Einstimmiges Bekenntnis zu mehr Klimaschutz

"Kampf gegen größte Bedrohung unserer Zeit": Stadt Marktoberdorf startet Klimaschutz-Offensive

Ut Ut Ahrtal

Überschwemmungs-Chaos mit katastrophalen Schäden im Ahrtal: Thema im Marktoberdorfer Stadtrat war auch, wie schmerzhaft Deutschland heuer mit dem Thema Klimawandel konfrontiert wurde.

Bild: Dominik Reich

Überschwemmungs-Chaos mit katastrophalen Schäden im Ahrtal: Thema im Marktoberdorfer Stadtrat war auch, wie schmerzhaft Deutschland heuer mit dem Thema Klimawandel konfrontiert wurde.

Bild: Dominik Reich

Marktoberdorf will noch mehr als bisher für den Arten- und Klimaschutz tun und startet eine Offensive. Warum die Stadt dabei auf externe Beratung verzichtet.
12.10.2021 | Stand: 12:02 Uhr

Die Stadt Marktoberdorf startet eine Klima- und Artenschutzoffensive. Einstimmig befürwortete der Stadtentwicklungsausschuss die Pläne, für die der Marktoberdorfer Bürgermeister Wolfgang Hell (CSU) und Umweltreferent Christian Vavra (Grüne) warben. Denn Klimawandel und Artensterben schritten stark voran. „Bei der Bewahrung der Schöpfung sind aber auch Kommunen gefordert“, sagte Hell. „Klima- und Artenschwund sind die größten Bedrohungen unserer Zeit“, sagte Vavra. Er hob hervor, „wie schmerzhaft“ man durch die Überschwemmungen in diesem Jahr mit dem Klimawandel konfrontiert worden sei.

Auch Deutschland wurde heuer schmerzhaft mit dem Klimawandel konfrontiert

Die Stadt will nun ihr Engagement für Arten und Klima intensivieren, und zwar ohne eine externe Agentur hinzuzuziehen. „Da zahlen wir fünfstellige Beraterhonorare für Klimamanager-Projektstellen und dafür, zu hören, welche Kompensationszahlungen für nicht-eingespartes CO2 wir leisten müssten, damit wir auf dem Papier klimaneutral werden“, sagte Hell. Lieber wolle die Stadt selbst vor Ort etwas tun. „Wir wollen uns nicht freikaufen.“

Deshalb habe er mit Vavra und der Verwaltung ein Konzept entwickelt, das neben neuen Ideen dem Status quo Rechnung trage – also dem, was die Stadt schon getan habe und was zum Teil fortgeschrieben werden könne. 122 Maßnahmen sind aufgelistet. Dabei geht es laut Hell um Lebensräume, CO2-Einsparung bei der Energieerzeugung, regenerative Energie, Mobilität und nachhaltiges Bauen – und darum, Bürgerengagement zu belohnen.

Mehr als drei Hektar Grünflächen im Marktoberdorfer Stadtgebiet zu artenreichen Blumenwiesen umgestaltet

Schlaglichtartig nannte Hell Beispiele, ging darauf ein, dass im Stadtgebiet drei Hektar Grünflächen zu artenreichen Blumenwiesen umgestaltet wurden, dass Mischwald gefördert werde oder Moore wie in Geisenried sowie Gewässer im großen Stil renaturiert. „Das Geltnachufer ist erledigt, am Wertachufer läuft es“, sagte Hell.

Auch bestehende Nahwärmenetze und Solarthermie für städtische Gebäude, den geplanten Flexibus oder die Überlegung, künftig als Stadt nur noch mit Recycling-Stoffen zu bauen, sprach Hell an. Natürlich koste das alles Geld, sagte er, es sei aber eine Investition in die Heimat und die Zukunft der Kinder. Sogar auf scheinbare Nebensächlichkeiten lege man Wert. So wolle die Stadt, Stichpunkt Moorschutz, zum Beispiel keine Torf-Derivate mehr kaufen.

Thorsten Krebs: "Teurer als Klimaschutz ist nur kein Klimaschutz!"

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Im Ausschuss stieß die Offensive auf viel Zustimmung – auch wenn ihre Umsetzung nicht billig werde. „Aber: Teurer als Klimaschutz ist nur kein Klimaschutz“, sagte Thorsten Krebs (CSU). Er regte an, zu überlegen, wie man Autoindividualverkehr reduziere. Etwa, indem die Stadt ihre 600 Parkplätze verknappe oder Geld fürs Parken verlange. „90 000 Euro nimmt Schongau im Jahr für seine 800 Parkplätze ein.“ Denn noch immer machten Kurzstrecken bis zwei Kilometer die Hälfte aller Autofahrten in der Kernstadt aus. „Das ist zu viel.“

Stadtrat erhält Applaus für seine Forderung nach der "gelben Tonne"

Viel Applaus seiner Ratskollegen erhielt Krebs in dem Zusammenhang für eine zweite Anregung: Nämlich die, die gelbe Tonne im Landkreis unbedingt zu forcieren. „Wertstoffe müssen abgeholt werden!“, sagte er. Es könne nicht sein, dass „Hunderte, ja Tausende Autofahrten“ mit dem SUV von Süd nach Nord gemacht würden, „nur um ein paar Joghurtbecher abzugeben“.

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