Ein Sarg wird in einem Krematorium verbrannt. Im Allgäu ist die Feuerbestattung auf dem Vormarsch.

Bild: Thomas Frey, dpa (Symbolfoto)

In den Allgäuer Krematorien werden derzeit ungewöhnlich viele Verstorbene eingeäschert. Die Betreiber stehen wegen der Energiekrise vor einem Balanceakt.
10.11.2022 | Stand: 05:00 Uhr

Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Feuerverbrennung, wenn ein Angehöriger stirbt. Das bekommen auch die Krematorien in Kempten und Memmingen zu spüren. „Es ist derzeit sehr viel zu tun“, sagt Sascha Wedlich, Regionalleiter Süd und zuständig für das Krematorium in Kempten. Konkrete Zahlen wollen die Verantwortlichen aber nicht nennen.

Der Trend gehe ganz klar weg von der Erdbestattung und hin zur Einäscherung. Bayern hinke mit einer Quote von derzeit 70 Prozent allerdings noch hinterher, in anderen Bundesländern und im Ausland würden teilweise schon über 90 Prozent der Verstorbenen eingeäschert, sagt Stefan van Dorsser, Geschäftsführer Deutschland der Facultatieve GmbH, die die Krematorien Kempten und Memmingen unterhält. „Es gibt Perioden, in denen wir nicht so viel zu tun haben und dann gibt es welche mit vielen Verstorbenen“, sagt Wedlich. Derzeit sei letzteres der Fall. Warum das so ist, wissen Wedlich und van Dorsser nicht. Sie vermuten, dass es an den Babyboomern liege, von denen jetzt die ersten ein fortgeschrittenes Alter erreichen, in dem auch häufiger Menschen erkranken und sterben. „Wir wissen aber auch, dass es viele andere Faktoren gibt, die eine Rolle spielen“, sagt Wedlich.

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Gibt es derzeit mehr Sterbefälle in der Region?

Der Geschäftsstellen-Leiter des bayerischen Bestatterverbands, Jörg Freudensprung, schätzt die Situation ähnlich ein: „Die Bestatter leben immer mit solchen Schwankungen. Derzeit merken wir, dass viel zu tun ist.“ Das hänge zum Teil auch mit der „Schlechtwetterzeit“ zusammen, weil dann erfahrungsgemäß mehr Menschen sterben würden. „Und wir registrieren, dass es im Süden Bayerns mehr Sterbefälle gibt“, sagt Freudensprung. Wegen der geburtenstarken Jahrgänge sei zudem langfristig mit einer Zunahme an Sterbefällen zu rechnen. „Darauf müssen sich sowohl Bestatter als auch Krematorien einstellen.“

In den Krematorien in Kempten und Memmingen habe man nun reagiert. Die Arbeitszeiten wurden geändert und am Wochenende wird derzeit auch gearbeitet. Nur so könnten die vielen Toten rechtzeitig eingeäschert werden. Zudem verzögerten sich die Einäscherungen oftmals, weil noch Papiere von den Bestattern fehlten.

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Zugleich müssen die Verantwortlichen aber Energie sparen, denn auch sie spüren die Auswirkungen der stark gestiegenen Gaspreise. Eigentlich können parallel sechs Öfen betrieben werden. „Derzeit laufen aber nur die zwei neuesten, sparsamsten Öfen“, sagt van Dorsser. Diese seien sowohl energieeffizient als auch umweltfreundlich. Zudem soll die Temperatur in den Öfen gesenkt werden. Die Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz hat hierfür die Freigabe zur Absenkung von 850 auf 750 Grad erteilt. „Das muss allerdings mit dem zuständigen Umweltamt besprochen werden und wir benötigen die Genehmigung der Stadt“, sagt van Dorsser.

Bestattungen im Allgäu: Zeremonien gibt es teils auch im Krematorium

Weil viel zu tun ist und in den nächsten Jahren sich wohl noch mehr Menschen für eine Feuerbestattung entscheiden, sind Wedlich und van Dorsser auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. „Der Beruf ist sehr interessant. Wer ihm offener gegenüber steht und technisch veranlagt ist, ist bei uns genau richtig“, sagt Wedlich.

Die Verstorbenen werden aus dem ganzen Allgäu nach Kempten und Memmingen transportiert. „Das hängt davon ab, zu welchem Bestatter die Angehörigen gehen.“ Diese hätten auch keinen Kontakt mit dem Krematorium. „Wir sind Dienstleister und haben ausschließlich mit den Bestattern zu tun. Die Verstorbenen werden uns gebracht, wir führen die Einäscherung durch und die Urnen werden vom Bestatter abgeholt“, erklärt Wedlich. Ab und an gebe es aber auch Zeremonien im Krematorium. In einem kleinen Raum können Angehörige Abschied nehmen.